Der Soldat – Gerichtstermin I – Wartezeit

Am Mittwoch war es soweit, der Gerichtstermin stand an. Ich war zu 9.20 Uhr geladen. Die Tage vorher war ich kaum nervös, zwischendurch mal ein flaues Gefühl im Magen, aber Angst? Pustekuchen. Für mich blieb es irgendwie ein Spiel, es fühlte sich so surreal an. Anzeige bei der Polizei – drei Schritte vor. Eheschließung – ein Schritt zurück. Es folgte einfach ein Schritt nach dem anderen und dieses würde wohl der letzte sein. Hoffte ich zumindest. Endlich mit dem Thema abschließen, den Kerl hinter Schloss und Riegel bringen. Moment, was ist mit meinem Geld? 30 Jahre ist mein Titel gültig… Soll ich wirklich abschließen oder doch lieber hin und wieder mal seine Verhältnisse checken (lassen) und ihn gegebenenfalls pfänden lassen. Vermutlich ist das sowieso aussichtslos.

Um kurz nach neun war ich am Gericht. Mittlerweile war meine moralische Unterstützung auf fünf Personen angestiegen. Naja, eigentlich nur drei Freundinnen, aber zwei davon sind schwanger, deswegen zählen die doppelt. Während ich vor dem Gerichtsgebäude auf die Mädels wartete, sah ich den Mistkerl am Fenster stehen. Mit dem Rücken zu mir. Ob er mich gesehen hatte kann ich nicht sagen. Aber er war tatsächlich gekommen. Mein Bauchgefühl hatte mich also getäuscht. Ich war davon ausgegangen, dass er sich vor dem Termin drücken würde. Aber nein, er war wirklich da. Und jetzt ging auch mein Puls hoch! Etwas flau war mir sowieso schon gewesen. Zum Frühstück hatte ich nur einen Joghurt gehabt, mehr passte nicht rein. Hoffentlich unterzuckerte ich nicht.

Durch die Tür in die Schleuse. „Warum sind Sie hier?“ – „Zur Zeugenaussage.“ Taschenkontrolle. Drin! Vor dem Gerichtssaal saßen etliche Leute, wahrscheinlich die Zeugen der laufenden Strafverhandlung (Anmerkung: es sollten drei Strafsachen verhandelt werden, 9.00Uhr, meine um 9.20 Uhr und um 10.00). Und der Soldat/Vollidiot/Betrüger/Angeklagte saß auch da. Kein Sitzplatz für mich! Egal, da hätte ich mich eh nicht zu gesetzt. Ich blieb also mit meinen Mädels stehen, aber ums Eck, sodass er mich nicht sehen konnte.

Wir plauderten, redeten über die Schwangerschaft, von der Party des letzten Wochenendes, Sport, Reiten, dies und das. Wir lachten, wir hatten Spaß. Als wenn nichts wäre! Das alles in normaler Lautstärke. Der Soldat wird mich wohl gehört haben, wusste, dass ich da war. Die Zeit verging. 9.20 Uhr kam und ging. Die Zeugen wurden nach und nach aufgerufen, obwohl laut Zeitplan die Verhandlung schon längst abgeschlossen hätte sein müssen. 9.45 Uhr und die Protagonisten des nächsten Verfahrens trafen ein. Wenn ich meine moralische Unterstützung nicht dabei gehabt hätte, ich wäre gestorben vor Angst. Letztendlich hatten wir 40 Minuten Zeitverzug. 40 Minuten alleine dort warten, wer weiß ob der Idiot mich doof angemacht hätte. Wie gut, dass meine Mädels dabei waren.

Um Punkt 10 Uhr wurde unsere Verhandlung aufgerufen. Meine Freundinnen verschwanden im Gerichtssaal, ich blieb draußen, ich musste warten, bis ich separat aufgerufen wurde. Endlich war ein Sitzplatz frei. Den hatte ich auch bitter nötig, denn jetzt zitterten meine Knie und mein Puls schlug heftig.

 

 

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