Peter – Wiedersehen

Tatsächlich hatte Peter sich nie wieder bei mir gemeldet – was nicht bedeutet, dass wir uns seitdem nicht mehr gesehen haben. In der ersten Zeit sahen wir uns mal aus der Ferne, oder vielmehr sah ich ihn. Ob er mich bemerkte weiß ich nicht. Ich sah ihn mal auf einer Party mit einem Mädel im Arm. Da wollte ich natürlich nicht hingehen, um „Hallo“ zu sagen.

Dann sah ich ihn eine lange Zeit wirklich nicht mehr. Lang = bestimmt zwei Jahre. Auf einer Party (ihr müsst den Eindruck haben, dass ich ein ziemliches Feierbiest bin) traf ich zufällig einen guten Freund von ihm und sprach ihn an: „Du, lebt der Peter eigentlich noch? Hab ihn schon ewig nicht mehr gesehen.“ Sein Kumpel grinste: „Tja, der ist ja jetzt Papa.“ What??? Ich hätte ja mit allem gerechnet – weggezogen, schwer krank, verstorben, irgendwas – aber nicht, dass er VATER werden könnte. Das würde ja bedeuten, dass er sowas wie Verantwortung übernehmen müsste, was wiederum bedeutete, dass er erwachsen würde! Peter? Niemals! Doch, erklärte mir sein Freund: Peter hatte geheiratet, ein Haus gekauft und ein Kind bekommen. Also, seine Frau. Nicht Peter.

Ich war baff. Sein Freund erzählte mir weiter, dass Peter seitdem echt ruhig geworden sei. Wenn er früher bis drei Uhr nachts sich auf irgendwelchen Bauernpartys rumtrieb um danach noch bis sechs Uhr morgens in der Disco weiterzufeiern, war er nun brav um 20.00 Uhr zu Hause bei Frau und Kind. Er hatte eine 180°-Wendung hingelegt. Damit hatte wohl niemand gerechnet.

Letztes Jahr auf Schützenfest traf ich Peter dann wieder. Über vier Jahre waren seit dem letzten Mal vergangen. Er bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmassen in Richtung Theke und musste dabei an mir vorbei. Ich grüßte freundlich und er erstrahlte. „Hi, wie schön dich zu sehen. Wir haben uns ja ewig nicht gesehen.“ Blablabla. „Ich finde es ja voll toll, dass du mich hier einfach so ansprichst. Du bist mir die letzten Jahre ja immer aus dem Weg gegangen.“ Ach echt? Ich hatte eher den Eindruck, dass er die letzten Jahre einfach nicht mehr aus dem Haus ging. Egal, sei’s drum.

Wir unterhielten uns, er zeigte mir Fotos von seiner Tochter, erzählte mir, wie toll doch das Leben als Familienvater sei. Und dann kam die unweigerliche Frage: „Und? Was macht die Liebe bei dir so?“ Ich schluckte. Zu dem Zeitpunkt hing ich etwas in der Luft. Damals liebte ich den Soldaten, wusste noch nicht, was für ein Vollidiot er ist. Damals war er angeblich todkrank. Ich fing an die Geschichte Peter zu erzählen. Irgendwann drehte er sich wortlos um und bestellte uns erstmal einen Schnaps. Genau das Richtige! „Ich habe dich ja schon scheiße behandelt… Aber DAS hast du echt nicht verdient.“ Also einen krebskranken Freund an meiner Seite. Ich wusste ja nicht, was noch danach kommen  würde. Peter diskutierte mit mir das Ganze aus. Ob ich mir wirklich meine Zukunft mit einem kranken Mann vorstellen könne? Ich würde doch auch sicher Familie haben wollen. „Vergiss den Typen und such dir jemand, mit dem du eine glückliche Zukunft haben kannst!“ Wow, so vernünftige Worte aus dem Mund von Peter!

Spät nachts – oder früh morgens – war die Party zu Ende. Peter begleitete mich noch ein Stück nach Hause. Natürlich, man lässt eine junge Frau auch nicht allein nach Hause laufen. Auf einmal nahm er mich in den Arm: „Ich liebe meine Frau zwar über alles, aber jetzt würde ich gerne mit dir vögeln!“

Pfui, manche Männer ändern sich wohl nie!

9 Kommentare zu „Peter – Wiedersehen

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