Der Soldat – Ingewikkeld

Im Niederländischen gibt es ein sehr schönes Wort: ingewikkeld, das bedeutet kompliziert. Oder vielschichtig, auch ein schönes Wort im Deutschen.

Die Geschichte mit dem Soldaten ist sehr ingewikkeld. Mir kommt es vor wie eine Zwiebel, die außen eine unschöne Stelle hat. Schicht für Schicht schäle ich die Zwiebel, in der Hoffnung, dass die nächste Schicht gut ist, doch letztendlich stellt sich heraus, dass die gesamte Zwiebel verdorben und faul ist.

Eine Woche nachdem ich den Soldaten angezeigt hatte, schlug mir Facebook einen neuen Freund vor. Das ist natürlich nichts Ungewöhnliches, aber diesen potentiellen neuen Freund kannte ich absolut nicht. Normalerweise werden einem doch nur Leute vorgeschlagen, mit denen man gemeinsame Freunde hat oder die im gleichen Ort wohnen, oder sonst was gemein hat. Diese Person hatte aber so gar nichts mit mir zu tun. Dachte ich. Dennoch schaute ich mir das Profil genauer an, denn das Foto machte mich neugierig. Auf dem Bild war ein Minion zu sehen. Ihr wisst schon, diese kleinen gelben Figuren, die aussehen wie das Innenleben eines Überraschungs-Eis. Genau dasselbe Bild hatte der Soldat bis vor ein paar Wochen bei Whatsapp als Profilbild gehabt. Schon ein komischer Zufall, zumal der Soldat und die mir vorgeschlagene Person denselben Vornamen trugen.

Mein Bauchgefühl sagte mir direkt, dass dieses Facebook-Profil dem Soldaten gehörte. Gleicher Vorname, gleiches Profilbild und dasselbe Geburtsdatum. Diesmal hörte ich auf meinen Bauch. Der Lebenslauf des Mannes war beeindruckend. Er kam gebürtig aus Hamburg (ach!), hatte Medizin studiert in Münster, also dort – scheiß auf Datenschutz! – wo der Soldat wegen seines Magenkrebses behandelt wurde. Danach hatte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Heidelberg gearbeitet. Und dann war er im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg tätig gewesen (schon wieder Bundeswehr!). Nun arbeitete er in Münster am Uniklinikum.

Diese Vita schrie förmlich nach „meinem“ Soldaten. Um mich weiter zu vergewissern, googelte ich den Namen dieses Mannes. Dabei stieß ich auf eine Hotelbewertung, die er abgegeben hatte. Dasselbe Hotel hatte auch der Soldat bewertet. Der Mediziner hatte übrigens die gleiche schlechte Rechtschreibung wie der Soldat. Muss man nicht ein Einser-Abi haben um Medizin zu studieren? Mit der Rechtschreibung gibt’s bestenfalls ein Ausreichend in Deutsch.

Dann habe ich auf der Homepage des Uniklinikums umgesehen. Über die Suchfunktion habe ich herausgefunden, dass es keinen Angestellten mit dem Namen des vermeintlichen Mediziners gibt. Mein Bauchgefühl hatte also Recht gehabt. Dieser Mann war Fake und zu 99% war das der Soldat/Betrüger. Ich gehe davon aus, dass Facebook mir dieses Profil vorgeschlagen hat, da ich seine Handynummer im Handy gespeichert habe… Datenschutz und sowas existiert ja nicht wirklich.

Ich rief bei der Polizei an und ließ mich mit Herrn Alt verbinden, der eine Woche zuvor die Anzeige aufgenommen hatte. Er erklärte mir, dass sein Kollege (leider nicht Herr Jung) den Fall übernommen habe und verband mich durch. Muss mir mal kurz einen Namen für den neuen Beamten ausdenken… Wie wäre es mit Herr Neu?! Also gut, Herr Neu nahm das Gespräch entgegen und ich erzählte ihm die Geschichte mit dem Mediziner aus Münster und meinem Verdacht. Herr Neu zeigte sich interessiert. Irgendwie kam mir der Name des Beamten bekannt vor. Doch woher nur?

Herr Neu erzählte mir, dass er bereits die Unterlagen vom Hotel angefordert hatte, welches der Soldat im Internet bewertet hatte. Außerdem sagte er, dass er den Soldaten bereits zur Befragung vorgeladen habe. Das wusste ich ja bereits, der Soldat hatte mir ja eine Nachricht geschickt. Allerdings könne die Befragung erst in der folgenden Woche stattfinden, da der Soldat arbeiten müsse. Aaaach, er arbeitete? Seit wann? Und wo? Dann könnte ich ihn ja doch pfänden lassen! Doch Herr Neu wiegelte ab: „Ich glaube ihm übrigens nicht, dass er wirklich arbeitet.“ Die Stimme des Beamten kam mir ebenfalls bekannt vor und plötzlich fiel mir ein, woher ich ihn kannte: „Herr Neu, kann es sein, dass Sie mal Nackenprobleme hatten? Ich glaube, dass ich Sie mal behandelt habe.“

Ich konnte durch das Telefon fast sehen, wie Herr Neu erstaunt schaute: „Ja, genau“, sagte er. „Dann habe ich zu dem Namen auf der Anzeige auch ein Gesicht. Machen Sie sich keine Sorgen: Mein Nacken war bei Ihnen in guten Händen. Und Ihr Fall ist bei mir in guten Händen.“

 

 

12 Kommentare zu „Der Soldat – Ingewikkeld

  1. Ich hatte mal einen Ex, der hat auch ständig immer neue Profile angelegt. Der größte Witz aber war, dass mal jemand sein Bild für ein eigenes Fake verwendet hat.

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  2. Toller Cliffhanger hier…! 🙂
    Manchmal scheint FB auch nützlich zu sein. Es sei denn, Dir werden jetzt sämtliche Soldaten, Mediziner und Fälle aus „Vorsicht Falle“ als Freunde vorgeschlagen. 🙂

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  3. Der Soldat ist nicht nur blöd, er ist auch noch dumm.
    Aber versprich dir nicht zuviel, in Deutschland geht es danach, wie hoch der entstandene Schaden ist. Wenn er durch diesen Fake keinen Schaden generiert, passiert gar nix.

    Der Betrug bleibt allerdings ein Delikt.

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