Westfälische Runde

Als Westfälische Reihe oder bunte Reihe bezeichnet man eine gemischte Sitzordnung oder Sitzgruppierung, bei der Männer und Frauen bzw. Teilnehmer zweier Interessengruppen oder Verhandlungsparteien abwechselnd nebeneinander sitzen. Diese Mischung der Teilnehmer soll konfliktlösend und ausgleichend wirken.

In Westfalen wird allerdings unter einer Westfälischen Reihe eine gegenteilige Sitzordnung verstanden, bei der Frauen und Männer jeweils für sich getrennt eine Gruppe bilden. Die Bezeichnung für diese Aufteilung stammt aus der in Westfalen früher üblichen Kirchentradition, laut der auf der einen Seite des Kirchenschiffs die Männer saßen, während auf der anderen die Frauen Platz nahmen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Westf%C3%A4lische_Reihe

Ich beziehe mich auf den letzten Absatz, nämlich dem Westfälischen Verständnis einer Westfälischen Reihe oder Runde. Diese „Sitzordnung“ findet man nämlich häufig auf Geburtstagen. Sie bildet sich eher unwillkürlich, ist jedoch nachvollziehbar, wenn man die geschlechtsspezifischen Gesprächsthemen betrachtet: Die Männer unterhalten sich über Arbeit, Autos und Sport; die Frauen sprechen über – richtig! – Kindererziehung.

Ihr ahnt sicher schon was jetzt kommt. Ein weiterer Lästerbeitrag über meine, mich aktuell nervenden Freunde. Scheinbar bin ich nicht die Einzige, der es so geht. Mein letzter Beitrag hat bei euch wohl einen Nerv getroffen. Kein anderer Beitrag hat so viele „Likes“ bekommen und er gehört jetzt schon zu einem der meistgelesensten Beiträge von mir. Danke, dass ihr so mit mir mitfühlt.

Gestern war ich auf einem Geburtstag. Es war der 30te einer Freundin. Sie hat ganz groß gefeiert. Ab 15 Uhr zum Kaffee. Sie hatte sogar eine Spielecke für die Kinder aufgebaut, wo sich auch etliche Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren tummelten. Gefühlt rannten aber überall Kinder herum, mir war es schon nach kurzer Zeit zu wuselig. Interessant war die Sitzordnung der Erwachsenen. Die Männer saßen am Tisch oder draußen auf der Terrasse, die Frauen befanden sich irgendwo in der Nähe der Spielecke, um den Nachwuchs im Auge zu behalten.

Da eine Freundin vor kurzem erst entbunden hatte, gab es natürlich (fast) nur ein Gesprächsthema. Wobei sie mich dann auch mal ansprach und fragte, wie es mir eigentlich geht. Ich wollte gerade von meiner Lungenszintigraphie berichten, als ich von einer anderen Bekannten unterbrochen wurde: „Oooooh, herzlichen Glückwunsch zur Geburt. (Blick in den MaxiCosi) Ist die süüüüüß.“ Zack, meine Gesundheit ward vergessen und es wurde nicht noch mal nachgefragt. (Dafür weiß ich jetzt, dass das Stillen recht gut klappt, die Hebamme super ist, das Krankenhaus nicht so doll war, sie unheimlich starke Schmerzen hatte und die Ärzte die PDA nicht rechtzeitig legen konnten etc.)

Zu unserer westfälischen Runde gesellte sich der Ehemann der frischgebackenen Mami, also der frischgebackene Papi. Er kommt nicht von hier, ist zugezogen der Liebe wegen und ihm war die Sitzordnung auch aufgefallen. Wir lästerten ein wenig darüber und ich hatte den Eindruck, dass er froh war jemanden zum Reden zu haben. Aus unserer Clique waren kaum Männer mitgekommen und zu den anderen Gästen Zugang zu bekommen ist etwas schwierig. Das sind Leute, denen man immer mal wieder auf Geburtstagen begegnet. Trotzdem könnte ich nicht behaupten, dass ich mich mal mit denen mal länger unterhalten hätte. Eine eingeschworene Clique, sehr stur anderen Menschen gegenüber. Man sagt, dass es typisch ist für die Leute aus der Gegend hier. Als Zugezogene(r) hat man es nicht leicht. Und zu den Zugezogenen gehöre ich auch.

Also saßen wir zwei auf dem Sofa, zwischen Kindergeschrei und Mamigesprächen und lästerten ganz leise über die Borniertheit der anderen. Männer können sich nur mit Männern unterhalten, oder dürfen sie nicht mit den Frauen reden? Und die Frauen können nur übers Stillen reden und über Schwangerschaftsstreifen, da können Männer nun echt nicht mitreden. Und ich auch nicht.

Die westfälische Runde löste sich bis zum Schluss nicht auf. Gegen Abend schoss der Geräuschpegel in die Höhe, weil die Kinder quengelig wurden, dann nahm er schlagartig ab, weil sich die Eltern mit ihren Kindern verabschiedeten. Mittlerweile hatte ich massive Kopfschmerzen bekommen. Ob es am Kindergeschrei lag oder an der Haarnadel, die sich in meine Kopfhaut bohrte, lasse ich mal dahin gestellt. Es war für mich aber der Grund um nach Hause zu fahren. Pünktlich zum 20.15Uhr-Film saß ich auf meinem Sofa.

An Max: Viel Spaß beim Korrekturlesen 😂

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16 Kommentare zu „Westfälische Runde

  1. mir sagt der Westfälische Friede von 1648 mehr, als die namensgleiche Sitzodnung. Vielleicht hatten die in Münster damals aber auch bei der Unterzeichnung des Friedensvertrages in gleichnamiger Sitzordnung Platz genommen 😉 ?

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  2. Mir als Westfale sagt der Begriff eigentlich auch nichts. Aber ein anständiger Bielefelder fährt ja auch nicht nach Münster.

    Du hast wirklich Nehmerqualitäten bei diesen Gesellschaften. Da mit Dir mitzufühlen, fällt nun gar nicht schwer 🙂 Zum Glück wirst Du von diesen Hebammenexpertinnen dann nicht noch zum Bespaßen ihrer lieben Kleinen während der „Fachgespräche“ abgestellt…. 🙂

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  3. Ich habe SO großes Verständnis! Mich nervt das auch immer total, diese getrennte Sitzordnung (hier in Irland gehen Männlein und Weiblein meist sogar getrennt voneinander aus) und auch dass mamis völlig vergessen dass sie auch noch Frau, nicht nur Mutter sind! Und dass andere Frauen vielleicht nicht so die Muttergefühle hegen.

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