Der Soldat – Schweigepflicht?

Regelmäßig stellen mir meine Patienten Fragen zu anderen Patienten. „Was hatte die Dame von vorhin? Die lief so komisch.“ – „Sie behandeln doch meinen Schwager, oder? Weswegen eigentlich?“ Meine Antwort lautet in der Regel: „Dazu darf ich Ihnen nichts sagen, ich unterliege der Schweigepflicht.“

Ein ähnliches Gespräch hatte ich letzte Woche und schlagartig wurde mir bewusst, dass ich ja wirklich der Schweigepflicht unterliege. Verdammt, wie verhält sich das eigentlich vor Gericht? Immerhin war der Soldat ja mein Patient gewesen, zumindest ursprünglich. Hatte ich ihn überhaupt anzeigen dürfen? Denn schon allein mit der Angabe, dass ich ihn in Uniform und bei der Arbeit kennengelernt hatte, hatte ich meine Schweigepflicht gebrochen. Konnte man mich jetzt deswegen belangen?

Ich suchte im Internet, fragte im Physio-Forum nach, inwiefern ich meine Schweigepflicht brechen oder umgehen durfte. Die einstimmige Antwort war: du darfst nichts sagen, nimm dir einen Anwalt. Außerdem wurde noch folgender Gesetzestext gepostet:

„Strafgesetzbuch (StGB)
§ 203 Verletzung von Privatgeheimnissen
(1) Wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als

1.
Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker oder Angehörigen
eines anderen Heilberufs, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert, ……….
anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Na super, das erschreckt mich doch sehr. Aber deswegen jetzt, so kurz vor dem Prozess einen Anwalt konsultieren? Das war zeitlich kaum noch möglich. Ich wählte den einfacheren Weg; ich rief beim Staatsanwalt an. Er sollte ja ein Interesse daran haben, dass die Belastungszeugin – also ich – auch wirklich aussagen würde. Nach dem man mich drei mal hin und her verbunden hatte, landete ich schlussendlich bei einer Staatsanwältin. Ich schilderte ihr mein Problem und fragte nach, ob man mich nicht von meiner Schweigepflicht entbinden könne. Und ob ich so was irgendwo beantragen müsse. „Äh ja hm, das weiß ich auch nicht. Die Akte ist mittlerweile auch schon geschlossen und liegt bei Gericht. Am Besten fragen Sie da nach.“

Im Fernsehen wirken die Staatsanwälte irgendwie taffer… Ich rief im Gericht an, sprach mit der Sekretärin des Richters. Sie wirkte wirklich kompetent, versprach mir, sich bei dem Richter schlau zu machen. Ich sollte mich später noch mal melden. Zwei Stunden später rief ich noch mal an und die Frau Sekretärin erklärte mir, dass ich mir keine Sorgen machen solle: „Sie haben in diesem Fall weder Schweigepflicht noch Schweigerecht. Sie müssen aussagen.“

Dann ist ja gut.

5 Kommentare zu „Der Soldat – Schweigepflicht?

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