Der Altenpfleger βeta – Kaffee am See

In den nächsten Tagen schrieben βeta und ich  relativ regelmäßig und über den Tag verteilt. Es blieb jedoch ziemlich auf Smalltalk-Niveau. Ganz anders dazu der Soldat 2.0: Er schreibt mir am Tag zwei oder drei Nachrichten, diese sind dann aber ellenlang. Er berichtet, was er für den Tag geplant hatte, fragt nach, wie es bei mir läuft und erzählt einfach. βeta hingegen braucht scheinbar den ständigen Kontakt: Wie geht’s dir? Was machst du? Wie lange arbeitest du heute? Ein feines Frage-Antwort-Spiel (und leicht nervig).

Wir hatten bereits verabredet, dass wir uns mittwochs auf einen Kaffee am See treffen wollten. Vorher sahen wir uns allerdings noch im Altenheim. Das war irgendwie komisch, da wir die Tage vorher so viel geschrieben hatten und bis dahin wirklich nur beruflich miteinander zu tun hatten. Aber er flirtete mit mir 🙂 Eher indirekt, immerhin waren ja die ganzen Bewohner des Altenheims da. Mein Patient – nennen wir ihn mal Willi – saß wie immer schlafend in seinem Rollstuhl. „Guck mal Willi, da ist eine nette junge Frau für dich da.“ Schwupp, gingen Willis Augen auf: „Mmmhmm.“ Und Augen wieder zu. Einer der Patienten, von denen ich nichts zu erwarten habe. Da ich nachher noch eine Verordnung für meinen Patienten benötigte, gingen βeta und ich ins Dienstzimmer. Demonstrativ schloss er die Tür hinter sich. Ich musste etwas schmunzeln. Wir unterhielten uns noch kurz über unser anstehendes Date, ich steckte die Krankengymnastik-Verordnung ein und schon musste ich weiter.

Zwei Tage später am See. Es war ein Vormittag. Der Altenpfleger βeta hatte dienstfrei und ich musste erst mittags zur Arbeit. Wir trafen uns am Parkplatz und begrüßten uns mit einer kurzen Umarmung. Er sah gut aus in zivil 🙂 Mich kannte er bisher ja auch nur in meinem hässlichen Polyester-Arbeitsshirt und in allen Varianten von megagestresst bis gut gelaunt. Wir liefen durch den Wald und um den See, bis wir uns am Kiosk Eis und Cappuccino holten. Wir hatten bereits festgestellt, dass wir einen ähnlichen Geschmack hatten was Essen im Allgemeinen und Schokolade im Speziellen betraf. Das Kinder-Bueno-Eis kannte er noch nicht. Auf meine Empfehlung hin probierte er es. So saßen wir ganz entspannt in der Sonne, beobachteten, wie das Mähboot (ja, sowas gibt es) die Algen aus dem See fischte und hin und wieder fütterte βeta ein Vögelchen mit kleinen Stücken von seiner Eiswaffel.

Da ich seine Arbeitskollegen und die Bewohner des Altenheims kenne, ging uns der Gesprächsstoff nicht aus. Er erzählte Anekdoten aus seinem Arbeitsleben, ich erzählte von meinen Erlebnissen mit „seinen“ Bewohnern. Wir sprachen über den Sport, wie er es geschafft hatte, fast 30kg (!!!) abzunehmen. Krass, so sportlich wie er aussieht, hätte ich nicht gedacht, dass er mal dick war. Außerdem erzählte βeta, dass er Tinder gerade erst zwei Stunden installiert hatte, als ich ihn bei Facebook angeschrieben hatte. Haha, als Tinder-Frischfleisch ist er mir direkt aufgefallen.

Und ganz plötzlich war es schon nach 12 Uhr. Mist, ich musste nach Hause und mich für die Arbeit fertig machen. Dabei hätte ich noch Stunden so am See sitzen können.

10 Kommentare zu „Der Altenpfleger βeta – Kaffee am See

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