Wie es der Zufall so will…

Manchmal glaube ich ja, dass Gott (oder wer auch immer) auf seiner Wolke sitzt und am Drehbuch für mein Leben schreibt. Mir passieren so viele kuriose Zufälle, dass es fast schon konstruiert wirkt.

Alleine schon diese Altenpfleger/Altenpfleger beta Geschichte, sowie Soldat/Soldat 2.0. Kann mir doch keiner erzählen, dass das ein Zufall ist.

 

Im Oktober beim Marathon habe ich eine flüchtige Bekannte von mir wieder getroffen. Da steht man mit 6000 Leuten an der Startlinie und wen trifft man? Eine frühere Laufkollegin, die man gut 10 Jahre nicht gesehen hat. Noch im Startbereich haben wir Selfies gemacht und Handynummern getauscht. Als ich dann sechs Wochen später im Krankenhaus lag, habe ich an sie zurück gedacht, denn sie hatte vor einigen Jahren auch eine Lungenembolie gehabt. Was für ein Zufall (?), dass wir uns gerade jetzt wieder getroffen haben.

 

Einer Patientin von mir, die ich schon seit einigen Jahren behandle und die mich entsprechend auch gut kennt, hatte ich mal die Soldaten/Vollidiot-Geschichte grob erzählt. Sie hatte dabei ein komisches Gefühl. Ihre Nachbarin hatte ihr von deren bester Freundin erzählt, die mit einem Soldaten zusammen war. Es gab Parallelen, wäre doch ein Zufall, wenn es der selbe Soldat wäre…? Natürlich, die beste Freundin der Nachbarin meiner Patientin ist die Frau vom Vollidioten. Die Welt ist klein.

 

Und die Welt wird noch kleiner. Der beste Kumpel vom Soldaten 2.0 hat eine Schwester. Diese ist vor ein paar Jahren aus ihrem Heimatort/Großstadt aufs Land gezogen. In eine Kleinstadt, 80km entfernt. Ratet mal wohin. Richtig, in meinen Wohnort. Die Welt ist klein. Diese Schwester hat zwei Kinder, die in einen Kindergarten gehen. Ratet mal, wer dort die Erzieherin ist… Meine oben genannte Patientin.

 

Und die Soldaten verfolgen mich. Letzte Woche rief in unserer Praxis ein Mann an um Termine zu vereinbaren: „Ich weiß aber nicht, ob sie meine Verordnung abrechnen können… die ist von der Bundeswehr ausgestellt.“ (Ich schreie innerlich.) … „Können wir mit den Terminen zeitnah beginnen? Ich muss nämlich demnächst beruflich nach Koblenz.“ (Ich schreie nochmals innerlich; 2.0 muss dorthin auch demnächst.) Mittlerweile habe ich den Soldaten-Patient behandelt. Der ist am hinterletzten Ende Deutschlands stationiert, noch weiter weg als 2.0. Trotzdem fährt er regelmäßig die 800(!!!)km, weil seine Freundin hier ist… Möglich ist scheinbar alles, wenn man will.

 

Heute Abend, letzter Patient. Ich mache die Anamnese: „Was machen Sie denn beruflich?“ –„Ich arbeite im Materiallager der Bundeswehr.“ Es verfolgt mich…

 

Ich kann irgendwie nicht mehr an Zufälle glauben. Da schickt mir irgendwer mit Absicht alle Soldaten vorbei.

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31 Kommentare zu „Wie es der Zufall so will…

      1. Für die Patienten kann ich ja nichts… Ich könnte dafür sorgen, dass die nicht in den Krieg ziehen 😈 Statt Rücken heil machen, sorge ich für das Gegenteil 😀 Nee, lieber nicht.

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  1. Kann lässig auch ein Wahrnehmungs-Effekt sein. Dinge, Ereignisse, die emotional aufgeladen sind, fallen uns eher auf und bleiben eher im Gedächtnis. Wer weiß, wie viele Soldaten mir dauernd über den Weg laufen – indes, mir fallen eher die Kerntechniker/Strahlenschützer auf.

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      1. Ist sie auch, wobei ich immer wieder verblüfft bin, wie wenig unwahrscheinlich sowas zu sein scheint, wenn man es mit Wahrscheinlichkeiten durchexerziert – nicht, dass ich das hier konkret getan hätte 🙂

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      2. Ich habe natürlich anhand Deiner Lebensumstände keine Zahlen, auf denen ich das Fußen lassen kann 😉

        Beispiel aus meinem Leben: Ich habe am 24.12. Geburtstag. Ich saß während der Doktorarbeit mit einem anderen Doktoranden im Büro, der ebenfalls am 24.12. Geburtstag hat. Alle hielten das für extrem unwahrscheinlich. Dann haben wir es uns überlegt: Die Wahrscheinlichkeit jedes Menschen, an einem bestimmten Tag Geburtstag zu haben, ist (Schaltjahre außenvor) 1/365. Vier Leute in einem Büro, dann sind wir schon bei 1/365, was schon im Bereich von 1/80 liegt. Dazu kommt, dass (zumindest in früheren Generationen) komplikationenbehaftete Schwangerschaften gerne mal nicht „über die Feiertage“ im Krankenhaus liegengelassen wurden, so zumindest meine Mutter, sondern lieber eingeleitet wurde. Wir liegen also bei einer Wahrscheinlichkeit von über 1,5%.

        In Deinem Fall mit der Freundin, die Du beim Marathonstart getroffen hast, kannst Du davon ausgehen: Marathonläufer sind keine SO große Gruppe. Dazu sieht man meist einige Hundert der Tausenden von Starter, wenn man selbst bei einem Lauf startet – natürlich fallen einem nur die auf, die man kennt, oder die besonders (für einen selbst) augenfällig sind. Wenn ich – sagen wir – 20% der Läufer eines Marathons irgendwo im Umfeld des Starts sehe, während ich mich in die Startblöcke einreihe, dazu berücksichtige, dass Langstreckenläufer, die diesen Sport mal in Gruppe betreiben, eher dabei bleiben und oft Wettkämpfe, die sie schonmal bestritten haben, in Folgejahren irgendwann wieder besuchen …

        Dazu sind Leute, die sich vom Lauftreff kennen, ähnlich schnell, positionieren sich also beim Start in ähnlicher Position. Damit wird’s sehr wahrscheinlich, dass Leute, die ich (wegen ähnlicher örtlicher, tempomäßiger und geschwindigkeitsmäßiger) Bedingungen kenne, innerhalb der verhältnismäßig kleinen Gruppe der Langstreckenläufer mir bei Wettkämpfen wieder über den Weg laufen.

        Weiteres Beispiel bei mir: Leute um mich herum sind immer wieder verblüfft, wo ich überall Leute aus dem Strahlenschutz und der Kerntechnik treffe. Aber die Gruppe ist recht klein, konzentriert sich auf bestimmte Standorte besonders und alle anderen sehen den Leuten das nicht an – ich kenne die halt dann aus meinem Job. Wenn ich den Mitarbeiter vom Eichamt, der Dosimeter eicht., an der Tankstelle treffe – hey, der arbeitet in Karlsruhe, ich wohne nahe Karlsruhe, wir kennen uns vom Abgeben der Messgeräte. Das ist überhaupt nicht unwahrscheinlich.

        Was ich sagen will: Genaue Zahlen sind schwierig, aber die „Einer aus achtzig Millionen“-Geschichte von Max Giesinger ist meist alles andere als eine 1/80.000.000-Wahrscheinlichkeit. Ich habe nebenbei, ohne es zu wissen, auf seinen Heimatort geschlossen, nur aus dem Lied. Weil es eben nicht so viele Großstädte mit 300.000 Einwohnern in Deutschland gibt 😉 Denn meistens treffen wir Menschen, die zu treffen nicht unwahrscheinlich ist. Dass diese mit Menschen bekannt sind, die zu treffen für sie nicht unwahrscheinlich ist, ist ebenfalls nicht unwahrscheinlich – und so ist auch der Überlapp nicht klein.

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