Thrombophilie

Heute hatte ich einen Termin in der Praxis für Diagnostik und Therapie von Gerinnungsstörungen. Seit vier Wochen bin ich „clean“: keine Gerinnungshemmer mehr und auch sonst keine Medikamente, damit mein Blut frei von allem ist. Quasi reset, um herauszufinden, was die Ursache der Lungenembolie war.

Ich war schon vor dem Arzttermin auf 180 und in absoluter Null-Bock-Stimmung. Der Arzt hat im Internet dermaßen schlechte Bewertungen: inkompetent, arrogantes Personal, unfreundlich, unermesslich lange Wartezeiten und so weiter. Ich hatte mir vorsorglich Urlaub genommen für den Tag. Zwar lag der Termin auf meinem freien Vormittag, aber nach den Kritiken wollte ich stressfrei und ohne Termindruck beim Arzt sitzen, zumal ich so oder so mindestens eine Stunde Fahrzeit einplanen musste. Und so konnte ich zumindest die freie Zeit im Anschluss zum Shoppen nutzen.

Da ich reichlich Zeit eingeplant hatte und gut durch den Berufsverkehr durchgekommen bin, war ich viel zu früh dran. Somit konnte ich in aller Ruhe einen Parkplatz in den Seitenstraßen suchen und habe mir somit das Geld fürs Parkhaus gespart 🙂

Bei der Anmeldung habe ich das obligatorische Formular zum Thema DSGVO bekommen, sowie einen Anamnesebogen: Medikamente? Operationen? Vorerkrankungen? Das Übliche halt. 15 Minuten nach meinem offiziellen Termin – für einen Facharzt quasi pünktlich – wurde ich aufgerufen. Eine der Angestellten nahm mich in Empfang, begleitete mich ins Sprechzimmer und ging noch mal mit mir den Anamnesebogen durch. Ein paar Dinge wurden konkretisiert („welche Anti-Baby-Pille haben Sie genommen?“) und schon kam der Arzt hinzu.

Der Doc wirkte etwas gestresst und genervt, sagte was von streikenden Computern und Patienten, die ihre Termine nicht einhielten, bzw. zum falschen Termin kämen. Ich bestätigte ihn darin, sagte, dass ich Physiotherapeutin bin und dass ich das mit den falschen Terminen durchaus kenne würde. „Aahh, als Physiotherapeutin haben Sie ja reichlich Bewegung. Bewegungsmangel scheidet dann ja schon mal als Risikofaktor für die Lungenembolie aus.“ – „Genau, und da ich kurz vorher einen Marathon gelaufen bin, sowieso.“ Da wurde der Arzt aber hellhörig. Hat mir erklärt, dass sehr hohe körperliche Belastung die Blutgerinnung erhöhen würde. „Ist ja auch von Vorteil. Damals, als wir noch vorm Säbelzahntiger geflüchtet sind, war es ja schon sinnvoll, dass wir nicht gleich verblutet sind, wenn der uns dann doch mal in den Hintern gebissen hat.“ Super, der Mann hat Humor. Weniger super, dass tatsächlich der Marathon für die Embolie verantwortlich sein könnte. Doch der Arzt erklärte mir, dass es keine eindeutigen Studien zu dem Thema gäbe. Bewiesen sei also nichts. Nichtsdestotrotz sei ich jetzt Risikopatientin, die Embolie ist Fakt. Daher keine östrogenhaltigen Präparate mehr (logisch!) und sollte ich schwanger werden, muss ich vom ersten Tag der Schwangerschaft an Heparin spritzen. Das hat mich schockiert!

Letztendlich wurde mir noch Blut abgenommen, welches im Labor auf den Faktor V und noch irgendwas anderes genetisches (hab ich vergessen) untersucht wird. In vier Wochen bekomme ich die Ergebnisse telefonisch mitgeteilt. Zumindest wenn alles gut ist. Andernfalls darf ich natürlich noch mal in der Praxis antanzen.

Drückt mir die Daumen, dass ich eine von den 5-7 Frauen bin, die die Thrombose/Embolie als Nebenwirkung der Pille bekommen hat. Das wäre das geringste Übel.

(Ich habe im Internet übrigens eine positive Kritik für die Arztpraxis hinterlassen. Ich hatte nichts auszusetzen. Ich konnte sogar die Empfangsdame noch zum Lachen bringen. Als ich den Telefontermin vereinbarte, sagte sie zu mir: „Der Arzt wird Sie dann zwischen 13 und 14 Uhr anrufen.“ Sie wollte den Termin im Computer eintragen: „Ach, der nervt heute.“ Ich, grinsend: „Wer? Der Computer oder Ihr Chef?“ Da musste die Empfangdame ziemlich lachen. Es war der Computer, der nervte. Ihr Chef sei immer nett 😉 )

10 Kommentare zu „Thrombophilie

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