Der Jogger

Das joggende Volk unterteilt sich in zwei Lager: zum einen ist da der ambitionierte Jogger, der irgendwann mal Läufer werden möchte. Und zum anderen der Gesundheitsjogger, der sich nur seiner Gesundheit zu Liebe bewegt.

Den ambitionierten Jogger erkennt man an seiner hochmodernen, sportlichen Ausrüstung. Die Laufbekleidung zeichnet sich grundsätzlich durch ihre Neonfarben aus, auf der sich im Sommer allerlei Insekten tummeln. Kompressionsstrümpfe trägt dieser Jogger nur selten, zumindest nicht im Training. Aber hochmoderne Laufschuhe. Die waren natürlich auf Platz 1 im Test der Runner’s World, laufen.de, etc. – quasi das Goldene Blatt im Laufsport. Oder die Brigitte. Oder Frau im Spiegel. Die Schuhe sind ideal für den ambitionierten Jogger, stand in der Zeitschrift. Deswegen joggt er im Neutralschuh mit Überpronation, aber Natural Running ist „in“, das stand auch in der Zeitschrift.

Eine GPS-Uhr benötigt der ambitionierte Jogger nicht. Er hat runtastic oder sonst eine tolle App auf dem Handy. Die erklärt ihm nach dem Training, woher er gelaufen ist, wie schnell, wie weit etc. Die Herzfrequenz ist dabei zu vernachlässigen.

Der Gesundheitsjogger hingegen sieht eher lässig aus. Er joggt in der klassischen Jogginghose und trägt dazu Sweatshirt. Beides aus Baumwolle, damit er noch mehr schwitzt und sich der Schweiß schön als große Flecken unter den Achseln und am Rücken abzeichnet. Die Baumwolljoggingbekleidung  ist in dezenten Schwarz- und Grautönen gehalten. Echte Läufer tragen diese Bekleidung nur zur Regeneration – nach dem Training auf dem Sofa. Eine GPS-Uhr besitzt der gesundheitsbewusste Jogger nur wegen der Pulsmessung. Er will ja ausschließlich im GA1-Bereich trainieren. Das ist besser, stand auch mal in einer Zeitschrift. In der Apothekenumschau nämlich. Niedriger Pulsbereich = Fettverbrennungspuls. Man nimmt also ab. Oder so. (Warum sind dann nicht alle Walker gertenschlank???)

Generell sind Jogger – egal ob ambitioniert und gesundheitsbewusst – eher normalgewichtig. Zum Teil am oberen Ende des Normalgewichts, aber sie sehen deutlich gesünder aus als der Läufer. Der Läufer sieht nämlich grundsätzlich halbverhungert und abgemagert aus. Der trainiert ja auch so viel, dass er gar keine Zeit zum Essen hat. Der Jogger hingegen schon. Zum Glück. Damit hat er ja auch einen Anreiz zum Joggen gehen: er muss die aufgenommenen Kalorien wieder abarbeiten. Überhaupt läuft bzw. joggt er nicht ganz so viel. Regenerationstage müssen eingehalten werden. Das schont die Gelenke. Außerdem hat der Jogger noch ein Privatleben neben dem Training. So mit Freunden und so.

Freunde und/oder Trainingspartner hat der Jogger viele. Der ambitionierte Jogger geht regelmäßig zum lokalen Lauftreff, wo er sich den flotteren Läufern (oder Joggern) anschließt. Der Gesundheitsjogger trainiert lieber alleine, es sei denn, der örtliche Lauftreff hat eine „Cappuccino-Gruppe“, also Jogger(innen), die ganz langsam laufen. Im vermeintlichen Fettverbrennungsbereich.

Der Laufstil des Joggers wirkt kraftlos und schwerfällig. Die Schritte sind klein und die Füße scheinen am Asphalt zu kleben. Die Hüfte wird instabil und knickt ein, wodurch der Oberkörper nach vorne fällt und der Jogger auf die Füße „patscht“. Ein recht lauter Laufstil. (Mangelnde Kraft und Koordination sind hier die Ursache. Das allseits beliebte Lauf-ABC kann Abhilfe schaffen.)

Dieser Text basiert auf wissenschaftlichen Tatsachen und ist frei von Ironie und Übertreibungen.

 

Seid ihr Jogger? Hochambitioniert oder nur gesundheitsbewusst?

7 Kommentare zu „Der Jogger

    1. Du bist wahrscheinlich derjenige, der mir immer mit Fahrrad entgegen kommt und nie Platz macht, sodass ich immer in die grünbepflanzung am Rand – sprich brennesseln – springen muss. Mit kurzer Hose natürlich. 😆

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      1. Achso… Nee. Jogger an und für sich mag ich. 😂
        Nur für mich nicht.
        Ich mache eigentlich viel Sport, aber beim joggen krieg ich nach 3 Metern einen Kreislaufzusammenbruch und meine Lunge hängt auf dem Boden. 😂😂

        Aber….: 😱😱😱
        Solche Menschen gibt es? 😲

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      2. tja, die größten Anarchisten im Verkehr scheinen immer wieder die Radfahrer zu sein.

        Ich laufe auch nicht. Es bringt keinen Spass. Früher hab ich das mal gemacht, sogar Sonntagsmorgen aufgestanden und um die Bredenbeker Teichegeflitzt. Immer und immer wieder.

        Die Laufreviere in Hamburg sind total überlaufen. Alles sehr gesunde Menschen hier.

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  1. Ich schätze, ich bin ein Jogger. Ich sehe nicht halbverhungert aus. Netterweise sind bei die Frauen bei Volksläufen, die bislang ebenfalls mein Tempo liefen, dichter am Läuferinnenstatus als am Joggerinnenstatus. Die sehen somit nicht halbverhungert aus, sind aber auch nicht am oberen Ende des Normalgewichts… Soviel mal dazu… 😉

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