Der Nordic Walker

Der Nordic-Walker ist eigentlich nur eine Unterart des gemeinen Walkers. Er unterscheidet sich nur anhand der mitgeschleiften Stöcke.

Der eigentliche Nutzen der Stöcke – abgesehen vom Balancehalten, damit der nordische Geher bei seinem niedrigen Tempo nicht umkippt – ist die Kräftigung des gesamten Körpers. Durch den vermehrten Armeinsatz, das Nachhinten-Strecken des Armes, wird die Arm- und Rückenmuskulatur gekräftigt. Dadurch wird mehr Energie/kcal benötigt als beim einfachen Spazieren, ääh, Walking.  Das stand bestimmt mal in der Apotheken-Umschau. Um diese Behauptung zu belegen habe ich soeben bei www.fitrechner.de meine Daten eingegeben um Walking und Nordic Walking kalorientechnisch zu vergleichen. Bei einer Stunde Gehen würde ich mit Stöcken ganze 40 kcal mehr verbrauchen. Lohnt sich total, immerhin entspricht das ca. 8g Schokolade, die ich dadurch mehr essen dürfte.

Diese positiven Eigenschaften des Nordic Walkings erzielt man natürlich nur durch den korrekten Stockeinsatz. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Wenn ich laufend oder joggend unterwegs bin treffe ich regelmäßig auf Stockenten, die ihre Nordic-Walking-Stöcke nur hinter sich her ziehen. Der Armeinsatz ist marginal, vom hochgepriesenen Melkergriff ist nichts zu sehen. Stattdessen unterhält sich das Stöckelwild, welches vorzugsweise in Rudeln oder Paarbildung auftritt, über Low-carb, no-carb, Almased, oder Weight-watcher-Rezepte.  Nordic-Walker sind in der Regel nämlich leicht (oder auch schwer) übergewichtig. Daran ändert auch der sogenannte Fettverbrennungspuls nichts, der beim nordischen Spazierengehen nicht überschritten wird. (Vielleicht sollte man an den Stöcken Gewichte befestigen. Dann wäre das Durch-die-Gegend-Tragen oder –Schleifen der Stöcke wenigstens ein bisschen effektiv.)

Wie bereits erwähnt, sind Stockenten oft Rudeltiere. Wenn man diese Tiere/Sportler überholen will, muss man lautstark auf sich aufmerksam machen. Das tak-tak-tak des sportlichen Accessoires kann mal als schnaufender Läufer oder klingelnder Radfahrer noch übertönen. Da die Stöcke in der Regel aber mitgeschliffen werden, ist es schon schwieriger auf sich aufmerksam zu machen. Insbesondere wenn die Nordic-Walkerinnen (männliche Stockenten sind nur selten in freier Wildbahn anzutreffen) in Rezeptdiskussionen vertieft sind.  Generell scheinen diese Sportler unter einem Aufmerksamkeitsdefizit zu leiden. Selbst wenn man ihnen entgegen kommt, bemerken sie einen erst dann, wenn man schon direkt vor ihnen ist und sie erschrecken dermaßen, dass sie fast über ihre eigenen Stöcke (oder die des Partners) stolpern.

Der Nordic Walker ist in der Regel ebenso sportlich bekleidet wie der gemeine Walker. Ich habe allerdings tatsächlich schon Nordic Walker gesehen, die im Winter mit dickem Mantel und Stiefeln bekleidet ihren Sport ausübten. Erkannt habe ich die Stockenten nur am Accessoire, also den Stöcken. Aber vielleicht hatte sie die auch nur bei ihrem winterlichen Spaziergang dabei um nicht zu stürzen.

Generell scheinen Stockenten nicht leicht ins Schwitzen zu kommen, denn gerne tragen sie Baumwollbekleidung an Stelle von Funktionstextilien. Schwitzende (Nordic) Walker habe ich bisher nur bei Temperaturen von über 30°C gesehen.

 

Dieser Text basiert auf wissenschaftlichen Tatsachen und ist frei von Ironie und Übertreibungen.

 

Schon mal ein fettes Sorry an alle Nordic Walker, die ihren Sport korrekt und ernsthaft ausüben. Ich habe selbst mal einen Schnupperkursus gemacht und man kann sich dabei wirklich anstrengen.  Leider scheint es eher wenige Walker zu geben, die sich wirklich mit ihrer Sportart auseinander gesetzt oder gar einen Kurs absolviert haben. Und wenn man es nicht mal für nötig hält Sportbekleidung zu tragen, dann kann ich diese Leute auch nicht ernst nehmen.

20 Kommentare zu „Der Nordic Walker

  1. Eins noch: Nordic Walker sind saisonale Erscheinungen, so meine reale Erfahrung. Jedes Jahr im Frühjahr sind an 2-3 aufeinanderfolgenden Wochenenden unterschiedliche Rudel zu beobachten, die sich nach dem ersten Unwetter oder der ersten Hitzewelle wieder auflösen und im darauffolgenden Frühjahr wieder voll durchstarten. Die die durchhalten sind in der Regel Einzelkämpfer, deren gesamter Bewegungsablauf wesentlich harmonischer erscheint. Gerade mit zu vielen Kilos und in höherem Alter ein Gedanke wert…
    Da würde mir noch manches einfallen…
    LG von einem Faultier, das eher nicht lästern sollte!
    Frohes Überholen

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  2. Schon beim zweiten Satz konnte ich nur zustimmend nicken – jedes Mal, wenn ich jemanden sehe, der diese Stöcke hinter sich her schleift, frage ich mich: Warum?
    Ich habe mich aber noch nie getraut, nachzufragen, ob man sich denn wohl über den korrekten Einsatz und den Sinn der Stöcke im Klaren sei. Schließlich will ich nicht noch so ein Ding um die Ohren gehauen bekommen. 😉

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  3. Ich gehöre auch zu den Stockenten, da ich leider nicht mehr laufen darf und kann. Musste aber sehr grinsen, bei deiner Beschreibung. Ich habe einen Nordic Walking- Kurs absolviert, um mir die Technik mit den Stöcken genau erklären zu lassen. Aber leider falle ich beim „Gehen“ oft in meinen Trott und ziehe die Stöcke nur hinter mir her. Und das man nicht wirklich ins Schwitzen kommt, kann ich nur bestätigen. Ich walke 10-12 km und meine „Sportbekleidung“ ist nicht mal ansatzweise genutzt. Ich hatte mir das auch effektiver und anstrengender vorgestellt. Da ich meistens alleine unterwegs bin, würde ich die Stöcke auch zur Verteidigung nutzen, wenn es denn nötig wäre. Schönen Sonntag.. 😀

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    1. Hauptsache man bewegt sich 😉 Ich habe im Schnupperkurs festegestellt, dass ich zu doof fürs Nordic Walking bin. Ich laufe mit Stöcken immer Pass statt Kreuzgang. Geschwitzt habe ich dabei auch nicht. Gut, dass meine Gelenke in Ordnung sind und ich laufen kann 😀
      Ich wünsche dir auch einen schönen Sonntag.

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    2. Interessant finde ich, dass hier niemand über das Walkingtempo redet. Stattdessen wird über Spazierengehen mit Stock geredet. Dann kann es auch lassen und im Café sitzen. Ach ja, ich walke etwa so schnell wie langsame Jogger rennen, ca. 7-8 min/km. Natürlich ohne Stöcke, die würden nur mein Tempo reduzieren. Und ich schwitze.

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      1. Ich habe etwa das gleiche Tempo und wenn ich darauf achte, die ganze Zeit stramm dabei zu bleiben, dann schwitze ich auch. ABER… es ist einfach kein Vergleich zum Joggen und auch leider kein gleichwertiger Ersatz. Zumindest nicht für mich.

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  4. Nun musste ich wirklich lachen… 🙂 Nein ich habe mich nicht ertappt gefühlt, den ich gehöre zu der niedrigen Prozentzahl derjenigen, die keine Kröten und Blätter mit den Stöcken aufspießt. Ich musste Dir nur innerlich so Recht geben! Ich kann auch immer kaum hinsehen.
    Ich habe mich mal ziemlich intensiv damit beschäftigt und bin seither ein Fan von Rosi Mittermaiers Sohn, der echt krasse Sachen damit veranstaltet. OK, für sowas bin ich zu alt, aber man wird ja mal träumen dürfen und Ziele haben 😉

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      1. Reiter grüßen immer! Das war bei mir sogar Prüfungsstoff zum Reitabzeichen. Als Reiter wirkt man automatisch „von oben herab“, also sollte man zumindest auch freundlich grüßen.

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