Der Tennisspieler – Hmm, ich bin unschlüssig

Der Tennisspieler nervt. Oder nein, sein Verhalten nervt mich. Hm, auch falsch ausgedrückt. Ich bin unzufrieden.

Auch wenn ich hier in letzter Zeit mehr über meinen bärtigen Nachbarn in Spe geschrieben habe, gibt es nachwievor den Tennisspieler. Aber irgendwie läuft es nicht so wie geplant. Eigentlich ist der Mann perfekt: er sieht unheimlich gut aus, durchtrainiert, dichtes Haar. Er ist intelligent, hat einen soliden Beruf (habe ich geprüft, bei meinen Erfahrungen mit dem Soldaten bin ich misstrauisch) und ich glaube, dass er nicht schlecht verdient. Außerdem ist er sehr ehrgeizig und zielstrebig, zumindest habe ich den Eindruck, wenn er so vom Sport und vom Training erzählt. Aber er wirkt immer so sachlich, fast emotionslos wenn er vom Tennis erzählt. Oder von sonst was. Er erzählt, dass das Match gut war, aber er hat verloren, weil der Gegner besser war. Oder er hat schlecht gespielt, dann war das Match natürlich nicht gut. Manchmal gewinnt er auch, aber das erwähnt er dann nur nebenbei. Ganz sachlich. Ohne Leuchten in den Augen. Das verstehe ich nicht! Wenn jemand so viel Energie in sein Hobby steckt und so viel Zeit, dann muss man doch dafür brennen! Ich könnte stundenlang vom Pferd oder vom Laufen erzählen und ich glaube, dass man mir dann ansieht, wieviel Spaß ich daran habe. Doch der Tennisspieler könnte genauso gut vom Wetter erzählen. Die Begeisterung fehlt.

Ich dachte, dass ich seine Ruhe mag. Mittlerweile glaube ich wirklich, dass er irgendwie emotionslos ist. Vielleicht verpulvert er seine gesamte Energie beim Sport. Ich weiß gar nicht, ob wir schon mal zusammen gelacht haben… Letztes mal habe ich versucht seinen Humor herauszukitzeln; ich habe ihm lustige Erlebnisse von der Arbeit erzählt, oder das, was ich zumindest lustig finde. Zum Beispiel ein Bodybuilder mit Rückenproblemen, mit dem ich Pilatesübungen um die Wette gemacht hatte. Ich hatte gewonnen.  „Wie entsteht eigentlich ein Bandscheibenvorfall?“, wollte der Tennisspieler wissen. Kein Lachen, kein Schmunzeln. Nur fachliches Interesse. Oder die Geschichte, als ich nach dem Reiten mit ein paar Freundinnen noch am See saß, auf der Wiese neben dem Biergarten, weil Pferde keinen Zutritt zum Biergarten haben, wir aber ein Pferd dabei hatten. Die Gäste haben sich so darüber amüsiert, dass die uns fotografiert haben wie wir auf der Picknickdecke saßen: 6 Mädels, ein Hund und daneben ein Pferd. „Ja, das ist auch echt lustig“, kommentierte der Tennisspieler. Im gleichen Ton hätte er mir auch mitteilen können, dass er mal eben zum Klo geht.

Nein, irgendwie fehlt mir der Spaß an der Sache. Ich mag den Tennisspieler, mag seine ruhige bedächtige Art. Ich kann mit ihm wunderbar über Politik und andere sachliche Themen diskutieren. Aber ich finde keinen emotionalen Zugang zu ihm. Und wenn er mich nicht mal zum Lachen bringen kann, wie soll er dann Schmetterlinge bei mir auslösen? Mal abgesehen davon sehen wir uns auch viel zu selten, als dass da irgendeine Bindung entstehen könnte. Er ist ständig in Sachen Tennis unterwegs. Letztes Wochenende zum Beispiel: er hatte vorgeschlagen, dass wir uns treffen könnten. Er hätte noch nichts vor. Dann hieß es plötzlich, dass er sich doch zu einem Turnier angemeldet habe, aber Freitag nachmittag würde er gerne bei mir vorbeikommen. Er habe nämlich früh Feierabend, müsse abends zwar auf Betriebsfest, aber dazwischen habe er ein paar Stunden Zeit, die würde er gerne mit mir verbringen. Pech für ihn, ich hatte schon was vor. Woraufhin er sich nicht mehr meldete. Und das geht immer so: ich schreibe ihm etwas, die Antwort kommt frühestens 24 Stunden später. So entsteht gar keine richtige Kommunikation.

Nachdem er sich das ganze Wochenende und Montag nicht mehr gemeldet hat, kam gestern eine lange Sprachnachricht. Die Arbeit ist anstrengend, aber er hat bald Urlaub. Das Betriebsfest war anstrengend, und das Tennisturnier auch. Wie es mir denn geht?!

Ich habe gar keine Lust zu antworten. Mich nervt das einfach. Wie beendet man etwas, dass noch nicht mal angefangen hat? Sprachnachricht: Hi, ich habe keine Lust mehr auf dich. Brauchst dich nicht mehr melden. Find ich schon doof. Darauf zu warten, dass ich ihn irgendwann in den nächsten Wochen mal wiedersehe und ihm dann persönlich zu sagen, dass ich unser „Verhältnis“ beende, ist genauso blöd. Ich könnte das ganze auch als FreundschaftPlus weiterlaufen lassen, aber dafür ist mir meine Zeit zu schade. Und für eine Freundschaft reicht es auch nicht.

 

So, genug rumgejammert. Ich schmeiß Tinder wieder an 😀 😀 😀

32 Kommentare zu „Der Tennisspieler – Hmm, ich bin unschlüssig

  1. Was erwartest Du auch – Achtung Klischee! – von einem Tennisspieler? Die meisten Tennisspieler in Deutschland entspringen wohl irgendwelchen wohlhabenden, konservativ-wertetreuen Familien. Jedenfalls nichts, was für Ausbruch, Eskalation und Leidenschaft steht. Meistens – nicht immer.

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  2. Ich bin ja eher an deiner Läuferkarriere interessiert, auch zur Eigenmotivation. Jetzt hab ich’s aber doch gelesen… für mich klingt das nach Doppelleben… ok, böse Unterstellung. Warst du schon mal bei einem Match dabei? Zeigt er Emotionen auf dem Platz? Er hat entweder wichtige Termine oder Dates mit dir? Irgendwie klingt dies alles sehr oberflächlich, ist nur ein Gefühl… LG aus der Arztpraxis (ich bin ‚Kunde‘). 💉

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  3. ich würde mich nicht darauf verlassen, im Internet einen Partner zu finden, im Grunde genommen wirst du immer auf die Nase fallen, wenn nichts schlimmeres passiert, und einen Partner zu finden auf Biegen und Brechen kann nur schiefgehen, bleib doch mal alleine und sortiere Dein Leben. Alleinsein ist auch schön, man kann tun was man will und muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Diese ganzen Datingapps sollte man verbieten, die suchen doch alle nicht wirklich jemanden mit Haut und Haaren, eigentlich wollen die nur den Unterkörper, den Kopf brauchen sie nicht. ich weiss wovon ich rede. es sind schon viele auf die Nase gefallen, ich melde mich wieder, ich muss nachsehen, wie die Webseite heisst, die soviele Fakes aufgedeckt hat. alles Gute bis dahin

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    1. @trotz alledem: Und im realen Leben Leben suchen die Menschen heutzutage jemanden mit „Haut und Haaren“? Das ist doch Quatsch. Das sind genau die selben Menschen, die auch Online zu finden sind. Da muss man sich auch erstmal kennenlernen. Und ob das beständiger ist bezweifle ich doch stark. Mal abgesehen davon: wo findet man denn im realen Leben solche Menschen? In einer Disko geht es doch auch nur ums abschleppen…

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  4. Irgendwie klingt mir das nach Asperger oder sowas in der Art. In der Klasse meines Sohnes (Zehnte) ist ein Asperger Autist, der ist auch immer sehr… gefasst.

    Begeisterungsfähigkeit ist mir aber auch sehr wichtig. Mit einem Menschen ohne Leidenschaften möchte ich mein Leben nicht teilen. Gibt ein sehr schönes Zitat dazu:

    Es gibt keine größere Enttäuschung, als wenn du mit einer recht großen Freude im Herzen zu gleichgültigen Menschen kommst. – Christian Morgenstern

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      1. Es gibt durchaus Paare in denen einer ein Asperger-Syndrom hat. Die Menschen sind normal bis eher überdurchschnittlich intelligent und können sich sehr gut ausdrücken, sind nur in ihren Emotionen etwas eingeschränkt. Der Junge mit Asperger in der Klasse meines Sohnes redet gern, er neigt zum monologisieren. 😉
        Sehr typisch ist – auch bei ihm – dabei die Schwierigkeit Blickkontakt zu halten, Menschen mit Asperger können dich nicht anschauen. Das könnte z.B. ein Hinweis sein beim Tennisspieler.

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  5. Menschen ohne Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit sind mir unheimlich. Und irgendwie tun sie mir leid. 😦
    Wenn jemand dieses Leuchten in den Augen hat, bin ich ihm quasi schon automatisch verfallen. Dieses Leuchten ist doch eigentlich das, worum es geht im Leben…

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  6. Hattest Du ihm eigentlich mal gesagt, daß Du von Tennis wenig verstehst? Vielleicht denkt er dann, er müsse dann auch nicht mit Dir drüber reden.
    Möglicherweise geht es ihm ja ähnlich wie Dir und er sieht in der ganzen Sache sowas wie Freundschaft Plus – mit der Betonung auf dem Plus, mal so eben vorm Turnier oder so.
    Im Grunde hast Du Dich doch schon entschieden, oder?

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    1. Wenn ich nachfrage wie das Turnier war, könnte er ja erzählen 😉 tut er auch, nur ohne dieses Leuchten in den Augen.
      Heute würde er übrigens gern nach dem Turnier vorbei kommen… ich habe aber sowieso keine Zeit.
      Was meine Entscheidung betrifft: ja, eigentlich habe ich mich entschieden, was ich irgendwie schade finde.

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