Der Soldat 2.0 – Der Rest vom schönen Wochenende

Ich schulde euch noch den Rest vom Wochenende, welches mit der Hochzeit meiner Freundin begann.

Am Tag nach der Hochzeit schliefen der Soldat und ich natürlich aus. Nach Guten-Morgen-Sex und einem ewig langem Hin und Her ob wir denn nun aufstehen oder doch noch weiter rummachen, Kaffee oder Sex, entschieden wir uns für beides nacheinander. Sprich: nicht die Zigarette danach, sondern Kaffe danach. Irgendwann gegen Mittag frühstückten wir, wobei ich dem Soldaten körnigen Frischkäse schmackhaft machen konnte. Mit der Konsistenz wollte er sich jedoch nicht anfreunden, er empfand das Körnige als nicht praktikabel, schließlich purzelte der Käse immer wieder vom Brötchen runter. Aber es schmeckte ihm.

Während wir schnell ein paar Dinge einkauften, überlegten wir, was wir mit dem Rest des Tages anfangen wollten. Da das Wetter herrlich war, schlug ich vor, dass ich ihm mal die Überreste des Truppenübungsplatzes in meinem Wohnort zeigen konnte. Immerhin hatte es hier auch mal eine Kaserne gegeben und das Gelände war nun Naturschutzgebiet. Der Soldat checkte direkt mal ab, ob dort Geocaches lagen und tatsächlich gab es einiges zu entdecken.

Hach, was fand er den Wald und die Lage idyllisch. Er konnte sich kaum einkriegen vor Begeisterung (Oh man, diese Stadtmenschen, hihi).

Wir liefen sicherlich drei Stunden durch den Wald. Die Geocaches fanden wir zwar relativ schnell, aber ich wusste, dass auf eine der Anhöhen ein Gipfelkreuz stand, welches ich 2.0 zeigen wollte. Ich wusste allerdings nicht, wo genau das Kreuz stand. Irgendwo im Wald halt, und irgendwo oben. Etwas planlos führte ich ihn die Sandwege auf und ab – leider erfolglos. Erst später stellte der Soldat fest, dass am Kreuz auch ein Cache lag. Er hätte uns ganz einfach hin navigieren können…

Nachdem wir uns nach unserer „Bergtour“ einen großen Eisbecher gegönnt hatten, kuschelten wir uns auf meine Couch. Der Soldat war fix und fertig, wortkarg, brummig – er erinnerte mich an einen kleinen Jungen, der zu müde war um ins Bett zu gehen. Schließlich schliefen wir auf meinem Sofa ein, aber wir wollten Harry Potter im Fernsehen sehen, also stellte ich mir den Wecker 20.10 Uhr. Der Soldat wurde trotzdem nicht wach, also versuchte ich ihn zu wecken: Ohren kraulen wurde mit „Mrrrmmh“ kommentiert, kitzeln mit „grmpf“ – es dauerte, bis er wirklich wach war. Irgendwie fand ich das putzig (sollte er das jemals lesen: sorry). Er, der beruflich Stunde für Stunde durch den Wald kriecht und nachts selbst draußen übernachtet, er, der Megamärsche absolviert und im Urlaub Bergtouren macht, er war von drei Stunden Waldspaziergang vollkommen geplättet und quengelig wie ein kleines Kind. – Putzig.

Den Rest des Abends chillten wir vor dem Fernseher. – Kleiner Zeitsprung, denn weiter passierte nichts sonderlich Interessantes – Am nächsten Morgen verschwand der Soldat irgendwann im Bad. Ich wollte wissen, wie spät es war und schaute auf sein Handy, welches auf meinem Nachttisch lag. Wie spät es tatsächlich war, weiß ich nicht mehr; wohl aber, dass er eine Benachrichtigung von Tinder erhalten hatte. „Du hast jemandem gefallen. Öffne die App und finde heraus wem“ oder irgendsowas stand da. Das fand ich doof und zwar so richtig. Ich hatte die App schon längst gelöscht. Ich hatte weder Interesse noch Bedarf an Tinder. Immerhin hatte ich ja jetzt den Soldaten, wozu sollte ich weiterhin Tinder installiert lassen. Ich wusste gar nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ihn drauf ansprechen? Na, was schaute ich auch auf sein Handy. Doch ich hatte ja nur die Uhrzeit wissen wollen. Ich schob meine Bedenken zunächst bei Seite, denn der Soldat kam aus dem Bad zurück und kuschelte sich wieder ins Bett und an meine Seite. Doch das blöde Gefühl blieb.

Nachdem wir irgendwann gefrühstückt hatten, stellte ich fest, dass die Besitzerin „meines“ Pferdes mir eine Nachricht geschickt hatte, ob ich nicht spontan Zeit und Lust hatte zu reiten. Hatte ich schon, doch was war mit dem Soldaten? „Hast du Lust mit zum Pferd zu kommen?“ Er hatte. Fand ich total toll. Ich glaub, er ist der erste Mann, der freiwillig mit mir zum Pferd fuhr. Selbst mein Vater hat das nie getan. Der hat mich übrigens vor ein zwei Jahren das erste Mal reiten sehen – und ich reite, seitdem ich 10 Jahre alt bin.

Na gut, hier kürze ich den Text mal ab. Interessant war noch, dass der Soldat das Pferd ganz tapfer festgehalten hat, als ich mal kurz auf einer der Weiden nach dem Rechten sehen musste. Und er hat auch fast gar nicht gelangweilt ausgesehen, während ich auf dem Dressurplatz geritten bin. Nachmittags trennten wir uns dann, nachdem wir noch zusammen gegessen hatten. Ich musste 21km laufen, der letzte längere Lauf vor dem Köln-Marathon; und er musste zumindest noch mal kurz nach Hause, bevor er sich auf den Weg zur Kaserne machte. Nach ziemlich genau 47 Stunden gemeinsamer Zeit. So ein Wochenende ist doch immer zu kurz.

Advertisements

6 Kommentare zu „Der Soldat 2.0 – Der Rest vom schönen Wochenende

  1. 🤨 das mit der App ist ja wirklich dumm gelaufen 🙈 habt ihr Euch denn inzwischen mal darüber unterhalten, was das mit Euch ist? Immerhin hast Du ja auch trotzdem den Soldaten getroffen und vielleicht hat er den Moment in dem Du eine Entscheidung getroffen hast schlicht und ergreifend verpasst 😅 ich glaub ich würde es mal thematisieren… es beschäftigt Dich ja anscheinend schon sehr…

    Gefällt 1 Person

    1. Du meinst den Altenpfleger 😉
      Wirklich über „uns“ geredet haben wir nicht. Ich fand es bisher auch nicht nötig, denn die Idee mit dem gemeinsamen Urlaub kam ja von ihm und dass er mit zur Hochzeit – also einem offiziellen Anlass – gekommen ist, ist ja schon ein Zeichen, dass er es ernst meint.
      Ich weiß ja auch nicht, inwiefern er die App noch nutzt… vielleicht ist das pure Gewohnheit…

      Gefällt 1 Person

      1. Upps… ja den meinte ich natürlich 😂🤦🏼‍♀️
        Ich bin gespannt, wie es weiter geht und habe auch trotz der Sache mit der App nicht den Eindruck, als wäre das nicht so richtig mit Euch 😉
        Wann ist denn endlich dieser Urlaub? 😍😍☀️😂

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.