Peter – Wegzug

Peter und ich trafen uns weiterhin, immer mal wieder. Mal rief er nachts an und holte mich ab, manchmal meldete ich mich und fuhr zu ihm. Meine Eltern hätten Stress gemacht, wenn er morgens bei uns am Frühstückstisch gesessen hätte. Oder wir trafen uns zufällig auf einer Party und verbrachten dann die Nacht zusammen. Hin und wieder trafen wir uns auch einfach so zum DVD gucken, ohne dass Alkohol im Spiel war.

Irgendwann schloss ich mein Studium ab und ich suchte mir eine Stelle als Physiotherapeutin. Damals war der Arbeitsmarkt noch nicht so gut wie heute. Außerdem hatte ich gewisse Ansprüche (Gehalt! Und kein Hungerlohn!). So entschied ich mich für eine Stelle in einer Praxis, die 80km von meinem Elternhaus entfernt war. Natürlich wollte ich bei meinen Eltern ausziehen, endlich auf eigenen Beinen stehen. Jeden Morgen eine Stunde fahren und abends auch, das wollte ich nicht. Und so plante ich meinen Umzug. Meine Freunde und Peter wussten selbstverständlich Bescheid. Meine Freunde waren nicht begeistert, dass ich so weit weg ziehen würde. Peter hingegen wünschte mir alles Gute – was mich enttäuschte. Hatte ich doch gehofft, dass er ähnlich reagieren würde, wie meine Freunde; dass er es schade finden würde, dass ich wegziehe. Doch viel mehr klang es gleichgültig und wie ein Abschied. So langsam fand ich mich damit ab, dass es zwischen uns nichts mehr werden würde. Ich versuchte auf Abstand zu bleiben.

Ein paar Wochen bevor der Umzug dann tatsächlich stattfand, blieb ich an einem Samstagabend ausnahmsweise mal zu Hause und ging früh zu Bett. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass Peter sich nachts bei mir melden würde und so schaltete ich mein Handy einfach aus. Ich schlief wunderbar – bis es an der Haustür klingelte. Wenn es um meinen Schlaf geht, bin ich sehr gut darin, nicht zu reagieren. Also: umgedreht und weitergeschlafen (das funktioniert auch prima wenn der Wecker klingelt, bei Gewitter und auch wenn der Feuermelder Alarm schlägt. Letzteres habe ich zum Glück nur bei einem Fehlalarm erlebt). Was währenddessen passierte (man erzählte mir am nächsten Tag davon): Meine Mutter war natürlich von der Haustürklingel wachgeworden und taperte schlaftrunken zu Tür. Dort stand ein junger Mann. „Hallo, ich bin Peter. Ist Somi da?“ Meine Mutter hätte eigentlich wissen sollen, dass ich im Bett lag, reagierte aber (unbewusst) perfekt: „Nein, die ist nicht da. Was willst du von ihr?“ Peter wirkte unschlüssig: „Ich wollte ihr alles Gute für den neuen Job wünschen.“

Später wurde ich noch mal wach, weil ich Stimmen im Flur hörte. Mein Bruder unterhielt sich mit irgendwem. Mir kam das alles merkwürdig vor und ich schaltete mein Handy ein. Oha, Anrufe in Abwesenheit von Peter.  Mich hatte mein Bauchgefühl also nicht getäuscht. Und schon wieder rief Peter an. Er war es, der mitten in der Nacht bei uns geklingelt hatte („Ich hoffe, dass du jetzt keinen Ärger mit deiner Mutter bekommst.“), hatte dann auf den Treppenstufen gesessen und auf mich gewartet. Mein Bruder hatte ihn dann gefunden, als er sich was zu trinken holen wollte (die Stimmen im Flur). Ob ich nicht rauskommen könnte? Nö, in meinem Bett war es grad so kuschelig warm. Ob er dann raufkommen dürfte? Gott bewahre, meine Eltern würden mir den Kopf abreißen. Ich blieb hart und schickte ihn weg.

Aber dieses Gespräch weckte wieder Hoffnung in mir, dass er in mir vielleicht doch mehr sah als eine Bettgeschichte.

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