Die Büchse der Pandora

Im Moment komme ich gar nicht zum Schreiben. Der Knuffelcontact nimmt mich ganz schön in Beschlag 😉

Der Resturlaub war übrigens schön, ohne weitere Katastrophen oder Streitereien.

Mittlerweile ist das auch schon wieder fast 3 Monate her – wie die Zeit vergeht. Ende Dezember sind wir anderthalb Jahre zusammen; im Bekanntenkreis bin ich schon auf das Thema Zusammenziehen und Heiraten angesprochen worden. Bisher haben mein Knuffelcontact und ich nicht darüber gesprochen. Aber eine gemeinsame Wohnung wäre irgendwann in naher Zukunft mal angebracht. Letzte Woche sind wir tatsächlich vorübergehend zusammengezogen, bzw. ich bin bei ihm eingezogen. Meine Wohnung war nämlich eine Baustelle: im kommenden Jahr soll ich einen Balkon bekommen. Dazu muss aus einem der Wohnzimmerfenster eine Tür werden. Bis dato waren aber unter allen Fenstern Heizkörper. Die hat mein Vermieter in der vergangenen Woche alle ein Stück nach links versetzt, sodass die Fläche unter einem der Fenster nun frei ist für einen Durchbruch. Da ich keine Lust auf das Chaos hatte, habe ich mich bei meinem Knuffelcontact einquartiert – nicht ganz ohne Hintergedanken, versteht sich. Mal schauen, wie wir uns vertragen, wenn wir ständig auf einander hängen.

Ach, das hat gut geklappt, auch wenn mein Alltag dadurch stark verändert wurde: längere Anfahrtszeit zur Arbeit, daher musste ich früher aufstehen; kein Lauftreff, da sich dafür die Fahrerei nicht lohnte, etc. Das hat mich nachdenklich gemacht. Die Fahrzeit ist ein Luxusproblem, damit kann ich leben. Jedoch wäre alles andere auch mit ständiger Fahrerei verbunden: Das Pferd, Stammtisch, Termine wie Arzt, Kosmetik, Fußpflege, Triathlon-Orga, Lauftreff-Vorstand etc. Wenn ich mir z.B. überlege, dass ich Montag um 17 Uhr Feierabend habe, um 19.30 Uhr Lauftreff ist und ich ca. 20min Fahrzeit zur Wohnung vom Knuffelcontact einplanen muss, da weiß ich jetzt schon, dass ich mir den Lauftreff montags nicht „antun“ würde.

Eine Freundin sagte, dass ich mir doch auch dort einen Lauftreff suchen könnte. Darum geht es nicht. Ich bin seit über 10 Jahren in diesem Lauftreff, mache da Vorstands- und Pressearbeit und natürlich geht es mir in erster Linie um die Leute im Lauftreff. Wenn ich zum Knuffelcontact zöge, wäre für mich alles mit deutlich mehr Planung und Fahrerei verbunden. Aber das sind Gedanken, die ich noch für mich behalte. Soweit sind wir noch nicht.

Heute war der letzte Tag unseres Zusammenlebens. Meine Wohnung ist keine Baustelle mehr, die Heizung läuft wieder. Mein Knuffelcontact hat sich vor kurzem ein Gravelbike zugelegt und wollte heute mit seinem Vater eine Tour machen; ich musste zum Pferd und hatte zusätzlich 16km laufen auf dem Trainingsplan stehen. Also musste ich sowieso zurück in meine Stadt, weil dort das Pferd ist. Auch Laufen kann ich dort besser, dort kenne ich die Strecken (jaja, ich weiß, kann ich anderswo kennenlernen). Für mich war klar, dass ich abends dort bleiben würde. Für meinen Knuffelcontact nicht; er war überrascht, dass ich meinen Koffer packte (übrigens: am ersten Tag meines Einzugs bot er mir an meine Sachen in seinen Kleiderschrank zu räumen, nur Platz war dort nicht. Bis zum Schluss hatte er den auch nicht für mich geschaffen. Ich lebte eine Woche aus dem Koffer). Er wirkte enttäuscht, als ich ihm erklärte, dass ich nach dem Laufen zu Hause bleiben würde.

„Wir sollten uns Gedanken machen, wie das überhaupt mit uns weiterlaufen soll“, brachte ich an. Er schaute mich irritiert an: „Willst du jetzt hier einziehen oder was?“ Das klang ruppiger und abwertender als beabsichtig, glaube ich. Immer wenn er verunsichert ist, versucht er es zu überspielen. „Hmm… ein Zimmer mehr wäre schon ganz schön“, gab ich zu Bedenken.

Meine Wohnung, 63qm mit offener Wohnküche, ist eindeutig eine Singlewohnung. Und seine Wohnung, 90qm, ebenfalls. Offen, hell, schick; aber wer braucht 90qm auf zwei Zimmer?! Es fehlt definitiv ein Rückzugsort, ein Arbeitszimmer. Steuererklärung machen, für eine Fortbildung lernen – das geht nicht, wenn der andere am Herd brutzelt oder der Fernseher läuft. Nein, wir brauchen ein zusätzliches Zimmer. Das war dem Knuffelcontact auch direkt klar. Und er schaute direkt im Internet nach Wohnungen bzw. nach einer speziellen Wohnung. In seinem Wohnhaus war bis vor kurzem noch die Penthousewohnung frei. Total überteuert, aber zu zweit durchaus finanzierbar. Dennoch: überteuert. Und genau deswegen würde ich dort nicht wohnen wollen (gottseidank scheint sie mittlerweile vermietet zu sein, zumindest ist das Inserat nicht mehr online). Er schaute nach weiteren Wohnungen in seinem Wohnort, merkte aber auch meine geringe Begeisterung. „Du hast die Dose der Pandora geöffnet, du hast mit dem Thema angefangen“, meinte er. Schon, aber das ging mir dann doch etwas schnell, damit hatte ich nicht gerechnet. Vielmehr hatte ich mit einem dummen Spruch gerechnet und dass er sich das Thema durch den Kopf gehen ließe, statt direkt nach passenden Wohnungen zu suchen. Vorsichtig brachte ich ein, dass ja auch mein Wohnort eine Option sei. Er lehnte kategorisch ab. Argumente brachte er nicht vor, stattdessen schlug er einen Kompromiss vor: „Oder wir einigen uns auf die Mitte und kaufen ein Haus in R.“ Eigentum ist vielleicht nicht die schlechteste Idee, aber das Dorf in der Mitte ist nun wirklich keine Option.

Ich glaube, wir werden in der nächsten Zeit viel Diskussionsstoff haben.

15 Kommentare zu „Die Büchse der Pandora

  1. Ich glaube auch, dass ihr zwei da noch eine Menge Diskussionen vor euch haben werdet. Die kategorische Ablehnung deines Freundes hinsichtlich deines Wohnorts ist nun wirklich nicht gerade eine tolle Diskussionsbasis für dich. Ihm ist aber schon klar, dass BEIDE SEITEN kompromissbereit sein sollten, damit so eine wichtige Entscheidung wie das Zusammenziehen klappt, oder? Immerhin bot er ja die Mitte zwischen euch als möglichen zukünftigen Wohnort an. Warum ist denn dieses „Dorf“ – so wie du es nennst – keine Option?
    Und bist du wirklich sicher, dass du nach eineinhalb Jahren Partnerschaft mit ihm schon zusammen etwas kaufen willst? Ich will dir das wirklich nicht madig machen, ich frage nur nach, weil ich nach deinem obigen Eintrag eher das Gefühl habe, dass es dir plötzlich alles zu schnell geht…

    Gefällt 3 Personen

  2. Eineinhalb Jahre stabile Partnerschaft noch eurer langen Anlaufszeit ist doch schon eine ganz hervorragende Voraussetzung, finde ich.
    Aber ich würde mich nicht auf die zu fahrenden Kilometer beschränken. Wie stellt ihr euch eure Zukunft vor? Plant ihr Familie? Da kämen ja noch ganz andere Kriterien ins Spiel.

    Ebenfalls Daumendrücken und alles Gute!

    Gefällt 2 Personen

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