Der Soldat – Gerichtsverhandlung V – Bundeszentralregisterauszug

Kommen wir zum Bundeszentralregisterauszug. Aktuell gibt es dort 16 Einträge zu Ihnen.“ Waaas??? Alles bekomme ich hier echt nicht mehr auf die Reihe. Angefangen 1999, da war der Soldat 16 Jahre alt: Missbrauch von Kindern. Klingt krass? Dachte ich auch. Der Vorwurf wurde allerdings fallengelassen. Meine Freundin vermutete, dass er eventuell mal was mit einer 13jährigen hatte. Kann quasi als Missbrauch ausgelegt werden. Dann Körperverletzung, auch hier wurde der Vorwurf fallengelassen. Diebstahl, Betrug, Betrug, Amtsanmaßung, Diebstahl, Erpressung, immer wieder Diebstahl und Betrug. Zunächst gab es Arbeitsstunden als Strafe, dann Bewährung, dann die ersten Haftstrafen. Hier mal drei Monate, da mal fünf Monate. Eine Freundin hatte mitgezählt: der Soldat hatte insgesamt 27 Monate im Gefängnis gesessen. Die letzte Haftstrafe hatte er im April 2015 verbüßt, ein halbes Jahr bevor wir uns kennenlernten.

Wahnsinn, ich hatte gewusst, dass er schon im Gefängnis gewesen war. Und ich hatte geahnt, dass er schon mehrfach was auf dem Kerbholz hatte. Aber in dem Maße? Damit ich hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich war schockiert. Und ich bin es immer noch.

Der Richter neigte sich zum Soldaten hinüber. „Ihre letzte Verurteilung war im Januar 2016 wegen Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis. 3 Jahre auf Bewährung, also bist 2019. Wie lange sind Sie straffrei geblieben? 3 Wochen! Das nenne ich mal eine reife Leistung.“ Irgendwie mochte ich diesen Richter. Er war so schön sarkastisch.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den Soldaten zu beobachten, wenn ich mit meiner Aussage fertig war. Wollte sehen, wie er reagierte auf die Vorwürfe und später auf das Urteil. Aber irgendwie ist das an mir vorbeigegangen. Mein Tunnelblick blieb auf den Richter gerichtet. Oder vielleicht habe ich auch einfach den Anblick des Soldaten verdrängt. Ich weiß es nicht mehr.

Worüber ich mich im Nachhinein aufrege ist der Polizist, mit dem ich letztes Jahr im März gesprochen hatte. Er hatte mir damals von einer Anzeige abgeraten, das sei Zivilrecht, die Polizei könne da nichts machen. Ich solle mich beim Dienstherrn, also bei der Bundeswehr über den Soldaten beschweren. Hallo, geht’s noch? Hätte der Beamte mal gescheit nachgeschaut, dann hätte er gewusst, dass es sich in diesem Fall keineswegs um Zivilrecht handelte. Vollidiot! Der soll mal auf meiner Behandlungsliege landen. Dann gibt’s eine Triggerpunktbehandlung vom feinsten!

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13 Kommentare zu „Der Soldat – Gerichtsverhandlung V – Bundeszentralregisterauszug

  1. ich habe solche überraschungen leider auch schon erleben müssen. da ist niemand vor gefeit. lernen sollte man daraus, dass man ein bisschen kritisch hinterfragt, bevor man sich in etwas stürzt, weil ein mensch ja so nett scheint. gerade die haben es ab und an gewaltig hinter den ohren…….

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      1. ich weiss, das ist eben halt das problem. und man mag ja nicht hinterherschnüffeln im allgemeinen. vielleicht gab es ja anfangs schon einige ungereimtheiten, und vielleicht ist es hilfreich, einfach darauf zu achten und mit dritten mal drüber zu sinnieren. ein patentrezept kann es sicher nicht geben.

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  2. Wie gut, dass Du Dir so viel Unterstützung mitgenommen hast. Dass Du das alles nicht merken konntest, ist ja klar. Junge, Junge, was ist der Soldat doch für ’ne erbärmliche Pfeife! Aber jetzt wird mir klar, warum seine Frau nicht im Gerichtssaal ist. Der steht der große Schock der Erkenntnis erst noch bevor und den will der Soldat noch hinauszögern. Der Richter gefällt mir auch zunehmend! 🙂 Kriegst Du eigentlich als Klägerin eine Abschrift vom Urteil? Vielleicht schickst Du ’ne Kopie an die Gute und legst Baldrian bei?

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    1. Ich war nicht die Klägerin 😉 nur Zeugin. Geklagt hat die Staatsanwaltschaft. Ggf hätte ich in die Nebenklage gehen können. Das hätte mich aber nur wieder Geld gekostet und mir hätte es nichts gebracht. Dass der Idiot mir das Geld zahlen muss habe ich schon schriftlich durch den Vollstreckungstitel. Aber wo nichts ist, kann ich auch nichts holen

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