Das Rennrad

Der ein oder andere hier wird es mitbekommen haben: ich gehöre seit einiger Zeit zu den Rennradfahrern. Schon im letzten Sommer hat mein Knuffelcontact mich überredet/überzeugt, dass Rennradfahren ein gaaaanz toller Sport ist. Er ist quasi auf dem Rad aufgewachsen, ist Rennen gefahren, Junioren-Nationalmannschaft, bis ihm ein Sturz die weitere Karriere zunichte gemacht hatte.

Seine Begeisterung für den Sport hatte mich angesteckt. Ich hatte mir das Rad einer Freundin geliehen um überhaupt mal zu schauen, wie (un-)talentiert ich mich anstelle. Da meine Freundin ein Stück kleiner als ich ist und viel (!) kürzere Beine hat, musste ihr Rad zunächst auf mich eingestellt werden. Also wurde ich von Kopf bis Fuß ganz professionell von meinem Knuffelcontact vermessen. So stand ich im Esszimmer seiner Eltern mit dem Rücken an der Wand, eine Wasserwaage zwischen die Oberschenkel in den Schritt geklemmt und der Profi maß den Abstand zum Boden – also genaugenommen meine Innenbeinlänge. Ich glaube, er hat dreimal nachgemessen, denn er konnte es gar nicht fassen, dass seine Freundin – also ich – wirklich so lange Beine hat. Yeah: Innenbeinlänge 88cm, bei einer Körpergröße von 1,73m. Zum Vergleich: mein Knuffelcontact ist 1,90m groß und kommt auf eine Schrittlänge von 93cm. Und wie lang sind eure Beine?

Nachdem das Rad auf mich angepasst war, schlüpfte ich in die geliehenen Radklamotten, die für meine Begriffe viel zu eng waren. Mein Knuffelcontact kommentierte nur: „Das muss so. Das ist rennfahrerspack.“

Und dann stand ich da, das Rennrad neben mir und fragte mich, wie ich auf diesen sauhohen Sattel kommen sollte. Mein Hollandrad ist da deutlich komfortabler ohne Querstange. Mein Knuffelcontact hatte Mitleid und schraubte den Sattel wieder niedriger. Trotzdem stand ich etwas ratlos neben dem Rad, hievte mein Bein über den Sattel und versuchte, da irgendwie raufzukommen ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Mein Knuffelcontact blieb geduldig: „Ich halte das Rad fest. Setz dich mal hin. Es kann nichts passieren. Ich schiebe dich jetzt an.“ Wie ein Kleinkind lernte ich Radfahren. Ich glaube, ich habe mich selten dämlich angestellt 😀

Mittlerweile besitze ich ein eigenes Rennrad, eigene Kleidung und sogar Klickpedale mit zugehörigen Schuhen. Wider Erwarten klappt das echt gut, wobei ich erst vor den Klickies regelrecht Respekt hatte. Ich habe von zu vielen Leuten gehört, dass die mit dem Rad umgekippt sind, weil sie nicht rechtzeitig aus den Pedalen gekommen sind. Ich bin bisher – toi, toi, toi – sturzfrei, was selbst mein Knuffelcontact stolz anerkennen musste.

Meistens macht mir das Rennradfahren Spaß. Außer wenn es windig ist. Oder bergauf geht. Oder ich einen Hungerast habe (ist letztens passiert, mein Knuffelcontact musste mich 10km nach Hause schieben). Oder mir die Füße einschlafen (passiert ständig. Mittlerweile habe ich orthopädische Einlagen und Schuhe mit Carbonsohle, das hilft einigermaßen.). Ich werde sogar besser und mutiger. Ich kann bei guten Bedingungen einen 27er Schnitt treten. Wenn man bedenkt, dass ich anfangs bei 25km/h panisch geworden bin… Ich freue mich, wenn ich bergab die 40km/h erreiche.

Klar, da ist noch Luft nach oben, aber es wird immer besser 🙂

12 Kommentare zu „Das Rennrad

  1. Ich bin 1.76m und habe 82cm Beinlänge… 😅 Schön das du mit dem Rennrad eine neue „Leidenschaft“ entdeckt hast.
    Gute Fahrt und immer ordentlich Rückenwind wünsche ich dir! 🙋🏻‍♂️

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