Hochzeit 1 von 4 – Von westfälischen Hochzeiten und verheirateten Männern

Das war sie also, die erste Hochzeit in diesem Jahr. Das Wetter war super, somit erübrigte sich die Frage, welche Jacke ich zum Kleid anziehen würde – nämlich gar keine. Meine Haare wollten sich nicht so stecken lassen wie ich es wollte, also wurde daraus eine Flechtfrisur mit Dutt.

Die Trauung war schön: Das Brautpaar sah toll aus, die Musikauswahl war ganz nett – mit Kirchenliedern kenne ich mich nicht so aus – und die Stimmung passte einfach. Mit fast 200 Gästen ging es dann weiter ins Lokal, wo zur Party geladen war. Doch vorweg gab es Kaffee und Kuchen, während draußen Fotos gemacht wurden. Und dann das Festessen. Klassisch westfälisch. Kennt ihr das? Die Westfalen unter euch Lesern bestimmt 😉 Und die anderen? Was isst man denn anderswo klassischerweise auf Hochzeiten? Typisch Westfälisch gab es letztes Wochenende folgendes:

  • Hochzeitssuppe (Rindfleischsuppe mit Eierstich, Blumenkohl, Markklöschen)
  • Suppenfleisch mit Zwiebelsauce (mag ich absolut nicht)
  • Schweinemedaillons, Rinderroulade mit dunkler Sauce, Hähnchenbrustfilet mit Currysauce
  • Salzkartoffeln und Herzoginkartoffeln
  • Gemüseauswahl, wie Brokkoli, Blumenkohl, Bohnen, Erbsen, etc.
  • Herrencreme
  • Eis mit heißen Kirschen

Langweilig. Gibt’s auf fast jeder Hochzeit. Wird es auch auf der vierten Hochzeit in diesem Jahr geben, das steht schon fest.

Zwischen den Gängen wurden Spiele gespielt, Reden gehalten und Geschenke präsentiert. Das Spiel unserer Clique durften wir zeitgleich mit dem Dessert vorbringen, was gegen 22.00 Uhr geschah. Die Aufmerksamkeit des Publikums der Gäste galt eher dem Nachtisch als unseres Remakes von „1, 2, oder 3?“. Ein Grund, weswegen ich mich gegen diese Spielchen sträube: irgendwann nervt es nur noch und eigentlich will man nur noch vom Tisch aufstehen, Luft schnappen und/oder tanzen. Wir kürzten unser Spiel um die Hälfte der Fragen; dann durften wir selbst auch endlich unser Dessert essen. Das Eis war mittlerweile geschmolzen und die heißen Kirschen waren kalt. Aber die Herrencreme war gut.

Dann endlich: Der Eröffnungstanz. Und um Mitternacht gab es natürlich den Schleiertanz. Ich habe auch viel getanzt. Obwohl meine Füße irgendwann tierisch schmerzten, habe ich meine Schuhe nicht gewechselt. Das war vermutlich ein Fehler. Dazu aber später mehr. Ich habe überwiegend mit meinen Mädels getanzt, bis mich irgendwann ein Mann zum Tanzen aufforderte. Nein, das ist nichts Besonderes und nein, dabei habe ich mir nichts gedacht. Warum auch? Viel interessanter an der Sache ist wohl, dass ich unter Beobachtung stand. Das Tanzen hat Spaß gemacht, mein Tanzpartner hat mich gut über das Parkett geführt, obwohl ich gern (aber unbewusst) selbst die Führung übernehme. Uns war warm beim Tanzen geworden, weswegen wir und was zu trinken bestellten. Mein Tanzpartner kippte erst sein Wasser auf Ex runter, bevor er seine Korn-Cola trank. „Wow, du hast echt Durst“, staunte ich. „Natürlich“, grinste er. „Wenn man mit so einer schönen Frau tanzt, kann einem schon heiß werden.“ Oookay, er flirtete schon mit mir. Trotzdem dachte ich mir nix dabei, da mir aufgefallen war, dass er einen Ring am Finger trug.

Später tanzte ich noch mit einem Kumpel von mir, der eher grobmotorisch führt und viel zu große Schritte macht. Ein flüchtiger Bekannter von mir sprach mich später darauf an: „Mit dem anderen vorhin hast du besser getanzt. (…) Ist der auf der Suche?“ Weil ich mir nicht sicher war, ob ich ihn richtig verstanden hatte, fragte ich noch mal nach. Nein, ich hatte mich nicht verhört. „Ist der auf der Suche nach einer Frau? So wie er dich angebaggert hat.“ Mit vielsagendem Blick hielt ich ihm nur den Finger meiner rechten Hand entgegen. „Waaaas? Der hat ’nen Ring am Finger? Dass der verheiratet ist hätte ich echt nicht gedacht.“ Und ich hätte nicht gedacht, dass ein harmloses Tänzchen zu so vielschichtigen Gedanken führt.

Um 5 Uhr war ich zu Hause. Eine gelungene Party, würde ich sagen.

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20 Kommentare zu „Hochzeit 1 von 4 – Von westfälischen Hochzeiten und verheirateten Männern

  1. Ich finde, innovative Aufführungen sind schon was. Aber Spiel nur um des Spieles Willen und dann noch parallel zu einer Mahlzeit – finde ich nicht so toll.

    Wir haben damals eine Star Trek Show mit Gesang bekommen. Das hatte schon was. Ich hatte meine Trauzeugin gebeten, alles so zu arrangieren, dass es genug Aufmerksamkeit bekommt. Es waren auch dann nur zwei Beiträge. Aber die waren denkwürdig!

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  2. Was ich an Hochzeiten wirklich hasse, sind diese „Spiele“ und „Vorträge“ von gut meinenden Freunden des Brautpaares. Das mag vielleicht auf einem Kindergeburtstag funktionieren, ist aber auf so einer Feier völlig daneben.

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