Tinder – Der Triathlet

Irgendwer sagte mal, dass mir noch ein Triathlet in meiner Sammlung fehlt. Das habe ich jetzt geändert.

Der Triathlet und ich hatten ein Match bei Tinder. Klar, was auch sonst. Ehrlich gesagt, hatten wir das Match vermutlich auch nur, weil er Triathlet ist. Abgesehen von den Fotos beim Laufen und mit dem Rennrad wirkte er nämlich eher unscheinbar. Die anderen Bilder sahen eher nach Bewerbungsfotos aus; zwar nett, seriös, aber auch etwas langweilig. (Und ja, mir ist bewusst, dass Tinder absolut oberflächlich ist.)

Schnell entwickelte sich ein intensives Gespräch über den Sport und schon ein paar Tage später machten wir ein Treffen aus. Das fand allerdings erst zwei Wochen später statt, da wir beide die Wochenenden sehr voll gepackt hatten. Ich las mir noch mal seine Profilbeschreibung durch und war irritiert: hatte er den Text nachträglich geändert oder hatte ich ihn zuvor nicht gelesen? Dort stand unter anderem, dass seine aktuelle Lebenssituation nicht für eine feste Beziehung geeignet sei. Dass er daher auf der Suche nach einem Abenteuer oder einer Freundschaft+ sei. Hätte ich das vorher gelesen, hätte ich ihn nach links gewischt…

Trotzdem trafen wir uns auf einem Freitagabend in einer Stadt, die zwischen unseren Wohnorten lag. Wir wohnen über 100km auseinander, daher war die goldene Mitte für das erste Date die ideale Wahl. Er kannte sich in dieser Stadt aus, weil er dort für einige Zeit gelebt hatte. Daher durfte er das Date planen: Treffpunkt kostenfreier Parkplatz, wenn genügend Zeit wäre, eine Runde spazieren gehen, ansonsten direkt zum Italiener laufen. Danach – ich zitiere – etwas, was uns entspannt wieder aktiv werden lässt und Spaß macht. Was das wohl sein konnte?? Mit meiner Vermutung „Minigolf“ lag ich genau richtig. Schwarzlicht-3D-Minigolf, um genau zu sein. Klang cool! Allerdings passte mir sein Zeitplan nicht ganz, denn ich wollte mich nach der Arbeit zumindest eben frisch machen. Also musste der Programmpunkt „Spazieren gehen“ wegfallen.

Als ich auf den Parkplatz fuhr, sah ich den Triathleten sofort. Ich parkte und wir begrüßten uns kurz mit einer Umarmung. Wir musterten uns gegenseitig – einmal abchecken, ob die Tinderfotos der Wirklichkeit entsprachen. Groß, schlank, sportlich, Brillenträger, freundliches Gesicht. Passte zu den Fotos! Er schmunzelte: „Eigentlich mutig sich einfach so zu treffen. Wir haben noch nicht mal telefoniert…“

Und so liefen wir los Richtung Restaurant. Wir unterhielten uns direkt angeregt über den Sport, Training, Ernährung. Aber auch, warum der Triathlet mal in dieser Stadt gelebt hat, wie ich zu meinem Beruf gekommen bin usw. Tatsächlich mussten wir unser Gespräch bewusst unterbrechen, denn der Kellner war schon am Tisch gewesen ohne dass er die Bestellung aufnehmen konnte, weil wir nicht mal in die Speisekarte geschaut hatten. Ein gutes Zeichen, würde ich sagen.

Schließlich fragte er mich, ob er für mich die Rechnung übernehmen dürfte. Durfte er 😉 Ansonsten hätte ich auch wohl gezahlt. Nur getrennte Rechnung hätte ich blöd gefunden. Das sagt mir irgendwie was über das Verhältnis der Menschen zueinander aus. Wie der Kellner immer so schön fragt: „Zusammen oder getrennt?“ 😉

Dann ging es zusammen zurück zu den Autos. Wir fuhren gemeinsam in seinem Auto zur Minigolfhalle. Dort bekamen wir unsere Golfschläger und 3D-Brillen und los ging es zu den Minigolf-Bahnen. Das war echt lustig. Man konnte zum Teil gar nicht erkennen, ob da jetzt wirklich ein Hindernis auf der Bahn war, oder ob das nur eine optische Täuschung war. Dem Triathleten gelang direkt auf der ersten Bahn ein Hole-in-One und mir entfuhr: „Arschloch.“ Was ihn zum Grinsen brachte. „Du bist Sportlerin, ich nehme das mal als Kompliment.“ Während des Spiels unterhielten wir uns über unsere Vorlieben für Musik, Filme etc. und allmählich fingen wir auch an ein bisschen zu flirten. Als der Triathlet an der Reihe war seinen Ball zu spielen, sagte er: „Mist, jetzt habe ich gar nicht aufgepasst, wie du das eben gemacht hast.“ – „Warst du abgelenkt? Rede ich zu viel?“, fragte ich. Er grinste: „Nein, du hattest die Brille in die Haare hochgeschoben. Das sah gut aus.“ Letztendlich gewann er das Spiel mit einem Schlag Differenz.

 

Als wir die Minigolf-Halle verließen, schaute er mich an: „Und jetzt?“ – „…gehen wir noch was trinken?!“, antwortete ich. Also gingen wir noch was trinken. Unsere Gespräche wurden jetzt tiefgründiger. Er erzählte mir, dass er lange Zeit bewusst nach der Frau fürs Leben gesucht hatte. Erfolglos. Schließlich hatte er die Suche aufgegeben und will sich nun mehr auf den Sport konzentrieren, da er sich für eine Langdistanz angemeldet hat. „Willst du eigentlich Kinder?“, fragte er mich. Aaah, krasse Frage beim ersten Date. Für ihn kommen aus gesundheitlichen Gründen Kinder auf keinen Fall in Frage. „Oh Gott, was erzähle ich da bloß bei unserem ersten Treffen…“ Er war sichtlich von sich selbst überrascht.

Mittlerweile war es ziemlich spät geworden und er brachte mich zurück zu meinem Auto. Doch statt aus seinem Wagen auszusteigen, saßen wir noch länger zusammen und unterhielten uns weiter. Und weiter. Bis ich schließlich sagte: „Eigentlich sollte ich fahren, aber irgendwie ist es gerade so gemütlich.“ Und er antwortete: „Ich möchte da noch was ausprobieren…“ Er rutschte an mich heran, legte seinen Arm um mich und wir küssten uns.

12 Kommentare zu „Tinder – Der Triathlet

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