Lungenembolie und jetzt?

Mit geht’s gut. Immer noch, nachwievor. Mir ging es ja nie schlecht. Oder? So im Nachhinein fallen mir schon ein paar Momente ein, die darauf hinwiesen, dass mit meiner Gesundheit nicht alles in Ordnung ist. Luftnot beim Duschen – klar, das Wasser war zu heiß/zu kalt. Ständiger Reizhusten – ich war erkältet. Erhöhter Ruhepuls – Stress durch den Jobwechsel. Herzklopfen – süüüß, ich bin verliebt. Am Arsch! Alles Anzeichen für die Lungenembolie.

Seit einer Woche bin ich wieder am Arbeiten. Mein (neuer) Chef ist verständnisvoll und hält mich dazu an in jeder freien Minute mich hinzusetzen und zu entspannen. Wenn ich darauf achte, fällt mir auch auf, dass ich nicht fit bin. Hin und wieder geht der Puls zu schnell und aus unerklärlichen Gründen bin ich außer Atem. Laut Entlassbrief aus dem Krankenhaus soll ich mich schonen und von Sport wird abgeraten. Für wie lange steht dort nicht. Überhaupt der Entlassbrief… Vom Arzt die Diagnose zu hören ist das eine. Es schwarz auf weiß zu lesen, das andere. Entlassbriefe habe ich ständig in der Hand – von meinen Patienten, nicht den eigenen Brief.

Anamnese: Einweisung nach telefonischer Ankündigung durch die Hausärztin mit dem Verdacht auf eine Lungenembolie. Die Patientin habe im Labor erhöhte D-DIMIERE, eine Tachykardie und eine Belastungsdyspnoe. Sonst sei die Patientin fit und treibe viel Sport. Keine Vorerkrankungen. In Ruhe habe die Patientin keine Beschwerden. Einnahme der Antibabypille.

Aufnahmebefund: Patientin in unauffälligem Allgemeinzustand und schlankem Ernährungszustand. Klinisch kein Hinweis auf eine TVT. Restlicher Befund grob unauffällig.

(…)

CTA Thorax: Mittelständiges Mediastinum. Thymusrest im vorderen oberen Mediastinum. Ausgedehnte Kontrastmittelaussparung in der Mittel- und Unterlappenarterie rechts sowie Unterlappenarterie links, bis in die Segment- und Subsegemetarterien bds. Reichend. Kleine dreieckförmige Verdichtung im rechten Unterlappen subpleural. Sonst kein Nachweis herdförmiger Dichteveränderungen in beiden Lungen. Keine Pleuraergussbildung. (…) Nachweis einer zentralen, bis in die Peripherie reichenden beidseitigen Lungenarterienembolie. Verdacht auf beginnende Infarktpneumonie rechter Unterlappen.

 

Die ersten paar Tage wurde ich mit Heparinspritzen behandelt. Mittlerweile bin ich auf Tabletten umgestellt. Lixiana 60mg, mindestens für 6 Monate. Das ist ein Blutverdünner, was mich jetzt noch anfälliger für blaue Flecken macht als ich es eh schon bin. (Der Soldat wollte mich schon in Luftpolsterfolie einwickeln zum Schutz.) Deswegen haben mir die Ärzte das Reiten verboten. Die Blutungsgefahr ist zu groß, sollte ich stürzen und mich verletzen.  Ich bin zwar seit Jahren nicht mehr vom Pferd gefallen, doch bei meinem Glück… Übrigens bekommt eine Frau von 2000 eine Thrombose bei Einnahme meiner Pille. In über 20 Jahren Reitersport bin ich etwa 20x vom Pferd gefallen, wobei ich mir einmal eine Gehirnerschütterung zugezogen habe. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir dieses Mal etwas passiert? Ich sollte das Schicksal nicht herausfordern, doch es fällt mir schwer.

Laufen/Joggen darf ich witzigerweise. Die zwei Wochen Schongang, die mir der Assistenzarzt angeraten hat, sind jetzt vorbei. Ich soll es nicht übertreiben, soll auf meinen Puls achten, nicht über 120 Schläge pro Minute. Das schaffe ich nicht mal, wenn ich im gesunden Zustand langsam laufe. GA1 geht bei mir bis 152, wenn ich wirklich easy laufe kann ich vielleicht bei 140 bleiben. 120? No way! Vielleicht teste ich das Laufen am Mittwoch mal an, wenn die anderen vom Lauftreff ihre Intervalle im Stadion laufen. Dann drehe ich ganz langsam meine Runden, bin nicht allein dabei und sollte ich merken, dass ich doch nicht fit bin, kann ich mich in mein Auto setzen und nach Hause fahren. Dann stehe ich zumindest nicht irgendwo in der Bauernschaft. Und – wie mich eine Freundin so nett darauf aufmerksam machte – das Krankenhaus ist ganz in der Nähe. Haha!

Wie geht es sonst weiter? Demnächst habe ich den Termin beim Gynäkologen bzgl. eines alternativen Verhütungsmittels. Ich habe die letzten Tage viel darüber gelesen. Überzeugt hat mich nichts. Alles was Thrombosen in den Nebenwirkungen hat, fällt raus. Schön sind auch Nebenwirkungen wie Regelschmerzen (hab ich eh schon) und verstärkte Monatsblutung. Bei Blutverdünnern ist letzteres bestimmt wahnsinnig toll! Soll sich mein Gyn mal Gedanken zu machen, vielleicht fällt ihm was Passendes für mich ein.

In drei Monaten fällt ein Kontrolltermin bei meiner Hausärztin an. Wozu ist mir schleierhaft. Dank der Blutverdünner hat eine Blutuntersuchung keine Aussagekraft und das EKG war von vorherein ohne Befund. Aber was soll’s. Ich geh auch wohl zum Plaudern hin.

In einem halben Jahr habe ich einen Termin zur Gerinnungsdiagnostik im Hämophiliezentrum. Macht auch erst Sinn wenn mein Blut in den Originalzustand zurück versetzt ist, also wenn die Tabletten abgesetzt sind. Deswegen ist der Termin erst in sechs Monaten.

 

Und sonst? Ich habe Rückenschmerzen, mir fehlt eindeutig Bewegung. Gymnastik hilft nur bedingt. Sonst hilft mir das Reiten immer. Darf ich nicht! Mich nerven tierisch die Fragen danach, wie es mir geht. Ist ja nett gemeint; ist vermutlich auch echt und keine Floskel. Aber es geht mir gut! Mir ging es nie schlecht. So blöd es klingt. Freitag war ich auf der Weihnachtsfeier vom Lauftreff. Hab wohl 20mal erklärt, wie es mir geht. Jeden Tag bekomme ich Nachfragen per Whatsapp. Meine Mutter ruft ständig an. Irgendwer erzählt mir, dass der Kollege eines Bekannten des Bruders an einer Embolie verstorben ist. Ich will es nicht mehr hören, ich will nicht mehr darüber sprechen. Ich fühle mich nicht krank.

Es geht mir gut!

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27 Kommentare zu „Lungenembolie und jetzt?

  1. es ist toll, dass Du Dich gut fühlst, aber…verdränge es nicht sondern verarbeite das Ganze – step by step (wortwörtlich). Verhütungstechnisch – nicht sicher, ob ein Implanon die Thrombosengefahr erhöht – ansonsten ist das super. Dir alles Gute 🌼

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    1. Verdrängen kann ich das Ganze gar nicht. Irgendwer spricht mich auf jeden Fall täglich darauf an 😉 zumal jetzt auch diese Moderatorin an einer Embolie verstorben ist. Erschreckend.
      Habe gerade die Nebenwirkungen des Implanon gegoogelt. Die Thrombosegefahr steigt dadurch nicht, aber häufig kommt es zu Regelschmerzen. Und die hab ich eh schon 🙁 Fördern muss ich das nicht.

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  2. Das ist doch schön, wenn es dir gut geht. Stell dir vor es wäre umgekehrt, es ginge dir nicht gut und man findet die Ursache nicht. So gesehen weißt du was los ist und es geht dir gut!
    So solltest du das Positive aus der Situation mitnehmen. Die wesentlichen Dinge kannst du tun, das Aussetzen ist nur auf Zeit. Du kannst arbeiten und hast deine Sozialkontakte. So etwas hätte dich auch in jüngeren Jahren treffen können, es hätte dich aus deinen evtl. Jugendsportarten geworfen, diese Sozialkontakte hättest du vielleicht verloren. Du musst dich wenig rechtfertigen für das was du jetzt nicht tun kannst, am Ende bist du selbst Chefin deines Handelns. Und zur Verhütung gibt es aus meiner bescheidenen Sucht nur einen groben Weg: null Chemie, alles runterfahren, zumindest auf Zeit.
    Da ich keinerlei medizinische Bildung habe, verweise ich wie üblich darauf, dass das nur eine einzelne Meinung ist.
    Schön dass es dir gut geht und viele Grüße!
    🙃

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  3. Ich stehe ja auch nicht auf die ganzen Verhütungsmittel. Deshalb mache ich NFP und hab noch ein Armband das alles beobachtet und immer wenn ich fruchtbar wäre +2 Tage nehme ich eben Kondome. In 4 Monaten bisher auch keines kaputt gegangen – optimal für mich. Ob es das für dich auch wäre, keine Ahnung. Aber zumindest eine Option ohne Nebenwirkungen.

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    1. Mit NFP habe ich mich auch beschäftigt und klingt für mich wirklich am Besten. Nur muss ich dafür einen regelmäßigen Zyklus haben, oder? Dazu muss ich mal abwarten, ob der sich wieder einstellt. Danke für deinen Kommentar 🙂

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  4. Schön, dass es Dir gut geht, so soll es bleiben! Du bist dem Tod von der Schippe gesprungen. Hat sich für Dich noch was anderes geändert, außer dass Du Dich eingeschränkt fühlst, was ich total verstehe? Ich denke oft, wie dankbar muss man sein, wenn der Körper gesund ist und einfach „funktioniert“ und man alles machen kann, wonach einem der Sinn steht. Das ist ein großes Geschenk und nicht selbstverständlich. Meistens denkt man jedoch nicht darüber nach, dass es sich in jeder Sekunde ändern könnte, sei es durch Unfall oder Krankheit. Dein Umfeld hat sich bestimmt viele Sorgen gemacht und jetzt kommen die ganzen Nachfragen. Kannst Du nicht eine Rundmail schreiben o.ä. und die Leute bitten, Dich nicht mehr darauf anzusprechen? Ich würde auch nachfragen, schon alleine aus Höflichkeit, weil es sich so gehört. Wäre ja auch komisch so zu tun als wäre nichts gewesen. Wenn ich aber weiß, dass es den anderen nervt, würde ich es respektieren.

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    1. Geändert hat sich eigentlich nicht viel. Wahrscheinlich sähe das anders auch, wenn ich bewusst gefühlt hätte, wie schlecht es mir objektiv ging. Ich bin nur sensibler für das Thema. Passt natürlich gut, dass das Thema „Lungenembolie“ durch den Tod der Moderatorin Stefanie Tücking gerade in den Medien ist.
      Vielleicht sollte ich mal meinen Whatsapp-Status anpassen: „Nervt mich nicht, mir gehts gut!“ oder so 😀

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  5. „Dank der Blutverdünner *ist hat* eine Blutuntersuchung keine Aussagekraft“

    Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Dir dieses Mal etwas passiert? fast 50%. Warum? 20x in über 20 Jahren ist fast 1x pro Jahr und macht etwa 50% in einem halben Jahr sprich 6 Monaten Blutverdünner.
    LG Max

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      1. Ok, ich halbiere das Sturz-Risiko für eine erfahrene Reiterin auf gut 20%. Aber wenn die erfahrene Reiterin wegen Blutverdünner auf keinen Fall stürzen sollte, dann ist dies ein guter Grund, die Wahrscheinlichkeit um einen Risiko-Aufschlag zu erhöhen. Vielleicht auf 33% ?
        LG Max

        Gefällt 2 Personen

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