Der Bartträger – inspiriert mich zu wirren Gedanken

In den nächsten Tagen und Wochen schrieben der Bartträger und ich regelmäßig Whatsapp-Nachrichten. Dabei hörte ich heraus, dass er Sorgen hatte: er hatte mit seiner Ex-Freundin zwei Kinder und da gab es Probleme. Ich weiß da nichts genaues, das geht mich ja eigentlich auch nichts an. Soviel weiß ich aber: das jüngere Kind war gerade mal 2 Jahre alt. Und genau das ließ mich nachdenklich werden.

Warum gehen Beziehungen kaputt? Warum scheitern Ehen? Jaja, ich weiß, das ist nicht so einfach zu erklären; es gibt unzählige Gründe. Vielleicht bin ich die Falsche, die darüber philosophiert. Immerhin habe ich es bisher noch zu keiner ernsthaften, längeren Beziehung gebracht. Bei meinen kurzen Beziehungen habe ich immer recht schnell gemerkt, dass es einfach nicht passt. Oder dass der Typ schlichtweg ein falsches Ar***loch ist. Dann ist es auch legitim und verständlich, dass man eine Beziehung beendet.

 

Der klassische Lebenslauf sieht vermutlich so aus: sich mögen – sich näher kennenlernen – sich lieben – zusammenziehen – Haus bauen oder kaufen – heiraten – Kinder kriegen. Oder so ähnlich. So mancher Lebenslauf bekommt einen Knick nach dem Zusammenzug. Man merkt, dass der Partner anders ist als vermutet, wenn man ihn plötzlich 24 Stunden am Tag um sich herum hat. Er lässt ständig den Klodeckel oben, sie quasselt schon beim Frühstück pausenlos. Natürlich: Klischees.

Entweder liebt man seinen Partner genug um über seine Macken hinweg zu sehen, oder man regt sich so sehr darüber auf, dass man es irgendwann nicht mehr miteinander aushält. In meinem Freundeskreis gibt oder besser: gab es mal so ein Paar. Sie aß auf der Arbeit immer warm Mittag und wollte abends nur noch eine Kleinigkeit essen. Bei ihm war es genau andersherum. Und weil  sie immer eher als er Feierabend hatte, erwartete er, dass sie für ihn kochte. Was sie nicht tat; hatte ja mittags schon gegessen. Keiner wollte einen Kompromiss eingehen und ständig gab es Knatsch. Es schaukelte sich hoch, es gab immer mehr Unstimmigkeiten… Das ist jetzt Jahre her und die beiden sprechen kein Wort mehr miteinander (Kindergarten!).

Woran liegt das? Lieben wir uns selbst zu sehr und den anderen zu wenig? So dass wir nicht bereit sind Kompromisse einzugehen? (Also wir Menschen, meine Generation vielleicht. Ich weiß auch gar nicht so wirklich, warum ich das alles gerade schreibe. Mir schwebt das Thema so im Kopf herum, ziemlich konfus. Und so konfus wirkt auch mein Text gerade auf mich. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich das wirklich veröffentlichen soll. Ihr werdet es sehen. Oder auch nicht – hehe.)

Um noch mal auf meine bärtige Knutschbekanntschaft zurückzukommen: Der Mann hat zwei Kinder mit seiner Ex, das jüngere war – als wir uns kennenlernten – zwei Jahre alt. Keine Ahnung wie alt der Kleine bei der Trennung war. Ich frage mich nur, warum man nicht um eine Beziehung kämpft, gerade wenn Kinder im Spiel sind. Was kann so schlimm sein, dass man sich trennt? Oder war man wieder zu egoistisch und nicht kompromissbereit? Eigentlich muss doch was Schwerwiegendes vorfallen, dass man sich in so einer Situation trennt. Wenn man sich für Kinder entscheidet, liebt man sich doch. Sollte man zumindest. Was geht dann in so kurzer Zeit schief?

Noch eine Geschichte aus meinem Bekanntenkreis. Ein Paar, das ebenfalls zwei recht kleine Kinder hat. Sie leben in Trennung. Warum? Sie fühlt sich nicht genug geliebt. Nun ja, dass er nicht der große Romantiker ist, hätte sie schon längst wissen müssen. Und dass der Alltag mit zwei Kindern auch nicht viel Zeit für Zweisamkeit lässt, sollte ebenfalls klar sein. Also fühlt man sich nicht genug geliebt und trennt sich. Irgendwie scheint mir das alles sehr einfach zu sein (natürlich fehlt mir hier der Blick hinter die Kulisse). Und weil das alles so einfach ist, sind beide schon längst bei Tinder angemeldet. Ich war schockiert, als ich ihn da gefunden habe. Ich wusste von der Trennung nämlich nichts.

 

Das waren – und sind noch immer – Gedanken, die mich beschäftigt haben, nachdem ich den Bartträger kennengelernt hatte oder auch jetzt noch, wenn ich von Trennungen erfahre. Ich glaube, wir, die Menschen, machen es uns zu einfach. Wir müssen keine Socken mehr stopfen – wir kaufen uns neue. Wir arbeiten nicht an unserer Beziehung – wenn es Probleme gibt, tindern wir uns einen neuen Partner herbei. Sicherlich ist nicht jeder so, sicherlich gibt es Ausnahmen. Aber ich werde skeptisch, wenn ich einen Singlemann kennenlerne, der Kinder hat. Was ist falsch an diesem Mann, dass die Beziehung nicht gehalten hat? Dass er nicht für seine Familie erfolgreich gekämpft hat?

Und ein böses Teufelchen sitzt auf meiner Schulter und flüstert: „Vielleicht hat seine Ex nicht ausgehalten, dass er ständig im Knast sitzt weil er ein Betrüger und Hochstapler ist.“

 

Warum schreibe ich euch diese wirren Gedankengänge? Die Knutscherei mit dem Bartträger ist doch schon lange her. Und der Whatsapp-Kontakt brach auch irgendwann ab. Ich hatte das Gefühl, dass er zu sehr mit Sorgerechtsproblemen beschäftigt war. Außerdem hatte ich die Ladung zu Gericht bekommen… Trotzdem ging der Kontakt nie so ganz verloren. Manchmal kommentierte er meinen Status bei Whatsapp oder ich sein Profilbild. Und vor kurzen sah ich sein Bild bei Tinder. Aber das ist eine andere Geschichte.

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12 Kommentare zu „Der Bartträger – inspiriert mich zu wirren Gedanken

  1. Es muss nicht immer etwas „schief“ laufen wenn eine Beziehung endet. Liebe ist endlich. Anziehung ist endlich. Das ‚Für immer und ewig‘ ist ein bisschen Hollywood. Keiner ist heutzutage mehr wirklich auf den Partner angewiesen und abhängig. Wenn die Liebe endet kann man gehen. Auch mit Kindern. Liebe ist nicht pragmatisch, dswg bringen auch meist keine Strategien etwas um sie „zu retten“. Und v.a. wenn eine Liebe endet ist das kein Scheitern. Das kann man genauso wenig steuern wie das Verlieben.

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    1. Mir ist schon bewusst, dass Liebe „einfach so“ enden kann. Aber das geschieht doch nicht von heute auf morgen. Nur manchmal habe ich den Eindruck… man entscheidet sich für eine gemeinsame Zukunft, zieht zusammen, bekommt Kinder. Alles ist aufregend. Und sobald der Alltag Einzug hält, das Neue langweilig wird, stellt man fest, dass man sich nicht mehr liebt. Zumindest sieht es für mich manchmal so aus.

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      1. Ich für meinen Teil habe bei vielen krassen Veränderungen vorgezogen, diese erstmal sacken zu lassen, einen neuen Alltag sich einstellen zu lassen, bevor ich die nächste angegangen bin. Zu viele Veränderungen zugleich, auf die man emotional reagiert, die das Leben verändern, machen das alles zu komplex.

        Klar, man möchte nicht zu alt sein, wenn man Kinder bekommt. Aber ich kenne einige Paare, die zusammenziehen, heiraten, sich über Wohneigentum finanziell aneinander ketten, Kinder bekommen zu sehr „Knall auf Fall“ gemacht haben. Genau wie ich einige Leute kenne, die krasse Veränderungen in ihrem Leben, die mehrstufige Prozesse waren, stolz in 18 Monaten durchgezogen haben – und dann an der Fülle der Veränderungen und dem Stress mit all diesen Veränderungen jahrelang knabberten und manches bereuten.

        Aber vermutlich drifte ich vom Thema Deines Beitrages und vom Thema dieses Kommentar-Threads ab.

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      2. Eben das ist es ja, was ich meine. Es ist ein Prozess. Wie lange dauert der Prozess um sich zu „entlieben“? Wochen, Monate, Jahre? Und wenn dann eben kleine Kinder im Spiel sind, für die man sich (hoffentlich) gemeinsam aus Liebe entschieden hat, dann kann dieser Prozess ja nicht allzulange gedauert haben. Quasi 9 Monate plus das Alter des Kindes. Irgendwie bin ich da skeptisch und misstrauisch.

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  2. Wer von vornherein glaubt, daß Liebe endlich ist, der sieht auch jede Beziehung als Zeitvertrag an. Das ist für ’ne Ehe keine optimale Grundeinstellung, würde ich sagen.

    Bei dem Bartträger schreibst Du ja schon, das ist alles erst einmal Spekulation. Aber entweder ist da grundsätzlich etwas schief gelaufen oder die haben gemerkt, daß Kinder halt doch 24/7 beschäftigt werden wollen?

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      1. So paßt das schon eher 😉 Ein Kumpel von mir hat mal seiner Schwiegermutter in spe gesagt, wer Garantien haben will, soll sich ’ne Waschmaschine kaufen. 🙂 Und seine Schwiegermutter ist die Frau nicht geworden, übrigens…

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