Der Soldat – Facebook

Diesen Beitrag schreibe ich heute, eine Woche vor dem Gerichtstermin. In einer Woche um diese Zeit sitze ich hoffentlich mit einer Freundin zusammen und trinke Sekt. Sie hat sich extra Urlaub genommen um mich zu begleiten.

Ich schreibe diesen Text um noch mal meine Gedanken zu sortieren und euch auf den neuesten Stand zu bringen. Veröffentlichen werde ich ihn aber erst nächste Woche, wenn alles gelaufen ist. Falls der Soldat mitlesen sollte, möchte ich ihn nicht warnen. Außerdem glaube ich nicht, dass ich nächste Woche die Zeit und die Nerven habe darüber zu berichten, was mir heute im Kopf herumspukt. Dann kann ich besser heute alles runtertippen und nächste Woche quasi live berichten.

Ich gebe den Namen des Soldaten regelmäßig in Internetsuchmaschinen ein, kontrolliere sein Facebookprofil und schaue nach, ob er vielleicht doch Insolvenz angemeldet hat. Ich habe das Gefühl, dass ich auf dem Laufenden bleiben muss, was ihn betrifft. Wissen ist Macht! Außerdem wunderte es mich, dass es auf seinem Profil so wenig Veränderungen gab in letzter Zeit. Im Gegensatz zu Whatsapp, wo er doch stetig sein Profilbild wechselte. Überhaupt interessant, dass ich das sehen kann – obwohl ich ihn blockiert habe. Er hat mal ein Bild von seinem Sohn drin, dann ein Foto von einem amerikanischen Oldtimer. Wieder ein Foto von seinem Kind. Und dann ein Bild von einem Mercedes. S-Klasse? Ich kenne mich da nicht so gut aus. Sah auf jeden Fall teuer aus. Die Bilder von den Autos waren keine gewöhnlichen Werbeaufnahmen aus dem Internet. Eher private Fotos: der Oldtimer stand vor der Garage, der Mercedes vor einem Haus. Das Ganze machte mich misstrauisch. Welches Spiel spielte er hier wieder? Seine Autos waren das ganz sicher nicht, dazu hat er ja gar kein Geld und – genauso gravierend – gar keinen Führerschein.

Also recherchierte ich intensiver. Mir fiel ein, dass er mir mal eine Email geschickt hatte, in der er einen Spitznamen für sich verwendete. Also gab ich den Namen bei Facebook ein – und wurde fündig. Zwei Treffer: 1.) Foto von einem mir unbekannten Mann, Fotograf von Beruf. 2.) Kein Profilbild, Arbeitgeber Luftwaffe, letzte Schule Offiziersschule in Hamburg. Oh mann, das war eindeutig. Ich konnte auf die Fotos zugreifen und tatsächlich: Fotos von „meinem“ Soldaten und seinem Sohn.

Wie doof ist der Kerl eigentlich? Er muss doch wissen, dass er aktuell im Fokus der Polizei steht? Das Profil hat er im Oktober erstellt, da hatte ich noch keine Anzeige erstattet. Warum hat er das nicht gelöscht, nachdem er die Post von der Polizei bekommen hat? Er scheint sich ja sehr sicher zu fühlen. Aber gut. Das soll nicht mein Problem sein, viel mehr spielt mir das in die Karten.

Der Staatsanwalt hatte mich Anfang des Jahres nach Beweisen gefragt: Wie und in welcher Form hatte sich der Soldat als ebendieser ausgewiesen? Hatte ich Fotos oder schriftliche Dokumente von ihm? Nein, damals hatte ich sie nicht. Jetzt schon!

Ich hatte diese Information an die Polizei weitergeleitet, direkt abends, nach dem ich das Profil entdeckt hatte. Als ich nach ein paar Tagen immer noch keine Rückmeldung bekommen hatte und auch den zuständigen Beamten telefonisch erreichen konnte, telefonierte ich selbst mit der Staatsanwaltschaft. Man war dort sehr interessiert und bat mich darum, Screenshots zu schicken.

Mittlerweile habe ich auch Rückmeldung durch die Polizei. Es ist nicht strafbar sich im Internet als Soldat der Luftwaffe oder sonstiges auszugeben, solange man keinen akademischen Titel verwendet. Von daher sei das Facebookprofil nicht zu verwenden. Naja, das wollen wir mal sehen. Auch wenn das nicht strafbar ist, so stützt es doch meine Aussage.

4 Kommentare zu „Der Soldat – Facebook

    1. …oder der Text stammt von letzter Woche und es ist schon ganz richtig so, dass er jetzt lesbar ist…? m) Falls das der Fall ist und heute der Gerichtstermin ist, drücke ich Dir alle verfügbaren Daumen!

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