Marathon – Race Day

Tja, am Sonntag war es dann soweit. Der Hamburg-Marathon fand statt und ich stand zum zweiten Mal an der Startlinie.

Meine Erkältung war von Tag zu Tag besser geworden, jedoch immer noch nicht ganz verschwunden. Ich hatte fast täglich inhaliert um irgendwie die Nebenhöhlen freizubekommen und ihr wollt nicht wissen, was da für ein Rotz rauskam 😀 Zumindest konnte ich bis Freitag meinen Taschentuchkonsum deutlich reduzieren und dem Start stand nichts mehr im Wege. Jedoch beschloss ich nach Gefühl zu laufen und meine  Uhr zu ignorieren. Bloß nicht zu schnell laufen, nicht mehr quälen als unbedingt nötig, nicht die Gesundheit riskieren.

Das Wetter am Sonntag war wunderschön: strahlender Sonnenschein bei 19°C und kaum Wind. Gefühlt waren es sicher 25°. Perfekte Bedingungen – für die Zuschauer. Für mich eher nicht, mir war das zu warm. Ich bin definitiv keine Schönwetterläuferin, mir ist Bewölkung oder gar ein leichter Regen lieber.

Nachdem ich auf dem Messegelände meinen Kleiderbeutel abgegeben und mich noch mit zwei Bekannten unterhalten hatte, machte ich mich auf den Weg zu meinem Startblock (G, falls das wen interessiert). Dort traf ich tatsächlich noch jemand, der aus einem Nachbarort kommt. Er war ganz irritiert als ich ihn ansprach, konnte sich nicht erklären, woher ich wusste, dass er aus meiner Gegend kommt – sein T-Shirt hatte ihn verraten. Wir unterhielten uns kurz und dann ging es los: Der Startschuss fiel – und wir blieben stehen. Erst nach und nach durften die über 10000 Starter loslaufen und es dauerte etwa 7 Minuten bis ich die Startlinie überquerte. Ich lief ganz nach Gefühl und es lief gut. Ich erreichte mühelos das Tempo, auf das ich trainiert hatte, meine Beine liefen von ganz allein und ich hatte richtig Spaß beim Laufen. Aber das gute Gefühl trog. Natürlich lief ich das Tempo, worauf ich trainiert hatte. Für dasselbe Tempo hatten die anderen Läufer im Startblock ja auch trainiert und die Masse zog mich einfach mit. Ein klassischer Anfängerfehler.

Von der Messe ging es über die Reeperbahn Richtung Elbchaussee und zu den Landungsbrücken. Hier war die Stimmung wie erwartet bombastisch. Mit Vergnügen las ich die selbstgebastelten Schilder der Zuschauer: „Lauf schneller Anne, der Sekt wird warm“ oder „Lächle, du hast dafür bezahlt.“ Wunderbar waren auch die T-Shirts  der anderen Läufer: „Ganz schön viel Arbeit für eine kostenlose Banane.“

Doch nach etwa 12km merkte ich, dass mir die Sonne ganz schön zu schaffen machte und dankbar lief ich an der Verpflegungsstation durch den Wasserstrahl eines Schlauches, den ein Helfer hinhielt. Zunächst dachte ich, dass man uns mit Salzwasser abduschen würde bis ich begriff, dass mir mein eigener Schweiß in den Mund lief. Ansonsten ignorierte ich die Verpflegungsstationen, denn ich hatte meinen Trinkgürtel dabei. Ich bin koordinativ nicht in der Lage während des Laufens aus einem Becher zu trinken; aus meinen Trinkfläschchen geht’s.

Nach etwa 15km ging es in den Wallringtunnel. Darauf hatte ich mich besonders gefreut, denn vor zwei Jahren war die Stimmung hier mega gewesen. Jetzt war die Stimmung gedrückt, über die Lautsprecher ertönte immer wieder die Durchsage des Veranstalters: „Bitte links laufen, haltet euch ganz links. Der Krankenwagen kommt euch entgegen.“ Und der Krankenwagen war schon im Tunnel. Ein Läufer lag am rechten Straßenrand, bereits in der stabilen Seitenlage und notärztlich versorgt.

Als ich aus dem Tunnel herauslief, erwischte mich der Mann mit dem Hammer oder besser Hämmerchen. Die Sonne knallte mit einem Mal dermaßen und auf einen Schlag hatte ich massiven Durst. Die Spritzer aus meinen Trinkfläschchen reichten mir nicht mehr, ich wollte richtig was trinken. Becherweise. Bei Kilometer 20 nahm ich mir zwei Becher Wasser, einen auf ex, den anderen kippte ich mir in den Ausschnitt. Und weil ich beim Laufen nicht aus einem Becher trinken kann, musste ich ein paar Schritte gehen. Das kostete natürlich Zeit. Mein Tempo hatte sich eh verlangsamt, jetzt lief ich wirklich nur noch nach Gefühl. Der Tempoläufer mit dem Vier-Stunden-Luftballon war schon längst an mir vorbeigelaufen, an Sub4 war nicht mehr zu denken.

Immer wieder lief ich die Verpflegungsstationen an, trank und trank, doch der Durst blieb, obwohl mein Bauch schon gluckerte. Hmm, vielleicht sollte ich mal Elektrolyte zu mir nehmen? Immerhin schwitzte ich ja wie sau. Und tatsächlich, der Durst wurde weniger. Bei Kilometer 35 stieg ich dann auf Cola um und mit einem Mal lief es richtig gut. Zum Teil konnte ich tatsächlich wieder ein Tempo von unter 6min/km laufen und ich wunderte mich über die Wirkung der braunen Brause. Es lang auch gar nicht am Wundergetränk. Nein, die Sonne war hinter den Wolken verschwunden und brannte mir nicht mehr auf den Kopf. Die letzten sieben Kilometer liefen richtig gut und machten Spaß. Sowieso die Stimmung auf den letzten Kilometern war der Hammer, vor allem in Eppendorf. Zuschauer schossen mit Konfettikanonen, wildfremde Leute jubelten mir zu, einfach Hammer.

Nach 4 Stunden und mehr als 20 Minuten kam ich ins Ziel. Meine persönliche Bestzeit habe ich um Längen verpasst. Bei dem Wetter und mit meiner Erkältung war einfach nicht mehr drin. Doch zu keiner Zeit habe ich mich wirklich quälen müssen (hätte ich es getan, wäre ich auch nicht unter vier Stunden geblieben), und die letzten Kilometer haben so viel Spaß gemacht, dass ich mit einem guten Gefühl und zufrieden mit meiner Leistung ins Ziel lief.

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16 Kommentare zu „Marathon – Race Day

    1. Die Erkältung kam am Montag noch mal so richtig raus, ist jetzt aber besser. Ansonsten geht es mir gut, der Muskelkater ist weg. Dienstag hatte ich zwischendurch immer mal wieder Kreislaufprobleme. Ich hätte
      mich montag wohl mehr schonen sollen – aber da war ich noch in Hamburg shoppen 😉

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  1. Schicke Medaille und toll erzählt. Was gibt es schöneres,als mit einem Grinsen im Gesicht über die Marathonziellinie zu laufen… (ok, hm, da gibt es schon Dinge, die sind nicht soooo schlecht, aber nicht hier….). Beim Wetter bin ich bei dir, 13 Grad, keine Sonne außer auf dem letzten Kilometer und ab und an eine sanfte Erfrischung aus den Wolken. Macht Lust auf Teilnahme. Mal in den Kalender sehen…
    Also nochmals fette Gratulation und nach dem M ist vor dem M.
    😉

    (Nach Kommentar laufen gegangen)

    Gefällt 1 Person

      1. Ich denke der Herbst ist für mich zu früh, Interesse hätte ich am Badenmarathon (Karlsruhe), da flach. Alternativ München im Oktober. Aber da müssen noch 5kg weg, mindestens. Jetzt mal sehen, der erste Schritt sind 25 km am Stück bis Ende Mai. Realistischer erscheint das nächste Frühjahr, und im Herbst noch den einen oder anderen HM.

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  2. Schön, dass Du es geschafft hast – und dass Deine Erkältung den Rückzug gemacht und sich nicht an Dir gerächt hat.

    Sowas wie im Tunnel will man natürlich nicht erleben – das würde mich auch ganz schön drausbringen.

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