Der Betriebswirt – Aktionismus

Der Betriebswirt verfiel in Aktionismus: Alles neu macht der Mai, oder vielmehr der Dezember. Ich weiß nicht, ob wirklich ich der Auslöser war, aber irgendwie hatte ich den Eindruck. Kaum waren wir zusammen, kaufte er sich ein neues Auto. Aus dem alten Schweden wurde ein neuer Volvo. Na klar, wer so eine tolle Freundin wie mich hatte, brauchte auch ein schickes Auto. (Ich fühlte mich geehrt!)

Dann kaufte der Betriebswirt sich ein neues, größeres Bett. Das war ja auch dringend nötig! An Stelle des 90cmx2m-Bettes mit hohem Fußteil (oder wie heißt das Ding am Ende des Bettes?) stand nun ein offenes 1,40x2m-Bett. Jetzt musste der Betriebswirt nicht mehr eingerollt schlafen, sondern konnte sich quasi diagonal ausbreiten. Oder einfach die Füße aus dem Bett hängen lassen. Sogar zu Zweit passten wir mehr oder weniger bequem ins Bett. Eher weniger – ich fand die Matratze recht hart.  Ja, ich weiß, ich habe immer was zu meckern.

Wenig später – wir waren gerade erst ein paar Wochen zusammen – schaute der Betriebswirt mich nachdenklich an. „Was hältst du davon, wenn wir zusammenziehen?“, fragte er. Ich muss total schockiert ausgesehen haben, denn er relativierte seine Frage direkt: „Also nicht jetzt, sondern später irgendwann.“ Ja, später irgendwann könnte man sich da Gedanken darüber machen – vielleicht. Aber jetzt schon darüber nachzudenken, darüber zu sprechen – das war mir viel zu früh. Wir kannten uns doch kaum oder gerade erst. Außerdem war ich noch mitten im Studium, wohnte in einer WG in Holland und konnte deswegen noch überhaupt keine größeren Pläne für meine Zukunft machen. Ja, ich würde im Sommer aus der Wohngemeinschaft ausziehen, da es im nächsten Studienjahr ins Praktikum ging. Aber weder hätte ich dann Geld für eine eigene Wohnung, noch wusste ich, wo ich die Praktika absolvieren würde. Und wer wusste, wo ich einen Arbeitsplatz nach dem Studium bekommen würde?

Nein, für eine gemeinsame Wohnung war es definitiv zu früh. Mir war es auch viel zu früh darüber nachzudenken. Ihm scheinbar nicht. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass hier was schief lief.

6 Kommentare zu „Der Betriebswirt – Aktionismus

  1. Hallo liebe somi1407..
    Ich habe gestern deinen Blog entdeckt und mir jeden Beitrag von Anfang bis Ende durchgelesen… Habe gestern Abend angefangen… Heute in jeder Pause, vor der Arbeit und nach der Arbeit gelesen… Ich konnte mich kaum mit was anderem beschäftigen…

    KRASS!!! WAS FÜR EIN EKELHATER TYP DER SOLDAT IST!

    Ich hoffe, dass er seine Strafe sehr bald und sehr hart bekommt!! Ich drücke dir die Daumen. Das ist ja wirklich einfach nicht zu fassen was da passierte….

    Ich wünsche dir erstmal gute Besserung, falls du noch nicht wieder fit bist und alles Gute! Auch du wirst den richtigen noch finden!

    Ich bin dir dankbar, dass du uns so teilhaben lässt und bewundere deinen Stärke!!

    Fühl dich mächtig umarmt! ❤

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    1. Wow, da warst du aber gut beschäftigt 😉 Der Staatsanwalt ist mittlerweile aktiv und ich warte noch auf Rückmeldung. Ich fürchte, dass sich das noch zieht. Ich werde berichten.
      Mir geht es mittlerweile besser. Meine Stimme klingt mittlerweile nur noch, als wenn da zu viel Whiskey im Spiel war 😉 Danke fürs Lesen!

      Gefällt 1 Person

      1. Danke fürs Schreiben. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung…. Ich fühle mich gerade wie eine gute Freundin die das miterlebt hat. Verrückt wie gut du das geschrieben hast. Klingt krank, aber ich fühle mich nah bei deiner Geschichte, auch wenn ich weit weg bin. 😁

        Gefällt 2 Personen

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