Basti, der Reiter

Ach, im Moment ist es ganz ruhig hier. Vom Soldaten gibt es (noch) nichts Neues; er läuft immer noch frei herum. Wahrscheinlich ist im Gefängnis kein Bettchen für ihn frei. Aber das wird sich noch ändern. Auch vom Tennisspieler gibt es nicht viel zu berichten. Der arme Kerl hat eine Männergrippe und leidet ganz doll. Irgendwie erinnert er mich in der Hinsicht an den Soldaten, der war doch auch mal so schrecklich erkältet. War er das wirklich? Glaube ich nicht, sein Schnupfen hieß vermutlich Ella.

Aber lassen wir das Thema lieber.

Ich wollte euch eine andere Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle, weil sie einfach zu süß ist. Es war einmal ein Junge, nennen wir ihn mal Basti. Basti ist ein Junge (jaha, ein Junge kein Mann!), den ich aus dem Reitverein kenne. Unsere Pferde standen damals im Stall nebeneinander und so begegneten wir uns häufiger und plauderten hin und wieder. Ich fand Basti ganz süß, obwohl oder gerade weil er 10 Jahre jünger ist als ich. Irgendwann ritten wir zusammen aus und Basti fragte mich: „Wie alt bist du jetzt? 26? Wird so langsam Zeit bei dir…“ Ich guckte ihn irritiert an. „Ja, stell dir vor, du hast erst mit 27 einen Freund“, begann er zu erklären. „Wenn ihr schnell seid, heiratet ihr mit 28, dann kommt mit 29 das erste Kind. Stell dir vor, das klappt alles so nicht, dann bist du bald zu alt fürs Kinderkriegen.“ Ich war perplex, wusste gar nicht was ich sagen sollte. Doch Basti schaute mich mit seinem Dackelblick an: „Mach dir keine Sorge, zur Not bin ich auch noch da.“ Ich wäre vor Lachen fast vom Pferd gefallen.

Basti flirtete immer ein wenig mit mir – und mit fast jeder Frau, die im Reitstall herum lief. Er war und ist noch immer ein richtiger Sunnyboy. Er stand einmal vor mir und erklärte mir, er habe morgens den perfekten Mann für mich gesehen: „Groß, schlank, sportlich, gutaussehend. Braune Augen…“ – „Welche Haarfarbe?“, fragte ich ihn. Er druckste etwas herum: „…blond, ins rötliche gehend.“ – „Achso, hast du in den Spiegel geschaut?“ Und Basti strahlte mich an: „Ja!“

Ach, er war einfach goldig. Wir sponnen herum, dass wir ja noch 2 Jahre hätten, bis er mich heiraten könne. Immerhin müsse er ja erst 18 Jahre alt werden. Herumalbern konnte man mit ihm immer gut. Selbst seiner Mutter fiel das auf. Sie unterhielt sich mal mit einer anderen „Stallmutti“. Ich stand in Hörweite, war aber mit etwas anderem beschäftig. Bastis Mutter sagte zu ihrer Bekannten: „Unser Basti steht ja mehr auf ältere Frauen, stimmts Somi?“ Und sie grinste mich an. Oh Gott, was war das peinlich.

Aber wie das Leben so spielt, lebten Basti und ich uns ziemlich auseinander. Ich begann ein anderes Pferd zu reiten, welches am anderen Ende der Stallgasse stand. Das war der erste Schritt der Trennung. Dann begann Basti seine Ausbildung und hatte weniger Zeit fürs Reiten – und für mich. Sein 18er Geburtstag kam und ging – und er machte mir keinen Heiratsantrag. Dann erfuhr ich von seiner Mutter, dass Basti eine Freundin hatte. Sie war 23 Jahre alt und somit 5 Jahre älter als er. Er blieb seiner Linie auf jeden Fall treu.

Leider sehen wir uns heute nur noch selten. Nicht, dass ich verknallt wäre, nicht, dass ich mir Hoffnungen auf irgendwas machen würde. Aber ich hatte immer Spaß an unseren Gesprächen, den kleinen Neckereien, dem Flirt.

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8 Kommentare zu „Basti, der Reiter

    1. Ja, schon krass – ich habe Deinen Kommentar gebraucht, um mir des Doppelstandards bewusst zu werden. Ich fand die Geschichte sehr süß – gerade weil ja nicht „mehr“ war. Aber umgedreht hätte nicht „mehr“ sein müssen, um es komisch wirken zu lassen.

      Die Frage stellt sich: Sind wir in der einen Richtung zu locker oder in der anderen zu vorsichtig?

      … dabei wollte ich eigentlich nur ein „süß“ drunterschreiben …

      Gefällt mir

      1. Wäre der der Mann älter und die junge Dame erst 16 Jahre jung, wäre der Mann als „Kinderf*c*er durchgegangen.

        Es ist schon eine Doppelmoral in unserer Gesellschaft. Es geht nicht um Vorsicht oder Lockerheit (damit ist keine Toleranz gemeint), sondern ein geschlechterneutrale Sichtweise.

        Von mir aus sind Alterunterschiede nicht wichtig, aber 16 Jahre ist schon ziemlich jung.

        Gefällt 2 Personen

      2. Das war mir schon klar, dass Du auf eine geschlechtsneutrale Sichtweise zielst. Leider ist das nicht so – und auch wenn ich mir eigentlich auf die Fahnen schreibe, nicht nach Doppelstandards zu denken, hier hätte ich es vermutlich – wobei ich nicht sicher bin.

        Ich hatte aber beim konkreten Beitrag hier nicht das Gefühl eines Machtgefälles zwischen Somi und Basti – und genau an der Stelle wäre es richtig kritisch geworden.

        Gefällt 2 Personen

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