Der Altenpfleger – Wie alles begann

Ich lernte den Altenpfleger letztes Jahr im Sommer kennen – also vor dem Soldaten. (Meine aktuelle Zeitrechnung kennt drei Zeitzonen: vor dem Soldaten, währenddessen, und nach dem Soldaten.) Der Altenpfleger arbeitete in einem Altenheim, in dem ich von Zeit zu Zeit beruflich zu tun hatte. Eigentlich war ich schon länger nicht im Heim selbst gewesen, sondern nur in den Altenwohnungen, die ebenfalls dort auf dem Gelände waren. Aber mein Patient in einer dieser Wohnungen hatte mich auf dem Laufenden gehalten, hatte erzählt, dass ein neuer Pfleger im Altenheim arbeitete. Ein Pfleger, der scheinbar was drauf hatte, menschlich war und scheinbar sogar motiviert. Denn mal ganz im Ernst: Dieses Altenheim erfüllt alle negativen Klischees: die Pfleger sind gestresst, unmotiviert und unfreundlich. Die Bewohner werden abgeschoben, in eine Ecke gesetzt und nur beachtet, wenn sie eine gewisse Lautstärke erreichen. Das Heim an sich wirkt fürchterlich düster, altmodisch und teils schmuddelig. Wenn ich dort war, bin ich immer ganz schrecklich müde und will nur noch in mein Bett – als würde das Heim all meine Energie aus mir heraussaugen.

Eines Tages rief jemand vom Pflegepersonal bei uns in der Praxis an, da eine neue Bewohnerin im Altenheim Krankengymnastik benötigte. Ich war diejenige, die diesen Hausbesuch übernahm und fuhr in meine geliebte Alten-Verwahrstation. Zuerst suchte ich das Pflegedienstzimmer auf und dort saß der neue Altenpfleger: Gefühlt 2,50m groß, sehr schlank und ihm blitzte der Schalk aus den Augen. Ich stellte mich kurz vor und er erklärte mir direkt alles, was ich zur betreffenden Patientin wissen musste. Wow, normalerweise musste ich den Angestellten dort immer alles aus der Nase herausziehen, wenn ich dort überhaupt einen Ansprechpartner fand. Er begleitete mich dann sogar zur Patientin, die noch im Speisesaal saß und brachte uns dann noch hoch in ihr Zimmer. Was für ein Service, sonst musste ich mir immer selbst meine Patienten und deren Zimmer suchen (Saftladen!).

Meine Patientin, 88 Jahre alt, saß im Rollstuhl und himmelte den Altenpfleger an. „Hach, Sie sind ja so ein hübscher Mann. Haben Sie eigentlich eine Freundin?“ Schlagfertig antwortete er ihr: „Ja und die steht direkt neben Ihnen.“ Ähja, da stand ich! Ich bin zwar durchaus schlagfertig, aber in dem Moment blieben mir die Worte weg. Blöderweise verriet aber mein Gesicht was ich dachte, denn ich wurde knallrot – glaub ich. Fühlte sich so an. Zum Glück sagte keiner was dazu!

Meine Patientin baggerte den Altenpfleger weiter an: „Wahnsinn, wie lange Beine Sie haben. Können Sie überhaupt Hosen in ihrer Größe finden?“ „Tja“, sagte er. „So einfach ist das nicht. Meist sind die Hosen dann sehr teuer. Und sie wissen ja, ich bin ja nur ein armer Altenpfleger.“ Meine Patientin lächelte ihn an: „Dann müssen Sie sich eine reiche Freundin suchen!“

Der Altenpfleger grinste mich an: „Was verdienst du?“

13 Kommentare zu „Der Altenpfleger – Wie alles begann

      1. Allerdings. Da sind wir doch alle gleich, im medizinischen Bereich. Unser Radiologe im Haus musste doch glatt seinen dritten Porsche verkaufen, weil er sich keine größere Garage leisten kann…

        Gefällt 3 Personen

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