Vom Kinderkriegen und Freundschaften

In meinem Freundeskreis bin ich der einzige Single. Abgesehen von den beiden Intermezzi mit den Soldaten ist das eigentlich Dauerzustand. Ich bin es gewohnt, zwischen glücklichen Freundinnen mit Langzeitbeziehungen zu sitzen. Was meine Clique betrifft, bin ich aber mittlerweile auch die einzige ohne Ehering, ohne Eigenheim und ohne Kinder. Sprich: was mich betrifft, gibt es keine Gesprächsthemen mehr. Ich kann mich mit meinen Freunden nicht mehr unterhalten.

Einziges Thema ist nur noch Kinder und/oder Schwangerschaft. Wir sind eine gemischte Clique, sechs Paare und ich. Meist unterhalte ich mich nur noch mit den Männern, die haben ggf. noch andere Themen als ihren Nachwuchs. Tatsächlich wurde ich von einem der Männer mal angesprochen, ob ich seine Frau nicht mal mitnehmen könne zur Reithalle, sie müsse zu Hause mal rauskommen. Pff! Sie WILL nicht. Dabei kenne ich sie durch das Reiten. Nein, sie will nicht mit zum Stall. Was ist, wenn sie sich verletzt? Dann ist sie ja nicht mehr so belastbar, wie soll sie das denn mit dem Kind machen?! Achja, sie kann ja auch nur zum Gucken vorbeikommen?! Ja nee, ach, das ist doch alles so kompliziert mit dem Kind. (Viel Spaß mit den 3 K’s: Kirche, Küche, Kinder – Emanzipation war gestern.)

Vor ein paar Wochen war ich auf einem runden Geburtstag eingeladen, der groß gefeiert wurde. Eine – hochschwangere – Freundin fragte tatsächlich nach, ob dieser Geburtstag nachmittags gefeiert würde. So weit ist es schon gekommen. Nein, es wurde abends gefeiert. Mit Essen und Alkohol! Alkoholfreies gab es allerdings auch, da die Gastgeberin (natürlich auch) schwanger ist. Gesprächsthema des Abends waren Schwangerschaftsstreifen, Übelkeit, Wassereinlagerungen, ach und „mein Sohn hat die Toilette für sich entdeckt. Er schmeißt da seinen Teddy ständig rein.“ Ich musste mich zusammenreißen um mir die Schadenfreude nicht anmerken zu lassen. Am Gespräch konnte ich mich entsprechend kaum beteiligen. Ich glaube, dass eine der Mädels das bemerkte. Zumindest versuchte sie das Thema zu wechseln. Sie sprach mich direkt an: „Ach, mein Mann ist im Moment zu lustig. Er will mit dem Sport anfangen, weil er so zugenommen hat und…“ – „Jaaa, voll krass, ich hab auch so zugenommen“, wurde sie von Frau-ich-bin-im-achten-Monat-schwanger-und-mir-geht’s-so-schlecht-dabei unterbrochen. Da ist mir ziemlich der Kragen geplatzt: „Alte, du bist schwanger!“ – „Jaa, aber beim ersten Kind habe ich gar nicht so viel zugenommen. War das bei euch bei der zweiten Schwangerschaft auch so viel mehr?“ Herzlichen Dank, somit war meine Beteiligung am Gespräch scheinbar nicht mehr gewünscht. Gottseidank entdeckte ich kurz darauf eine Bekannte von mir, die ebenfalls Physiotherapeutin ist. Sogar mit ihrem Freund konnte ich mich sehr gut unterhalten, da er reitet und eigene Pferde hat. Super, Abend gerettet!

 

Ein anderer Abend, gleiche Gesprächsthemen. Ich löffelte eine Suppe, während Mami 1 und Mami 2 sich über die Vor- und Nachteile von PDA und Spinalanästhesie unterhielten. Ich unterhielt mich mit dem Suppenteller. Was köstlich. Später erzählte mir Mami 2 eine Geschichte, die sie von ihrer Mutter gehört hatte. Jene Mutter hat eine Arbeitskollegin, welche Ende 30 ist und keinen Partner hat. Diese Arbeitskollegin hätte gerne ein Kind, worauf ihr jene Mutter sagte: „Für’s Kinderkriegen braucht man nicht zwangsläufig einen Partner. Da gibt es auch andere Mittel und Wege.“ Achtung: wir sind hier auf dem Land, alle sind erzkatholisch und spießig bis zum Umfallen (ich bin tatsächlich mal gefragt worden, wie so ein One-night-stand abläuft, ob man dann das Licht beim Sex ausmacht?!). So ein Spruch von Mamis Mutter ist also wirklich schon ein Staunen wert. Mami 2 war auf jeden Fall sehr überrascht über ihre Mutter gewesen. Doch sie fand diese Einstellung gut. Wäre sie in meiner Situation, also ohne Partner, sie würde dennoch ein Kind haben wolllen. Das Wunder der Geburt würde sie nicht missen wollen. Bämm! Das war wie eine Ohrfeige!

Ich will kein Kind, nicht jetzt, nicht so. Ich will das Drumherum. Eine glückliche Beziehung, Geborgenheit, einen Partner, mit dem ich eine Zukunft haben kann. Eine Zukunft, zu der dann auch vielleicht Kinder gehören.

Ich will mir aber nicht von irgendwem ein Kind machen lassen, nur, damit ich ein Kind habe.

Ich bin morgen auf einem weiteren Geburtstag eingeladen. Ich werde nicht hingehen. Ciao, ich bin raus. Ich such mir neue Freunde.

Werbeanzeigen

41 Kommentare zu „Vom Kinderkriegen und Freundschaften

    1. Ich habe ja vollstes Verständnis, dass man sich AUCH über die Kinder und das Drumherum unterhalten will. Aber mittlerweile ist es das einzige Thema. Alles andere interessiert nicht. Und das nervt.

      Gefällt mir

  1. Ich bin da ganz bei dir, auch wenn ich Kinder habe. Meine sind groß und das Wunder der Geburt mit dem ganzen Drumherum interessiert mich nicht mehr, ich musste allerdings auch nie drüber reden, ist meins. Mein jetziger Mann ist ein Stück jünger und dadurch sind seine Freunde auch in dieser Fortpflanzungsphase. Das macht Partys anstrengend, manche Muttis machenntatsächlich Stuhlkreise statt zu tanzen. Ich steh dann bei den Jungs und trinke mit ihnen. Bei deiner Erzählung musste ich an den Spruch denken, dass manche nur zuhören, um zu antworten. Das ist dann bar jeglicher Empathie und reine Selbstdarstellung. Braucht wirklich niemand. Ich würde ja sagen, such dir andere Freunde, aber das ist auch nicht so einfach. Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. deine erfahrungen wurden von millionen anderer menschen geteilt, auch wenn es jetzt mal deine persönlichen sind. es ist ganz natürlich und auch zu akzeptieren, dass sich die gesprächsthemen ändern. auch wenn es für dich total unerfreulich und unergiebig bleibt. es ist in der tat so -das sind meine erfahrungen- dass sich die freundschaften in diesen zeiten sehr verändern, und bedenke: du hast jede menge leidensgenossen, männlich und weiblich. such dir einfach andere, wenn du das spiel nicht mitmachen willst.

    Gefällt 1 Person

    1. Freundschaften schmeißt man ja nicht einfach so weg. Aber aktuell fühle ich mich dort nicht mehr wohl. Natürlich geht es anderen auch so. Aber in meinem Bekanntenkreis bin ich tatsächlich allein auf weiter Flur.

      Gefällt mir

  3. Auch wenn ich mich jetzt als Mutti ganz weit aus dem Fenster lehne…😉
    Es geht auch anders… meine Freunde haben alle keine Kinder und fangen langsam erst mit dieser Phase an… da stand ich auch auf verlorenem Posten, da niemand wirklich verstanden hat, wie sehr sich das Leben mit Kind ändert.
    Nun ja, ich habe mir neue „mami“ Freunde gesucht… aber die alten Freunde pflege ich trotzdem, es tut auch mal gut, über nicht-mami-themen zu reden🙂

    Gefällt 1 Person

      1. Ja, ich finde es höchst unsensibel von deinen Freunden dich so zu „übergehen“.
        Aber irgendwer hier schrieb ja schon, dass sich auch Freundschaften weiterentwickeln. Manchmal muss man dann wohl auch Leute aussortieren, wenn das gegenseitige Aufeinanderzukommen nicht mehr passt…

        Gefällt 1 Person

  4. Hachja. Ich war letztens bei meinem Kumpel zum Spieleabend eingeladen. Zwei Kleinkinder. Eins war bei den Großeltern. Die Kleine vor Ort. So süß sie ja auch ist, aber ständig wurde mit ihr rumgefummelt. Dann hampelt sie rum oder schreit rum. Also für mich als kinderloser Mensch war das wirklich äußerst anstrengend und ich war froh als ich dann wieder nach Hause fuhr… 😀

    Gefällt 2 Personen

  5. Tja, das ist eben so und da kann man wenig machen, gefangen in der Elternfalle. Aber das verändert sich, bald geht der Wettbewerb los ‚mein Kind krabbelt, geht, musiziert, macht Sport, gewinnt Musik- und Schulpreise, geht aufs Gymnasium, studiert, heiratet, hat mir Enkel geschenkt, sorgt für mich im Alter, hat mich anständig beerdigt.‘
    Es ist ein Wettbewerb, das ist den jungen Müttern und Vätern noch nicht bewusst. Die Männer werden sich in den Berufen verlieren, auch hier der Wettbewerb gleichzeitig Karriere und Familie, an alten Hobbies, im Sport, sind zunehmend weniger verfügbar, es kommen erste Unzufriedenheiten, Streitereien. Nach einigen Jahren das eigene Haus, der SUV, dringend benötigte Wellnessurlaube.
    Dann erste Trennungen, bei denen die Frauen in der Regel finanziell auf der Strecke bleiben, die Männer eher emotional. Hab Mitleid mit den Muttis, der Alltag kommt wie eine Fliegerbombe. Du bist dann deren Rettung und seelischer Mülleimer.
    Umgekehrt ist’s aber auch ein Problem, mit Kind auf einer kinderlosen Party, als junger zuständiger Vater mit Kind das Studium oder den Beruf managen, ich könnte Bücher schreiben…
    Immer locker bleiben, auch wenn es manchmal schwer fällt.
    Es gibt eben auch die, die zu 1000 % in der Rolle aufgehen, mit dem Ziel der perfekten Familie. Kannst maximal die Hälfte glauben.
    Grüße.

    Gefällt 1 Person

      1. Wobei es meiner bescheidenen Beobachtung nach häufig zu Mehrfachtrennungen kommt und somit nicht jede/r zweite betroffen ist.
        Aber klar, man muss die richtige Mischung treffen, aus Kompromissen und auch der eigenen persönlichen Entwicklung die nicht stagnieren sollte. Solange sich also alle nach mir und meinen Spleens richten, ist alles gut! 🙃
        (Ich habe das Laufen zB spät begonnen, das hat für einige Konflikte gesorgt, ist jetzt nach 15 Jahren aber weitestgehend (!) akzeptiert. Highlight war eine Kinderveranstaltung 2h nach einem Marathon, die ich alleine mit den Kids ohne Murren bestritten habe. Für die 2h Luft musste ich den M aber in 4:15 laufen und noch ne halbe Stunde Auto fahren. Da ist dann das ‚Eis gebrochen‘.)
        Ich glaube wenn du dich bei besten Freundinnen nicht nur auf Gegenkurs bewegst, sondern vielleicht auch die Nähe zu den Kindern suchst, werden sie es dir danken. Das läuft aber außerhalb der Rudelbildung, die bei Festen entsteht und auch für mich als aktiv betroffenen oft unerträglich war.
        Entspannte 19,3km-Grüße!

        Gefällt 1 Person

  6. ….und wehe man sagt das mal zu laut, dann ist man gleich so unsensibel, ein Kinder hasser, oder einfach neidisch! 😑 bis vor zwei Monaten ging es mir haargenau gleich. Jetzt bin ich kein single mehr – aber werde trotzdem noch regelmäßig mit diesen Themen konfrontiert, und sogar gefragt (nach 2 Monaten!!!!) wie es mit dem heiraten und den Kindern aussieht. Als wäre das nicht meine Privatsache…?! 🙄

    Gefällt mir

  7. Kinder sind eine Zumutung. Ich weiß wovon ich rede, ich habe vier Stück. Ich möchte sie mittlerweile auch nicht missen. Das Thema Einsamkeit ist erst mal passe. Die Windel- und Schlafgespräche lassen mit der Einschulung nach. Hab ein bisschen Geduld mit Deinen nestbauenden Freunden. Ich bin mir sicher, dass dich manche auch heimlich für Deine Unabhängigkeit beneiden.Bei mir ist das so. Man kann halt nicht alles haben.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.