Der Soldat – Gerichtsverhandlung VII – Das Urteil

Ich hatte euch ja nach dem letzten Blogbeitrag gefragt, was ihr schätzt, welches Urteil der Richter fällen würde. 3-4 Monate wurde geschätzt, ebenso 18 Monate, alles auf Bewährung.

Wie hat der Richter entschieden? „Bitte erheben Sie sich.“ Wir standen auf. Meine Freundin, die neben mir gesessen hatte, griff nach meiner Hand. „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Dem Antrag der Staatsanwaltschaft wird Folge geleistet, der Angeklagte wird zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Diese Strafe wird nicht zur Bewährung ausgesetzt.“ Wir durften uns setzen und der Richter erklärte seine Entscheidung. „Ich sehe das genauso wie der Staatsanwalt.“ Er wandte sich direkt an den Soldaten. „Sie sind ein notorischer Lügner (ich hätte zählen sollen, wie oft dieser Ausdruck fiel) und Sie sind immer wieder straffällig geworden, selbst wenn ein Richter Ihnen die Chance gegeben hat sich zu bewähren. Sie sagen, dass Sie sich bessern möchten. Sehen Sie diese Haftstrafe als Möglichkeit alles zu überdenken und dann Ihr Leben neu zu gestalten. Ich fürchte allerdings, dass wir uns tatsächlich wiedersehen werden.“ Kurze Pause. „Sie haben die Möglichkeit gegen dieses Urteil innerhalb von einer Woche Berufung einzulegen. Hiermit ist die Verhandlung geschlossen, Sie dürfen den Saal verlassen.“

Mein Tunnelblick war die ganze Zeit weiterhin auf den Richter gerichtet gewesen. Auf den Richter gerichtet – was für ein Wortspiel. Jetzt ärgere ich mich darüber. Damals auf der Kirmes war der Soldat so wunderbar blass geworden, als er merkte, dass ich ihn (teilweise) enttarnt hatte. Wie hatte er diesmal reagiert? Denn dieses Urteil würde sein Leben so richtig durcheinander wirbeln. Wie würde er das seiner Frau erklären? Ich bezweifle immer noch, dass sie irgendetwas von all dem weiß.

Ich hatte nicht einmal mitbekommen, wie der Soldat den Gerichtssaal verließ, so schnell war er weg. Lustiger Zufall: Der Staatsanwalt sprach eine meiner Freundinnen an. Sie ist Rechtspflegerin und die beiden waren Büronachbarn. Sogar der Richter kannte sie, obwohl sie an einem anderen Gericht arbeitet. Jaja, klein ist die Welt.

Ich fühlte mich erleichtert und so geht’s mir immer noch. Meine Befürchtungen – Freispruch, Bewährung – waren unnötig. Wenn man bedenkt, dass für Vergewaltigung, Körperverletzung etc. ebenfalls Bewährungsstrafen vergeben werden… Im Vergleich dazu ist mein „Schaden“ doch relativ gering und diese Haftstrafe hoch. Bei den Vorstrafen hätte man ihn aber gerne länger wegsperren können. Wobei – moment mal. Da war doch noch was? Richtig, er ist ja noch auf Bewährung. Wie das jetzt abläuft, kann ich nicht genau sagen. Meine Freundin, die Rechtspflegerin meint, dass der zuständige Richter von damals jetzt über die erneute Verurteilung informiert wird und neu entscheidet, ob die Strafe in eine Haftstrafe umgewandelt wird. Dann würde der Soldat deutlich länger als das halbe Jahr im Gefängnis bleiben müssen. Aber das werde ich wohl nicht erfahren.

Nach der Verhandlung ging es in die Stadt. Kaffee und Kuchen als zweites Frühstück. Und Sekt! Die Mädels erzählten mir dabei, was ich bei der Anhörung verpasst hatte. Der Soldat war mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Nur nach und nach hatte er alles zugegeben. Ja, er war tatsächlich in Uniform aufgetreten, die würde er manchmal nur so tragen, z.B. zur Gartenarbeit (na klar). Aber als Major habe er sich nie ausgegeben. „Waren Sie während der Zeit denn im Ausland gewesen? Nein? Wir haben hier aber einen Whatsapp-Verlauf vorliegen, in dem Sie angeben, im syrischen Grenzgebiet zu sein.“ (DAS war vor Gericht garantiert nicht zu verwenden. Aber da der Soldat keinen Anwalt hatte…) – „Ohja, doch, kann sein, dass ich doch mal behauptet habe im Ausland zu sein.“ Und in dem Stil war es wohl weiter gegangen. Aber natürlich war der Soldat bei der ganzen Geschichte total unschuldig gewesen. Eigentlich würde ich ihn ja nur fertig machen wollen (natürlich wollte ich das!), weil ich mit der Trennung nicht klar käme. Reaktion des Richters: „Bei allem was uns bekannt ist, ist es gut zu verstehen, dass die Frau Zeugin sauer auf sie ist.“

Natürlich wurde er auch zu seinen persönlichen Angaben befragt. Name, Geburtsdatum, Familienstand. Beruf. Ja, seit einem halben Jahr sei er wieder berufstätig. Er arbeite für eine Berliner Firma, die Spielautomaten vertreibt, als Außendienstmitarbeiter. (Na klar, und wie erledigt er diese Termine? Mit Fahrrad? Er hat doch gar keinen Führerschein.) 1600€ verdiene er monatlich. Das gleiche hatte er bei der Polizei angegeben, als man ihn zur Befragung vorgeladen hatte. Auf die Bitte des Beamten, den Namen und Kontaktdaten des Arbeitgeber zu nennen, konnte der Soldat nichts sagen. Also wohl auch gelogen. Schade, sonst hätte ich ihn pfänden lassen können.

Nach der Anhörung war schon alles klar für den Staatsanwalt und den Richter. Sie sprachen sich ab: „Eigentlich reicht das schon. Die Zeugin müssen wir gar nicht mehr anhören, oder? Ist doch alles klar. Ach, wo sie schon da ist, holen wir sich doch mal rein.“

Hier endet die Geschichte (vorerst). Ich hoffe, dass ich endlich damit abschließen kann. In ein paar Jahren werde ich den Soldaten/Betrüger vielleicht noch mal kontrollieren und gegebenenfalls den Gerichtsvollzieher erneut beauftragen. Wobei ich da wenig Hoffnung habe. Falls die Soldatenfrau irgendwann ihre blinden Augen öffnet und auf mich zukommt, werde ich ihr die Geschichte erzählen. Oder vielleicht gebe ich ihr auch nur den Link zu meinem Blog 😉

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16 Kommentare zu „Der Soldat – Gerichtsverhandlung VII – Das Urteil

  1. Oha!!! Ich hoffe für dich, das du jetzt endlich mit dem Thema abschließen kannst 🙂 . Bestraft ist er jetzt wohl erst mal genug.. Gute Idee mit dem Link zum Blog… Wäre glaub ich schon hingegangen und hätte ihr die Adresse der Seite zugesteckt *hihi*
    Hoffentlich zieht er nach seiner Strafe nicht weiter so etwas durch und lernt draus…
    Liebe grüße:)

    Gefällt 2 Personen

  2. Oha, stimmt die Bewährung… Schade, dass du nicht erfährst, wie es damit weitergeht. Verdient hat er die Zwangspause allemal, dass er etwas draus lernt, glaube ich weniger. Ich hoffe, du kannst einen emotionalen Schlussstrich unter das Geschehene setzen. Mit dem finanziellen würd ich auch noch warten und immer mal herausfinden, wie es ihm finanziell so geht. 😉

    Ich hab Mitgefühl mit seiner Frau, offenbar liebt sie ihn über alle Maßen (weshalb auch immer), sie wird evtl. sehr, sehr hart auf dem Boden der Tatsachen ankommen. Dass du das auch musstest, dafür kann sie nichts. Ich würde kein weiteres Salz in ihre Wunden reiben, auch nicht unter dem Vorsatz ihr die „Augen zu öffnen“. Sie muss und wird selbst erkennen, welche Konsequenzen sie ziehen sollte. Ihr ungefragt Details darüber aufzudrücken, wie sie von ihrem Freund und Mann betrogen wurde, wäre kein guter Stil. Damit würde ich warten, ob sie von selbst kommt und fragt. Es würde auch deine Verletzungen nicht heilen, ihr noch welche zuzufügen.

    Gefällt 4 Personen

  3. Was mach ich jetzt ohne die Soldatengeschichte? 🤔😂 nein Quatsch, gut, dass es vorbei ist! Hat ja lange genug gedauert! Und die anderen Männergeschichten sind ja auch unterhaltsam 😊 und überhaupt ist das Wichtigste, dass Du darüber hinweg kommst! Ich drücke Dir die Daumen!

    Gefällt 1 Person

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