Der Altenpfleger βeta – Das Ende

Am Wochenende war meine Entscheidung gefallen: Ich will den Soldaten 2.0. Mal abgesehen davon, dass ich einen superschönen Tag mit ihm verbracht hatte (Beitrag folgt), fielen auch die Gründe aus dem letzten Beitrag ins Gewicht. Natürlich.

Seltsamerweise meldete sich der Altenpfleger seit dem Wochenende nicht mehr, oder eher nur sporadisch. Am Montag fragte ich ihn, ob wir uns am nächsten Tag sehen könnten. Nein, er habe Spätdienst, war seine Antwort. Nun gut, das war sonst auch kein Problem gewesen. Die letzten Wochen hatten wir uns ja regelmäßig auch noch abends am See getroffen, dann war er direkt von der Arbeit gekommen. Doch ich hakte nicht weiter nach. Wenn er nicht wollte, dann war das halt so. Am nächsten Tag wünschte ich ihm einen schönen Feierabend; ich erhielt keine Antwort. Am nächsten Tag fragte ich ihn, ob er Früh- oder Spätdienst habe. Erst nachts antwortete er, dass er Frühdienst gehabt habe. Schade, dass er sich erst so spät zurückgemeldet hatte, sonst hätten wir uns abends treffen können.

Dann am nächsten Morgen eine ausführlichere Nachricht von ihm: „Guten Morgen, tut mir leid, dass ich mich in den letzten Tagen so wenig gemeldet habe. Ist in letzter Zeit einfach alles ein bisschen viel für mich. Beruflich und privat.“ Auf meine Nachfrage, was denn los sei bei ihm kam nur die nichtssagende Antwort: „Ach, alles zu viel momentan… Aber mach dir bitte keinen Kopf.“

Gerade nach so einer Antwort mache ich mir doch Gedanken. Zumal wir letzte Woche ein fast ernsthafte Gespräch geführt hatten. Anfang des Jahres hatte sich einer seiner Arbeitskollegen das Leben genommen. Es war ein Schock für uns alle, denn er war immer gut gelaunt gewesen, keiner hatte etwas von seinen Sorgen mitbekommen. Der Altenpfleger βeta hatte mir dazu gesagt, dass das einer der Gründe war, weswegen er versucht, immer gut gelaunt zu sein und sich nicht so schnell runterziehen lässt. Die Aussage fand ich halbwegs idiotisch. Man kann nicht immer gut gelaunt sein, es ist nur wichtig, dass man Probleme anspricht, denn nur so kann man etwas ändern. Genau das sagte ich ihm auch. Und jetzt sprach er seine Probleme nicht aus. Sind Freunde (oder Partner) nicht dafür da, sich auch die Sorgen des anderen anzuhören? Ich hoffe, dass βeta zumindest irgendwen hat, dem er sich wirklich anvertrauen mag.

Nun gut, auch wenn er gerade scheinbar Sorgen hat und ich wirklich ein schlechtes Gewissen habe, ihm jetzt gegebenenfalls noch mehr Kummer zu bereiten, wollte ich endlich sagen, was ich denke und fühle. Ich fragte ihn vorhin, wie es bei ihm morgen zeitlich aussieht. Morgens sei er in der Schule, schrieb er. Und danach habe er Spätdienst. Nicht, dass ich morgens überhaupt Zeit für ein Treffen gehabt hätte, die Info hätte er sich auch sparen können. Ich fragte ihn, was er abends nach dem Spätdienst machen würde. „Tot ins Bett fallen“, kam die knappe Antwort. Also bekam ich wieder keine Gelegenheit mich mit dem Altenpfleger auszusprechen. Aber ich wollte es endlich hinter mich bringen und so schickte ich ihm eine Textnachricht (was ich total bescheuert finde, weil es absolut nicht meine Art ist. Ich spreche solche Dinge lieber persönlich aus.) „Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass du mir aus dem Weg gehst… Vielleicht ahnst du auch, dass ich mit dir reden will und willst dem ganzen aus dem Weg gehen. Mir fällt das echt nicht leicht und ich hätte lieber mit dir persönlich geredet. Andererseits möchte ich es auch nicht auf die lange Bank schieben, das ist nicht meine Art. Ich glaube, das passt nicht mit uns beiden. Was ich mega schade finde… hey, du bist super attraktiv und wenn du mich küsst, bekomme ich weiche Knie 😉 Aber das reicht mir nicht. Ich habe den Eindruck, dass unsere Gespräche immer sehr oberflächlich bleiben, dass du dich nicht ganz öffnen kannst und mit den Gedanken woanders bist. Du kannst mir glauben, dass ich es selbst total schade finde. Aber es reicht einfach nicht für mehr. Tut mir leid.“ Phrasen rasen par excellence! Genau deswegen wollte ich mit ihm sprechen, denn geschrieben klingt sowas einfach nur platt und plump.

Seine Antwort (und meine Gedanken dazu in Klammern): „Ich wollte dir eigentlich nicht aus dem Weg gehen, es ist nur so, dass es auf der Arbeit momentan mega stressig ist und ich nicht hinterherkomme… (letzte Woche war noch alles super im neuen Job. Tolle Kollegen, tolle Stimmung, alles besser als die alte Stelle. Warum erzählt er sowas nicht??) Ich weiß nicht, woran das mit den Gesprächen liegt, aber es ist halt so. Dir muss das nicht leid tun. Es ist einfach mal so. Ich war mit den Gedanken aber nicht woanders (alle paar Minuten der Blick aufs Handy – wie soll ich es sonst interpretieren? Eine fast panische Reaktion, als er kein Netz hatte… Vielleicht war er mit den Gedanken bei mir, aber das Gefühl hatte ich nicht.) Danke für deine Ehrlichkeit.“

Jetzt sitze ich hier mit gemischten Gefühlen. Ein bisschen Erleichterung, ein bisschen Trübsinn.

Ich geh wohl lieber schlafen.

30 Kommentare zu „Der Altenpfleger βeta – Das Ende

  1. Du hast es hinter Dich gebracht. Und er hat es auch hinter sich. – Und um es mal aus seiner Sicht zu sehen: er hat sich Dir nicht öffnen können oder wollen und vielleicht war es für ihn auch nicht der richtige Zeitpunkt für ’ne Beziehung.
    Das Ergebnis kommt Dir doch entgegen 🙂

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      1. Tja, das ist halt das Restrisiko bei solchen „Anbahnungen“, die dann nix werden. 🙂
        Kann mir vorstellen, er wird Dir auch da aus dem Weg gehen in nächster Zeit. Aber hey, vielleicht wechselst Du ja den Standort…? 😉

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      1. Natürlich. Aber ich finde es wird gerne übersehen dass das für den anderen ja schon ein heftiger Schlag sein kann. Das zeigen dann so Äußerungen wie „er wird schon drüber hinwegkommen“. Das finde ich manchmal ein bisschen leichtfertig. Natürlich wird er das, irgendwie. Aber mich stört irgendwie die allgemeine Meinung der Korb-Empfänger (ist halt meistens der Mann) habe das stets mannhaft und tapfer zu ertragen und in jedem Fall klaglos hinzunehmen. Muss er das wirklich? Ich finde nicht. Er darf sich durchaus ärgern, klagen und hadern.
        Und, was aus Frauensicht halt auch manchmal übersehen wird: Nicht jeder Mann hat noch weitere Eisen im Feuer auf die er nach einem Korb problemlos zurückgreifen kann. Nicht bei jedem bieten sich laufend Gelegenheiten. Das wird jetzt beim Altenpfleger, der ja als sehr gutaussehend beschrieben wurde, wahrscheinlich nicht das Problem sein. Aber es gibt halt auch Männer die das nicht sind…

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  2. Auch wenn Nachrichten blöd sind und ich gut verstehe, dass Du es lieber persönlich geklärt hättest, finde ich es gut, dass Du jetzt Nägel mit Köpfen gemacht hast. Er wird drüber hinweg kommen, da bin ich mir sicher. Ich würde in seine Antwort auch reininterpretieren, dass er ähnlich gefühlt hat wie Du. Mach Dir keinen Kopf!

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  3. Interessant finde ich, dass er es einfach so hinnimmt. Nicht nachfragt, nicht protestiert, nicht „fleht“…

    Ich freue mich für dich, dass du eine Entscheidung getroffen hast und die ersten Schritte schon gegangen bist. Und jetzt: Feuer frei in Richtung Soldat 2.0 (fällt eindeutig in die Kategorie der Sätze, für die man einen Texter sofort entlassen hätte… ;-))

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    1. Ja, daa dand ich auch verwunderlich. Ich kann den Altenpfleger nach wie vor überhaupt nicht einschätzen: ob ihm das jetzt egal war, ib es ihm genauso ergeht wie mir oder ob er sich einfach nicht ausrücken kann… keine Ahnung.

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  4. Klar ist es nicht optimal, das per Whatsapp zu klären, aber er hat dir ja keine andere Wahl gelassen und mit Sicherheit schon was in der Art geahnt. Ich finde aber, dass deine Nachricht gar nicht aus Phrasen besteht, sondern finde sie sehr ehrlich und nett. So nett so eine Nachricht eben klingen kann. 🙂

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  5. Dass es eine Textnachricht war finde ich jetzt nicht schlimm. Für mich hat eine Textnachricht denselben Stellenwert wie ein persönlich gesprochenes Wort.
    Aber irgendwie macht es schon den Eindruck als schleppe er irgendetwas mit sich rum. Es kommt mir so vor als wäre er ein ziemlich sensibler Typ der sich nicht leicht damit tut sich zu öffnen.

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    1. Mir sind persönliche Gespräche lieber, aber er hat mir keine Wahl gelassen.
      Den Eindruck, dass er sehr sensibel ist, hatte ich auch. Ich wünsche ihm, dass er eine Frau findet, der er sich öffnen kann ☺

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  6. Hm… das hört sich doch eher so an, als dass er (wie auch du) noch ein 2tes Eisen im Feuer hat. So gesehen warst du jetzt schneller und er hat das Korb-Problem nicht.
    Ich habe mir angewöhnt, davon auszugehen, dass ich mit 50:50 Wahrscheinlichkeit auch die schlechtere Variante sein könnte.
    Vielleicht ist aber alles auch ganz anders… deine analytische Geradlinigkeit spricht vielleicht aber auch eher für den Liebeskämpfer, äh Soldaten 2dot0.
    Schöne Grüße!

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