Der Businesstyp – Muss ich nicht verstehen, oder?

Wann habe ich den Businesstypen das letzte Mal gesehen? Ist schon einige Zeit her. Seitdem hatten wir kaum Kontakt. Anfang Juli hatte ich ihm zum Geburtstag gratuliert und das war’s dann. Nicht, dass ich darüber böse bin, immerhin war mir ziemlich schnell klar, dass es mit uns nicht passte.

Und dann kam letzte Tage eine Nachricht von ihm: Guten Morgen 😊 Wie hast du geschlafen? Ich frühstücke noch, dann geht es los. Hab einen schönen Tag!

Was sollte das denn jetzt? Ich habe zwar darauf geantwortet, aber mehr als das übliche Blabla kam dabei nicht heraus. Am nächsten Tag: Was machst du am Wochenende? Ich bin dann in Stadt X, ist das in deiner Nähe? Vielleicht können wir uns sehen.

Den letzten Satz ignorierte ich fürs Erste. Stattdessen fragte ich, was er in Stadt X machte. Das war tatsächlich in meiner Nähe, gerade mal 15min entfernt. Er erklärte mir, dass sein Patenkind bei dessen Vater zu Besuch sei und da könne er das ja alles miteinander verbinden und mit mir zu Mittag essen. Ich war hin- und hergerissen. Einerseits fand ich den Mann einfach nur anstrengend und wankelmütig; andererseits hatten wir gute Gespräche. Dennoch sagte ich ihm ab. Scheinbar ahnte er meine Bedenken: Lass uns als Freunde treffen. Okay, da ich für den Tag nur geplant hatte, meinen Papierkram zu erledigen, war eine Unterbrechung nicht verkehrt. Und so nahm die Odyssee ihren Lauf.

Whatsapp am Morgen: Wir vereinbarten, dass er um 12.30 Uhr zu mir kommen würde.

Telefonat um 11 Uhr: Er hatte Stadt X mit meinem Wohnort verwechselt. War das weit auseinander?? (Meine Nachrichten hatte er scheinbar nicht besonders aufmerksam gelesen).

Telefonat um 11.30 Uhr: Äh, könnte ich auch nach Stadt X kommen? Er hatte um 15 Uhr noch einen Termin in Stadt Y und das würde zu knapp werden. Na, von mir aus.  (Das war aber sehr knapp kalkuliert. Stadt Y ist anderthalb Stunden entfernt.)

Um kurz nach 12 schickte der Businesstyp mir seinen Standtort. Er war irgendwo im Gewerbegebiet. Ich machte mich auf den Weg und fand mich schließlich an einer Kartbahn wieder. Ich rief ihn an; keine Reaktion. War er wirklich auf der Bahn unterwegs? Tatsächlich! Der Typ da in dem Poloshirt mit beigefarbener Stoffhose – das konnte nur der Businesstyp sein… Er gewann das Rennen, sein Patenkind verlor.

Ich wartete, dass der Businesstyp mit seinem Patenkind die Go-Karts einparkten und aus der Halle kamen. Er umarmte mich, stellte mir den Jungen (10 Jahre) vor und erklärte mir, was er weitergeplant hatte. Er hatte natürlich sämtliche Pläne wieder über den Haufen geworfen. Eis essen mit seinem Patenkind, denn das hatte er gerade erst vor einer Stunde abgeholt. Allerdings müssten wir uns beeilen, denn in einer Stunde musste er schon wieder auf dem Weg sein zu seinem beruflichen Termin. Das Kind wirkte enttäuscht, was ich voll verstehen konnte. Warum hatte er den Tag so knapp geplant? Und warum musste ich dabei sein, wenn er sowieso bisher kaum Zeit mit dem Kind verbracht hatte? Ganz schön respektlos.

Beim Eis essen taute der Junge nach und nach mir gegenüber auf. Wir fachsimpelten über Fußball: würde Sané echt zu Bayern wechseln? Und war das Foul von Kimmich im Supercup wirklich nötig gewesen? Der Businesstyp konnte nicht mitreden, war stattdessen mit seinem Handy beschäftigt. Wir bummelten etwas durch die Stadt, wobei er immer wieder versuchte seinen Arm um mich zu legen. Yeah! Nach außen hin musste es aussehen wie eine kleine glückliche Familie. Dann bekam er eine Nachricht, dass er erst eine Stunde später zu dem Termin musste, also setzten wir uns wieder in ein Lokal um noch was zu trinken. Das Patenkind des Businesstypen zeigte uns auf seinem Handy Videos und Fotos von einem Konzert, wo er vor kurzem gewesen war. Der Businesstyp schaute nicht mal wirklich hin und ich merkte, dass er mit seinen Gedanken woanders war. Er plante: Er würde den Jungen gleich zum Termin mitnehmen und abends wieder zurückbringen. Danach könnte er ja zu mir kommen. Hatte ich eigentlich Dates in letzter Zeit gehabt?! Ich erzählte ihm vom Date mit dem Triathleten, Italiener und Minigolf. „Alles klar, der hat es wohl richtig gemacht!“, sagte er. Ich grinste nur.

Auf dem Weg zurück zum Auto hatte er seine Pläne schon wieder geändert. Er wollte sein Patenkind zurück zu dessen Vater bringen, denn den halben Tag im Auto zu verbringen sei ihm nicht zuzumuten. Der Junge war sichtlich enttäuscht. Wie viel Zeit  hatten die beiden jetzt effektiv gemeinsam alleine verbracht? Vielleicht eine Stunde. Traurig. Hätte ich das gewusst, hätte ich mich gar nicht erst auf dieses Treffen eingelassen.

Nachricht am Abend: Hast du Lust zu kommen? Wir gehen zum Italiener und morgen mache ich dir Frühstück. Haha, da hatte er sich wohl was abgeguckt. Nein danke, kein Bedarf. Rein freundschaftlich war der Nachmittag mit Eisessen schön gewesen. Rein freundschaftlich zum Italiener und Frühstück würde nicht funktionieren.

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33 Kommentare zu „Der Businesstyp – Muss ich nicht verstehen, oder?

      1. Denkt er aber. Zumindest hat er mir erzählt, dass er irgendeine Frau sehr empathisch einen Laufpass gegeben hat 😀 Ich konnte mir so gerade das Lachen verkneifen.

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  1. Au weia. Der Businesstyp klingt wirklich anstrengend. Definitiv wäre er nichts für mich. Rein optisch find ich ja Männer im Anzug toll. Aber die Verpackung ist halt doch nicht alles, auf den Inhalt kommt es an. Und der war in diesem Fall wohl weniger gehaltvoll. Viel Glück beim nächsten Versuch.

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