Der Soldat 2.0 – Wie wir uns ein Sonnensegel bauten

Eine Woche später. Wieder mal ein Sonntag. Und wieder war es warm. Wie überlegten, ob wir uns an einen See setzen sollten, verwarfen diese Idee jedoch wieder, weil vermutlich alles total überlaufen sein würde mit anderen Ausflüglern. Er bot als Alternative seinen Balkon an. Die Idee fand ich gut, denn ich habe weder Balkon noch Garten.

Nach einer Stunde Fahrt kam ich bei ihm an. Wir begrüßten uns mit einer Umarmung und ich setzte mich erstmal auf sein Sofa und schaute mich um. Die ganze Wohnung sah noch sehr steril aus. Kaum persönliche Gegenstände, sehr aufgeräumt. Bilder standen in der Ecke statt an der Wand zu hängen. Er erzählte, dass er jetzt seit einem Jahr in der Wohnung wohnte, doch wirklich eingerichtet war er noch nicht, da er ja fast nie dort war. Tatsächlich roch alles auch noch irgendwie neu.

Die Sonne brannte vom Himmel. Wir bewegten uns zwar zwischenzeitlich hinaus auf den Balkon, aber nur um festzustellen, dass es in der prallen Sonne viel zu warm war. Einen Sonnenschirm besaß 2.0 nicht. Doch dann kam er auf die Idee, er könne sie ja ein Sonnensegel aus einem Tarp bauen (das ist eine Zeltplane, war mir vorher kein Begriff). Also klettere er (1,93m) auf seinen Barhocker (sicherlich auch 80cm hoch) um das Tarp an der Regenrinne zu befestigen. Das Ganze auf dem Balkon im dritten Obergeschoss. Ich konnte gar nicht hinsehen. Mit vereinten Kräften befestigten wir die – übrigens olivgrüne – Plane über dem Balkon um dann festzustellen, dass die Sonnenstrahlen im falschen Winkel auf das Tarp fielen und kaum Schatten warf. Also noch mal anders montiert. Dann hatten wir auch Schatten. Allerdings wurde die Luft unter der Plane schnell stickig. Ideal war das olivgrüne Tarp-Sonnensegel nicht.

Uns zog es zurück auf das Sofa, dort war es etwas kühler und um einiges bequemer. Wir unterhielten uns und er sprach mich auf etwas an, was ich ein paar Tage vorher bei Whatsapp geschrieben hatte. Ich hatte ihn nämlich gefragt, welchen Dienstgrad er innehabe. „Hauptmann“, hatte er geantwortet und gefragt, ob ich etwas damit anfangen könne, was ich bejahte. Aber irgendwie erschien ihm meine Antwort zu  einsilbig und er fragte nach, wieso woher warum ich denn mit den Dienstgraden was anfangen könne. Aber die Geschichte mit dem falschen Soldaten wollte ich ihm lieber in Ruhe erzählen.

Da saßen wir also auf dem Sofa und er fragte nach. Und ich erzählte ihm alles. Der Soldat 2.0 hörte aufmerksam zu und war schockiert (die typische Reaktion, wenn ich irgendwem meine Geschichte erzähle). Zum Schluss fragte er mich: „Willst du meinen Dienstausweis sehen?“ Ich wollte 🙂 Kein Zweifel, dieser Soldat war echt.

 

Mir fiel auf, dass wir uns die ganze Zeit sehr sachlich unterhielten. Kaum Neckereien und es entwickelte sich kein echter Flirt. Aber ich beobachtete etwas amüsiert wie er gaaanz unauffällig auf dem Sofa immer näher an mich heranrückte. Einmal berührte er unbeabsichtigt meinen Fuß, den ich reflexartig wegzog – ich bin halt tierisch kitzelig. Das blieb von ihm nicht ungenutzt und er kitzelte mich komplett durch. Yeah, das Eis war gebrochen und wir gingen auf Tuchfühlung. Irgendwann war dann auch kein Tuch mehr zwischen uns.

Der Sex war gut. Punkt.

Spät abends trennten wir uns voreinander. Er musste ja zurück in die Kaserne. Mehr als 3 Stunden Schlaf würde er diese Nacht nicht mehr bekommen. Er nahm mich zum Abschied in den Arm und flüsterte mir ins Ohr, wie schade es war, dass wir uns jetzt zwei Wochen nicht sehen würden (er war das kommende Wochenende mit einem Kumpel zum Wandern verabredet). Und da wurde mir erst so richtig bewusst, dass es ja immer so sein würde. Egal, ob wir irgendwann eine richtige Beziehung führen würden oder ob es was Lockeres bliebe, wir  müssten uns auf Treffen am Wochenende beschränken.

Scheinbar hatte ich irgendwie gezögert. 2.0 merkte es auf jeden Fall sofort. „Was ist los? Irgendwie bist du gerade komisch?“ Nein, darüber mochte ich gerade nicht sprechen. Aber das ist ein Thema, über das ich mir noch lange Gedanken gemacht habe und immer noch mache. Und ein Thema, über das gesprochen werden muss.

14 Kommentare zu „Der Soldat 2.0 – Wie wir uns ein Sonnensegel bauten

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