Warum Single sein scheiße ist – Sonntagsjammer

Single zu sein nicht schön. Vor allem sonntags nicht. Sonntag ist Familientag, da frühstückt man mit seinem Liebsten, fährt zum Kaffee zur Schwiegermutter und spielt mit dem Nachwuchs auf dem Spielplatz. Oder so. Sonntagsidylle. Mir wird schlecht.

Als Single nutzt man den freien Tag für den Haushalt. Ich zumindest. Heute habe ich sportfrei, die Küche hat einen Großputz nötig und meine Steuererklärung muss ich auch endlich machen. Das Wetter war heute Morgen so lala, seit dem Nachmittag scheint die Sonne. Ideal auch zum Wäschewaschen. Sehr zum Leidwesen meines Nachbarn. Der ist nämlich der Meinung, dass ich zu laut bin. „Ich weiß gar nicht, wie ich das ansprechen soll.
In letzter Zeit bin ich des Öfteren wach geworden, weil ich in diesem hellhörigen Haus jeden deiner Schritte gehört habe.  Man hört, wie du in Richtung Küche gehst, ins Bad und ins Schlafzimmer. Ich erstelle demnächst ein Laufprotokoll.  Ich weiß meine Musik ist auch nicht die Beste und ich hab dich ab und an damit gequält, sorry dafür.  Vielleicht achten wir beide in Zukunft darauf. Danke schonmal !“ Diese Nachricht bekam ich letztens von ihm. Seitdem achte ich tatsächlich auf mein Laufverhalten. Ich weiß jetzt, dass ich mich überwiegend leise und auf Socken durch meine Wohnung bewege, das tat ich schon immer. Viel interessanter ist, dass ich jetzt auch weiß, wo mein Laminat quietsch, nämlich in der Küche, mittig im Esszimmer, da wo das Sofa steht, im Flur und kurz vorm Bett. Wenn ich immer außen an den Wänden durch meine Wohnung laufe, könnte ich das Quietschen umgehen. Tu ich aber nicht. Aber ich achte darauf, wenn es quietscht und freue mich jedes Mal heimlich darüber. Mein Nachbar wohnt nun ungefähr fünf Jahre unter mir und hat sich noch nie beschwert. Ich hingegen habe ihn mal gelobt für seinen guten Musikgeschmack, den ich jedoch ungern nachts bewerten möchte. Damals hatte er Liebeskummer, da seine Freundin ausgezogen war. Jetzt hat er eine neue Freundin, und seitdem bewege ich mich offenbar zu laut. Die kann froh sein, dass ich Single bin. Ich stelle mir gerade vor, wie schön das Laminat quietschen würde, wenn ich Sex auf dem Sofa hätte… für meinen Nachbarn hat es Vorteile, dass ich Single bin.

 

Wie gesagt, zum Leidwesen meines Nachbarn habe ich heute Wäsche gewaschen. Die Waschmaschine steht im Badezimmer und man hört sie garantiert in der unteren Wohnung, wenn sie schleudert. Bis vor kurzem hat sie dabei noch gewackelt, stand nicht ganz gerade. Ich will nicht wissen, wie sich das von unten anhörte. Mit vereinter Kraft meiner beider Hände habe ich einen Bierdeckel unter eine Ecke der Waschmaschine geschoben. Gar nicht so einfach als Single. Jetzt wackelt sie nicht mehr und schleudert etwas leiser. (Feedback vom Nachbarn habe ich keins bekommen.)

 

Da ich dieses Jahr auf vier Hochzeiten eingeladen bin, musste ein neues Outfit her. Letzte Woche kaufte ich ein Kleid, heute probierte ich es noch mal an um mir zu beweisen, dass ich darin tatsächlich gut aussehe. Den Reißverschluss hatte ich schon zur Hälfte geschlossen, kam von unten nicht mehr an den Zipper heran, griff von oben nach dem Zipper und berührte ihn nur so gerade mit den Fingerspitzen. In meinen Gedanken formten sich schon die Worte: „Schaaaatz, kannst du mir mal mit dem Kleid helfen?“ Achnee, gibt ja keinen Schatz. Also reckte und streckte ich mich und schloss mit einem Ächzen das Kleid. Ja, ich sah darin nachwievor sehr gut aus. Auch die schwarzen Pumps passten farblich dazu. Ein Jäckchen brauchte ich noch. Am liebsten in Pink oder Türkis. Na, zur Not würde es auch der graue Blazer tun. Nach der Rundumbegutachtung wollte ich das Kleid wieder ausziehen, aber – oh Schreck! – der Reißverschluss klemmte. Ich zog von oben am Zipper – keine Chance. Ich verrenkte mich, um von unten daran zu kommen. Nö, die Finger waren zu kurz. Ich überlegte einen Moment bei meinem Nachbarn anzuklingeln und entschied mich dagegen. Immerhin schleuderte gerade meine Waschmaschine. Noch mal verrenkte ich mich und erwischte irgendwie den Zipper, zog daran und – bekam einen Krampf im Oberarm. Aua! Irgendwie bekam ich dann doch noch das Kleid geöffnet. Ich frage mich nur, wie das am Tag der Hochzeitsfeier sein soll, wenn ich mich abends angetrunken entkleiden will…

Auf dieser Hochzeit bin ich wahrscheinlich der einzige Single. Naja, zumindest fast. Die Oma der Braut ist auch Single, da verwitwet. Leider auch dement, was die Breite der Gesprächsthemen auf das Wetter begrenzt. Ebenso begrenzt sind die Themen in meinem Freundeskreis auf das Thema B wie Baby. Oder N wie Nachwuchs. Stundenlang können sich meine Freunde darüber unterhalten, dass das Kind nachts nicht schläft, dafür aber tagsüber, dass es nicht trinkt, zu viel pupst, Bäuerchen macht oder was auch immer. Da kann ich stundenlang zuhören, denn mitreden kann ich da nicht. Das ist sogar einer Freundin aufgefallen nach dem letzten Treffen. Allerdings ging es da mehr um Hochzeitsdeko, Kleid, Einladung. Eine Woche später kam die Nachricht: „Na du, alles gut bei dir? Tut mir Leid, dass ich letztens so viel von Hochzeitsdeko und so gesprochen hab. Hinterher hab ich noch gedacht, dass ich viel zu wenig von dir mitbekommen habe. Geht’s dir gut?“ Ich lass das mal unkommentiert.

 

Wenigstens werde ich auf dieser Hochzeit gut aussehen. Das Laufen in oder auf den Pumps muss ich allerdings noch üben. Die sind verdammt hoch. Ich war heute Nachmittag mit den Schuhen spazieren. Draußen. Ihr wisst schon, mein Nachbar…

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20 Kommentare zu „Warum Single sein scheiße ist – Sonntagsjammer

    1. Eine der frischgebackenen Mütter ist auch noch teilzeit-alleinerziehend, weil der Mann regelmäßig auf Montage ist. Sie hat mir doch letztens tatsächlich die Ohren vollgejammert, wie schrecklich es ist, dass keiner da ist, wenn sie heimkommt…. Soll ist sie jetzt bedauern, oder was?!
      Ich habe übrigens heute bis 9Uhr geschlafen, die Mütter bestenfalls bis halb 6 😀

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  1. Siehst du, so schlecht haben wir es da als Single doch gar nicht ☺ aber man will wohl immer das, was man gerade nicht hat 😄 meine vergebenen Freundinnen haben auch schon öfter mal angemerkt, dass sie Tinder ja eigentlich gerne mal ausprobieren würden 😂 dass das Ganze gar nicht so spannend ist, wie es klingen mag und einen eher zur Verzweiflung treibt, ist ihnen da eher nicht so bewusst 😂😂

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  2. Na, sei mal froh, dass Du auf einer deutschen Hochzeit einfach Single sein darfst. Als ich noch unverbandelt war, wurde ich zu den Hochzeiten in der entferntesten luxemburgischen Verwandschaft eingeladen, um eine Tischnachbarin für irgendeinen Jungesellen zu haben. Da habe ich so machen Abend mit 45jährigen Mamalieblingen verbracht 🙄.

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      1. Interessanterweise wurde ich zu keiner luxemburgischen Hochzeit mehr eingeladen seitdem die Verlobung mit dem Ehemann allgemein bekannt war. Nie wieder. Aber ich bin gespannt, ob es in den Niederlanden ähnliche Rituale gibt 😉.

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  3. Danke für diesen amüsierenden Beitrag, wie immer großartig geschrieben. Für das Zipper-Problemchen hätte ich einen Lösungsvorschlag zumachen – du könntest den Zipper mit einem Bändchen verlängern (vgl. Neoprenanzug beim Tri) 😉 Vlt. sollte könnte man bei dieser Problemlage mal über ein Patent nachdenken – so eine Art „Schuhanzieher fürs Abendkleid“ der Singlefrau?! 😂

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      1. 😀 Du läufts ja auch nicht mit dem Schuhanzieher rum, nachdem du in den Schuh geschlüpft bist, oder doch?! Könntest beispeilsweise auch an Zipper temporär eine große Sicherheitsnadel befestigen und hinterher natürlich wieder entfernen!!!

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  4. Moin. Ich muss beim Lesen schmunzeln. Der Beitrag hätte aus der Tastatur einer langjährigen Freundin stammen könne, die, seit 10 J. verwitwet, das Single-Dasein auch sch…, also „nicht schön“ findet. Oder von einer Freundin meiner Tochter. Als allein erziehende Mutter möchte sie sonntags gerne mal ausschlafen, bestenfalls das Frühstück ans Bett gebracht kriegen, als sich um den kleinen Knirps zu kümmern. So sagte sie neulich, mit dem Nachsatz: „Und wenn ein Mann dann noch begreift, dass Toilettenpapier kein sich selbst erneuender nachwachsender Rohstoff ist und sich Wäsche aus der Waschmaschine nicht von selbst aufhängt, dann wäre es perfekt!“
    Als „ehetraumatisierter Wieder-Single“ muss ich in solchen Momenten grinsen: „Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall.“ Ok, meine Waschmaschine poltert nicht, dafür die meiner Wohnungsnachbarin, und meine Reißverschlüsse kriege ich noch selber zu.
    Alles wird gut – irgendwie, irgendwann.
    Grüße von der Ostsee

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  5. Kennst du den Film „how to be single“? Musste ich gerade bei deinem Beitrag dran denken. Da wird das Reißverschluss-Problem auch thematisiert und am Ende gibt’s sogar eine Lösung. 😊 wirklich ein toller Film. Wenn ich ehrlich bin, sogar mein Lieblingsfilm. 🙂

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  6. Ich sehe das ein bisschen anders mit dem Single sein und sehe es als Chance die Dinge zu tun, die ich vllt mit Partner nicht tun könnte. Meinen Hobbys nachgehen zum Beispiel und zwar wann ICH will. Auch habe ich mehr Zeit Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Single sein sollte man nicht als traurig empfinden sondern meiner Meinung nach als Chance 🙂
    Habe hierzu auch einen Blogpost auf meinem Blog veröffentlicht, vielleicht interessiert er dich ja.
    Viele Liebe Grüße,
    Caro

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    1. Da wäre mir dein Kommentar fast durchgerutscht. Du bist 19, da ist das Single-Dasein noch was anderes 😉 Freundschaften pflegen ist gar nicht so einfach, wenn die Freunde alle verheiratet und Eltern sind. Wenn ich Stammtisch habe, wird nur noch über Babyernährung gesprochen („Der will abends seinen Brei nicht, dafür schreit der nachts die ganze Zeit, was soll ich machen?“) – da kann ich nicht mitsprechen. Verabredungen werden kurzfristig abgesagt, weil das Kind Blähungen hat oder zahnt.
      Das ist alles nicht so einfach.

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