Der Altenpfleger – Flirtereien

Seitdem ich den Altpfleger kannte, waren meine Arbeitstage weniger trist und öde. Oh Gott, das klingt hart. Mein Beruf macht mir Spaß, keine Frage! Aber ich verabscheue dieses eine Altenheim. Doch seitdem jener Altenpfleger dort arbeitete, waren die Gänge heller, die Bewohner freundlicher und die Arbeit effektiver.

Meine Patientin (nennen wir sie mal Frau Müllermeierschmidt) wollte partout nicht laufen. Schwindelig war ihr, die Beine wackelig und jedes Mal musste sie zur Toilette. Doch wenn ich ihr sagte, dass unser Altenpfleger Dienst hatte und auf der Station unterwegs war, so waren alle Wehwehchen vergessen und sie konnte laufen wie ein junges Mädchen. Also, wie ein junges Mädchen mit Rollator. Und wie gern sie ihm dann hinterher schaute. „Hach“, seufzte sie dann immer. „Ich wollte ja auch immer einen großen Mann. Und was hab ich bekommen? Einen Gartenzwerg.“ Ich hatte selbst mal einen Freund gehabt, der zwei Meter groß war. Deswegen wusste ich, dass große Männer nicht nur Vorteile hatten. Das versuchte ich ihr zu erklären: „Stellen Sie sich das doch mal vor, Frau Müllermeierschmidt. Beim Küssen bekommt man nur Nackenschmerzen.“ Sie  verzog das Gesicht. „Ich küsse sowieso nicht.“ Der Altenpfleger hingegen hatte Spaß: „Für dich würde ich mich sogar bücken.“

Und in dem Stil ging es weiter. „Hach, ich wollte ja immer einen großen Mann (…)“ „Aber Frau Müllermeierschmidt, große Männer sind total unpraktisch. Schon allein im Bett, denn…“ Obwohl der Altenpfleger im Dienstzimmer war, hatte er uns gehört und unterbrach mich. Er kam fast auf den Flur gesprungen: „Woran du schon wieder denkst.“ Und zwinkerte mir anzüglich zu. Ich schüttelte den Kopf und vollendete meinen Satz: „Im Bett muss man immer diagonal liegen, weil sonst kein Platz ist. Das ist viel zu eng.“

Oder an einem anderen Tag: „Hach, ich wollte ja immer einen großen Mann(…), sieht er nicht gut aus?“ Naja, mein Typ war er ja eigentlich nicht – viel zu groß und viel zu dünn – aber dieser Flirt machte mir Spaß und vor allem auch meiner Patientin. Mittlerweile lief sie auch sehr sicher am Rollator. „Aber Frau Müllermeierschmidt, an dem Kerl ist doch nichts dran. Er hat ja nicht mal’n Hintern in der Hose.“ Zu doof, dass man mit den alten Leuten so laut sprechen muss. Somit hörte der Altenpfleger uns, obwohl er am Ende des Flures stand. Sogleich kam er zu uns herüber gelaufen. „Gefällt dir mein Hintern etwa nicht?“ Ich zuckte mit den Schultern: „Meiner ist schöner.“ Während der Altenpfleger meinem Po einen kurzen Blick widmete, schlug meine Patientin vor, er müsse mal hinlangen: „Durch die Hose sieht man doch nichts. Sie müssen schon anfassen.“ Na, das hätte wahrscheinlich eine Ohrfeige gegeben. Er ahnte das wohl und verschwand im nächsten Zimmer.

12 Kommentare zu „Der Altenpfleger – Flirtereien

      1. Gute Frage… für die Altenpfleger-Rolle fällt mir kein Schauspieler ein, der groß und dünn genug ist. Hast du eine Idee? 😉 für die weibliche Hauptrolle hätte ich gern Sibel Kekilli. Man hat mir mal gesagt, wir hätten die gleichen Augen😎 und für die alte Dame? Puuuh…

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      2. Nochmal Frau Kekilli gegoogelt, hatte nur ein grobes Bild von ihr vor Augen. Hmmm… Langer Schauspieler? Bully Herbig? Ist ja ein Film für’s ZDF, unter 40 geht da nichts. Und die Frau mit Rollator…. haben die doch im Fundus irgendwo…. Hannelore Hoger?

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