Der Betriebswirt – Die Trennung

Ich wusste selbst nicht, was ich von meinem Verhalten, von meinem Seitensprung halten sollte. Ich war bis dato immer das liebe Mädchen gewesen, welches Fremdgehen und Betrügen verurteilt hatte. Ich glaubte an die wahre Liebe, an die Ehe, ans Happy-End mit Zuckerguss und Glitzer-Konfetti. Oder so ähnlich.

Ich hatte das Gefühl nicht mehr Ich zu sein, wusste nicht was los war. Rein kopfmäßig war ich mit dem Betriebswirt zusammen und wollte diese Beziehung auch. Aber mein Herz sagte ja scheinbar schon länger was anderes, auch wenn es mir bis zum Seitensprung mit Peter nicht bewusst war. Doch wie sollte ich jetzt handeln? Ich erzählte oder beichtete dem Betriebswirt erst einmal gar nichts. Stattdessen beobachtete ich ihn und mich. Ich kam mir vor wie eine dritte Person in unserer Beziehung, die jeden Schritt analysierte. Liebte ich ihn? Oder war es nur Zuneigung? Was genau mochte ich an ihm und was störte mich?

Letztendlich zog sich diese „Analyse“ über 2-3 Wochen. In dieser Zeit hatte ich Geburtstag, an den ich mich überhaupt nicht erinnern kann. Ich weiß nur noch, dass ich vom Betriebswirt zwei Karten für das Musical „Tanz der Vampire“ geschenkt bekam.  Gar nicht schlecht, war ich doch damals total im Vampir-Fieber dank Edward und Bella. Kurze Zeit darauf ging es auch schon nach Oberhausen zum Musical. Wir bummelten erst an der Promenade entlang auf der Suche nach einem Restaurant, welches uns beiden gefiel. Der Betriebswirt war fassungslos wie viele Leute dort unterwegs waren. „Wahnsinn, was hier ein Volk auf den Beinen ist.“ Ja, normal in einer Großstadt. War der eigentlich nie aus seinem Kuhdorf rausgekommen?

Wir entschieden uns übrigens für das Pfannkuchenhaus. Ich wäre eigentlich lieber zum Mexikaner gegangen, aber der Betriebswirt aß nicht so gern scharf… es hätte bestimmt auch weniger scharfes Essen gegeben, aber was soll’s – Pfannkuchen waren auch okay. Ich nahm einen gefüllten Pfannkuchen mit Champignons, Käse und Schinken (glaube ich). Der Betriebswirt war skeptisch: „Und das schmeckt? Zu Hause essen wir Pfannkuchen immer mit Zimt und Zucker.“ Genau so bestellte er seinen Pfannkuchen auch im Restaurant. Ganz ehrlich: dafür muss ich nicht ins Pfannkuchenhaus gehen. Wat de boer niet kent, vreet hij niet.

Das Musical war okay. Ich war nicht so begeistert, nicht so gefesselt wie bei König der Löwen. Es waren ein paar gute Titel dabei, aber die Melodien waren nicht so gängig. Ich weiß nicht, ob es wirklich an dem Musical lag, oder vielmehr an meiner Begleitung. Aber an diesem Abend wurde mir immer deutlicher, dass ich den Betriebswirt nicht liebte und dass ich keine Beziehung (mehr) wollte. Das „rutschte“ mir am nächsten Morgen raus, noch vor dem Frühstück. Der Zeitpunkt war natürlich mehr als unglücklich. Ich erklärte ihm, dass ich ihn nicht genug liebte, dass wir nicht zusammen passten und was man halt so sagt. Und – ohje – er kämpfte um mich. Ihm sei es egal, dass er mich mehr liebte als ich ihn, Hauptsache wir waren zusammen. Was hatte das denn mit Liebe zu tun? Dass bei dieser Denkweise jemand auf der Strecke blieb – nämlich ich – schien ihm egal zu sein. Er kämpfte wirklich um mich, was mich schon wieder nervte, also holte ich meinen Trumpf raus und ich gestand meinen Seitensprung.

Jaaaa, ich weiß, das war nicht schön, das war nicht nett. Aber das liebe, nette Mädchen gab es nicht mehr. Jetzt war ich die böse, betrügende Frau. Und es war mir egal. Ich war aus der Beziehung raus, ich war ehrlich gewesen und der Betriebswirt war zwar verletzt, machte sich aber nicht unnötig Hoffnung auf ein „Revival“.

Wir haben uns übrigens ein paar Wochen nach der Trennung noch mal getroffen um uns auszusprechen. Er wollte wissen, ob ich den anderen liebte (nee, zu dem Zeitpunkt noch nicht) und ob der Sex mit ihm, also dem Betriebswirt, so schlecht gewesen sei, dass ich mir einen anderen suchen musste. In seinen Augen war mein Seitensprung auch der einzige Trennungsgrund gewesen; er hatte auch jedem erzählt, dass er sich aus diesem Grund von mir getrennt hatte. War mir egal; wenn es ihm damit besser ging, sollte er das doch rumerzählen.

Mittlerweile ist der Betriebswirt übrigens verheiratet. Seine Frau ist eine ganz Nette. Ich lernte sie irgendwann durch Zufall auf einer Party kennen und wir verstanden uns super. Der Betriebswirt wäre fast in Ohnmacht gefallen, als wir – typisch Mädchen – gemeinsam zur Toilette gingen. Seitdem habe ich die beiden nicht wieder gesehen. Manchmal frage ich mich, was er so macht, aber wirklich interessieren tut’s mich nicht.

 

(Oh je, was habt ihr jetzt für einen Eindruck von mir?! Vielleicht war der Soldat die Strafe für das, was ich dem Betriebswirt angetan habe… manchmal glaube ich wirklich an Karma.)

15 Kommentare zu „Der Betriebswirt – Die Trennung

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