Der Pole – Hochzeit

Jaja, ich weiß, der Titel ist irreführend. Natürlich haben der Pole und ich nicht geheiratet. Meine Freundin und der Arbeitskollege des Polen machten das perfekt, was er und ich in den vergangenen Jahren nicht mal ansatzweise geschafft hatten.

In den Monaten vor der Hochzeit überlegte die Braut immer wieder, ob sie den Polen beim Essen neben mir platzieren sollte („Untersteh dich“), er kannte doch kaum jemand von den Gästen („Der kommt schon klar“).

Ich hatte den Polen in der Kirche während der Trauung gesehen, aber er saß auf der anderen Seite der Kirche. Die Trauung war schön, die Braut sah toll aus! Nach der Messe, den Gratulationen, den schönen Worten, ging es weiter zum Lokal, wo gefeiert werden sollte. Kaffee trinken, Fotos machen mit dem glücklichen Paar, Sitzplätze suchen (zum Glück, nicht neben dem Polen), essen. Bis dahin war ich ihm gut aus dem Weg gegangen, oder formulieren wir es mal anders: ich bin nicht auf ihn zugegangen. Ich unterhielt mich mit meinen Freunden und er sich mit anderen Leuten. Wir liefen uns nicht direkt in die Arme und waren somit nicht gezwungen miteinander zu reden.

Ohje, das klingt, als wenn wir uns partout nicht leiden könnten, als wenn wir zerstritten wären. Nein, das waren wir nicht. Aber ich wusste ja, dass wir uns einfach zu gut verstanden, dass das letztendlich aber zu nichts führen würde. Und diese Enttäuschung wollte ich mir einfach ersparen.

Es wurden Reden gehalten, Spiele gespielt, Toasts ausgesprochen. Das Essen war gut und danach brauchten wir alle mal frische Luft, weil es doch recht warm war. Und draußen lief ich dann doch noch dem Polen über den Weg. „Ach, hallo. Ich habe dich die ganze Zeit gar nicht gesehen“, beteuerte er (jaja, wer’s glaubt). „Tolles Kleid hast du da an.“ Danke, fand ich auch.

Wir unterhielten uns. Obwohl wir uns seit knapp einem Jahr nicht mehr gesehen hatten, waren wir uns unheimlich vertraut. Er erzählte mir, dass er mit dem Rauchen aufgehört hatte. Die Zigarette, die er in der Hand hielt, war die erste seit Wochen (wie konsequent). Außerdem hatte er gekündigt (endlich!). Aktuell machte er ein Praktikum in der Firma eines Bekannten mit der Chance übernommen zu werden. Dann müsste er sich definitiv auch um eine neue Wohnung kümmern, denn die Firma war in einer anderen Stadt und zu weit entfernt zum Pendeln. Das gefiel mir nicht. Wenn uns bisher räumlich 60km trennten, so würden es dann über 150km sein. Aber eigentlich trennte uns ja viel mehr als das.

Immer wieder suchte er an diesem Abend meine Nähe. Wenn ich mich kurz setzte um meine Füße hochzulegen, setzte er sich zu mir. Wenn ich an die frische Luft ging benötigte er eine Raucherpause. Wo ich war, war er auch.

Irgendwer hatte mir die Seifenblasenpistole in die Hand gedrückt und der Pole wollte sie gern haben. Nö, ich wollte sie aber nicht abgeben. Und so balgten wir uns wie die Kinder um die Seifenblasenpistole. Dabei kamen wir uns sehr nahe und der Pole versuchte mich zu küssen. Ich konnte noch schnell genug das Gesicht wegdrehen, was meine Mädels amüsiert beobachteten. Der Trauzeuge des Bräutigams sagte mir später, dass der Pole und ich doch sooo ein schönes Paar wären.

Ja, wären wir – Konjunktiv.

 

Ein Kommentar zu „Der Pole – Hochzeit

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