Tinder – Der Disponent

Kurz vor Weihnachten hatte ich das Match mit dem Disponenten. Auf seinen Bildern war er mir sofort sympathisch. Die Bilder waren einfach so wunderbar normal. Keine zur Schau gestellte Coolness, keine Poserbilder, immer voll bekleidet. Er sah einfach nur nett aus. Und normal. Nicht top gestylt mit tausend Accessoires, Cappy oder Sonnenbrille. Nur eine normale Brille trug er, außerdem hatte er eine hohe Stirn bzw. weniger werdende Haare, höhö. Dafür ein Dreitagebart. Und ein nettes Lächeln.

Wir schrieben eine ganze Weile hin und her; durch die Feiertage waren wir beide viel mit Familie und co. beschäftigt. Das Date musste also warten. Silvester feierte ich mit einer anderen Singlefreundin ganz ruhig beim Raclette. Der Disponent war mit Pärchen-Freunden unterwegs, auch mit Raclette. Wir waren beide nicht besonders angetan von unserer Situation und er schlug vor, spontan zusammenzufeiern. Er könne seinen Bruder mitbringen, der sei auch Single – für meine Freundin 😀 Haha, irgendwie war die nicht so begeistert. Sein Bruder allerdings auch nicht. Also wurde aus dem Doppeldate an Silvester nichts.

Nachdem wir die ersten Tage im neuen Jahr nur sporadisch geschrieben hatten, wagte ich den nächsten Schritt: „Sag mal, was machst du Freitag?“ „Bisher noch nichts, wieso?“ „Weil wir uns dann mal treffen könnten ;-)“ Die Idee fand er gut. Ich frage mich nur, ob und wann es zum Date gekommen wäre, wenn ich ihm den ersten Schritt überlassen hätte. Kurz bevor wir uns trafen warnte er mich noch, ich solle mich nicht über seine piepsige Stimme lustig machen. Ohje, ich war etwas abgeturnt. Wenn er wirklich eine Piepsstimme hatte, würde unser Date vermutlich nicht lange dauern…

 

Wir verabredeten uns in einem Café in einem Ort, der ungefähr in der Mitte zwischen unseren Wohnorten lag. Ich war noch auf Parkplatzsuche als er mir schrieb, dass er draußen vor der Tür auf mich warten würde. Ich fuhr auf den Parkplatz – mist, nur für Anwohner, also wieder zurück. Ein Stück weiter parkte ich neben einem dunklen Audi. Dann lief ich zu dem Café. Der Disponent stand draußen im Eingangsbereich. Da es dunkel war, hätte ich ihn nicht auf Anhieb erkannt, aber er stand das als einziger, also musste er das sein. Er begrüßte mich mit einer Umarmung und einem „Hallo“. Moment – der hatte ja gar keine piepsige Stimme, war das wirklich der richtige Mann? Bei Licht betrachtet, also im Café, sah er etwas anders aus als auf den Fotos. Der Dreitagebart war wohl eher zu einem gepflegten Dreiwochenbart herangereift und ich glaube, dass die Fotots schon ein paar Jährchen älter sind.

 

Wir unterhielten uns sehr nett über alles Mögliche: Hobbys, Sport, mein Beruf (Physiotherapie scheint immer ein sehr spannendes Thema abzugeben). Anfangs lächelte der Disponent sehr wenig und ich hatte schon Angst, dass er ähnlich emotionslos wie der Tennisspieler wäre. Doch dann konnte ich doch das ein oder andere Grinsen aus ihm rauskitzeln. Vielleicht war er einfach etwas nervös.

Er erzählte mir mit Begeisterung von allerhand technischem Schnickschnack, den er hatte. Besonders begeistert war er von Theo, seinem Staubsaugerroboter. Vielleicht würde er sich noch Thea kaufen, die kann auch wischen. Zu geil, der gab den Dingern tatsächlich Namen (sagt eine, deren Schweinehund Burglind heißt…)!

Nach und nach wurde es um uns herum leerer, nur ein Männerstammtisch war noch da und der wurde mit jedem Glas lauter. Wir verließen irgendwann das Lokal und gingen gemeinsam zum Parkplatz. Ich hatte tatsächlich neben seinem Wagen geparkt. Wir quatschten noch kurz, und verabschiedeten uns mit einer Umarmung und den Worten „Wir schreiben dann, ja?“

Keine Floskel. Das war ernst gemeint.

Und zum Glück hatte er keine piepsige Stimme. Keine Ahnung was die Warnung sollte.

11 Kommentare zu „Tinder – Der Disponent

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