Der Student – Das Date

Der Student und ich kommunizierten weiter: Ich schrieb, er sprach (vielleicht konnte er gar nicht schreiben?). Nach zwei Wochen verabredeten wir uns zum Kaffee. Er schlug vor, dass er zu mir kommen könnte. Immerhin habe er ein Semesterticket und könne somit kostenlos Bus fahren. Die Verbindung im öffentlichen Nahverkehr zwischen seinem Wohnort und meinem ist relativ gut (relativ!). Nein, ich fand es besser, wenn wir uns in seiner Stadt trafen (nicht, dass wir noch dem Soldaten über den Weg liefen). Außerdem war ich ja keine Studentin, hatte ein Auto und war somit flexibel.

Wir verabredeten uns für einen Sonntagnachmittag. Blöderweise war ich schon früh morgens auf einem Reitturnier und später als erwartet wieder zu Hause. Pünktlich hätte ich es auf keinen Fall geschafft, außerdem war ich total erschöpft. Also sagte ich unser Treffen ab oder besser: wir verschoben es um eine Woche.

Eine Woche später: ich fuhr in die Studentenstadt, 60km entfernt, und ich war fast pünktlich. Ich parkte mein Auto und lief zum Café. Vor dem Café stand ein junger Mann, der mir schon von weitem zuwinkte. Aha, er hatte also bessere Augen als ich. Auf die Entfernung hätte ich ihn niemals wieder erkannt. Aus nächster Nähe vermutlich auch nicht. Sein Anblick weckte zumindest keinerlei Erinnerungen an jenen Partyabend. Zumindest hatte der Student Ähnlichkeit mit seinem Whatsapp-Profilbild, obwohl er auf dem Bild besser aussah. Ich will damit nicht sagen, dass er hässlich war, aber ich fand ihn absolut nicht attraktiv. Er hatte zwar volles Haar, doch es war stumpf und glanzlos. Seine Haut hätte dringend eine Feuchtigkeitscreme nötig gehabt; er hatte Augenringe und sah aus, als ob er dringend Schlaf nötig hätte. Außerdem wirkte er nicht so, als wenn er regelmäßig ins Fitness-Studio gehen würde. Viel mehr glaubte ich, dass ich ihn beim Armdrücken schlagen würde.

Er lächelte mich an (oh Gott, er hatte schiefe Zähne). Ich wollte ihm die Hand zur Begrüßung geben, doch er umarmte mich direkt. Boah, und dann roch der auch noch nach Schweiß! Zack, durchgefallen! Den Typen würde ich nie wieder treffen. Wir gingen ins Café, bestellten Kaffee und plauderten. Ja, das Gespräch war ganz nett und es gab keine peinlichen Pausen. Trotzdem fand ich den Studenten absolut nicht anziehend, fast schon abstoßend. Höchstens so erotisch wie Knäckebrot. Am Besten war unser Date, wenn ich meine Nase in die Kaffeetasse tauchte und auf den Tisch schaute, sprich: wenn ich ihn nicht roch und nicht sah, sondern wenn ich ihn nur hörte: die Stimme war der Hammer!

Nach zwei Stunden verabschiedeten wir uns – ich musste meinen Kaffee selbst zahlen. Wir versprachen weiter in Kontakt zu bleiben. Was für eine Floskel. Ich meldete mich nicht bei ihm und er sich nicht bei mir. Gut so!

12 Kommentare zu „Der Student – Das Date

  1. LoL, ich musste gerade herzhaft lachen. Fühlte mich an all meine bescheuerten Dates der letzten fünf Jahre erinnert. Da könnte man das ganze Internet zuspammen mit den Geschichten: schiefe Zähne – ja, Schweiß – ja, mich wie in einer Folge von SATC abgeschlappern lassen müssen und den Typen angewidert zurückdrängen, glitschige Hände, Raucheratem, Religionsfanatiker … Was man auf dem sogenannten freien Markt so erlebt. Bin gespannt, was Du noch alles in Deinem Blog so schreibst. Du schreibst sehr unterhaltsam. Das mag ich. 😉

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