Der Soldat – Der Vollstreckungsauftrag

War der Soldat nun insolvent oder nicht? Warum war ich als Gläubigerin dann nicht informiert worden? Immerhin waren seine Schulden ja aktenkundig. Gab es überhaupt noch eine Möglichkeit an mein Geld zu kommen?

Eine Freundin riet mir, auf der Seite www.insolvenzbekanntmachungen.de nachzusehen. Dort werden alle Insolvenzverfahren veröffentlicht. Also tippte ich den Namen des Soldaten in die Suchmaske und bekam das Ergebnis – nämlich keins! Das bedeutete, dass er entweder nicht insolvent war oder, dass das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet war. Ich recherchierte weiter, gab seinen Namen bei google ein. Das tat ich sowieso regelmäßig. Bisher hatte ich da das nichtssagende stayfriends-Profil gefunden, das der Single-Börse (die Geschichte hatte ich ja erzählt)und diverse andere Seiten, die mir nicht halfen. Aber zwei neue Ergebnisse spuckte google dieses Mal auch aus: er hatte ein Hotel bewertet und hatte sich ein Profil bei Xing angelegt. Das Hotel hatte er Anfang September besucht. Es war in der Universitäts-Stadt, wo er seine Fake-Wohnung gehabt hatte. Er war dort als Alleinreisender wegen der Arbeit gewesen. Moment, welche Arbeit? Und wieso musste er sich ein Hotel nehmen? Die 60km konnte man doch auch fahren. Überhaupt fand ich es nicht sonderlich klug, öffentlich und mit vollem Namen Bewertungen im Internet anzugeben. Dann hatte er auch noch seinen Doktortitel mit angegeben. Ausgerechnet, und das bei seiner miserablen Rechtschreibung. Peinlich! (Hatte ich erwähnt, dass er einen Doktortitel hat? Ehrendoktorwürde, als Dank für seinen heldenhaften Taten im Auslandseinsatz.)

Das Xing-Profil hatte er ebenfalls seit September. Er pries sich als Freiberufler im Event- und Marketingmanagement an. Ich glaube, dass ich euch das noch gar nicht erzählt hatte. Ich habe schon so viel erzählt, aber ich weiß nicht, welche Details ich vergessen habe. Ehrlich gesagt, mag ich auch die ganzen Beiträge nicht durchlesen um zu schauen, was ich schon geschrieben habe und was nicht. Das weckt zu viele Erinnerungen. Nehmt es mir nicht übel, wenn ich etwas doppelt erzähle. Und falls ich was vergesse und ihr etwas dadurch nicht versteht, dann fragt ruhig nach 😉

Anfang des Jahres, irgendwann zwischen Bundeswehrkündigung und Krebsdiagnose, hatte er rumgesponnen, dass er sich selbstständig machen wolle. Sein Cousin habe eine Firma für Eventmanagement. An dieser Firma habe er Anteile, hatte mir der Soldat erzählt. Er präsentierte mir sogar ganz stolz die Homepage (würde ich euch auch gern präsentieren, aber das gibt nur Ärger 😉 ). Wenn er mit der Bundeswehr fertig sei, wolle er sich mit seiner eigenen Firma selbstständig machen, immerhin wolle er ja seinen Lebensstandart halten können. Scheinbar war es nun soweit und er legte die ersten Grundsteine – zumindest auf Xing.

Wirklich weiter half mir das ganze dennoch nicht. Also druckte ich mir den Antrag für den Gerichtsvollzieher aus (http://www.justiz.de/formulare/zwi_bund/vollstreckunggerichtsvollzieher_GV6.pdf;jsessionid=77DD894E8C2180CF071792B81C98D8B8). Den konnte ich natürlich auch nicht alleine ausfüllen. Mittlerweile verstand ich das Beamten-Deutsch zwar schon besser, dennoch war es noch lückenhaft. Was durfte ich denn überhaupt alles beantragen? Abnahme der Vermögensauskunft – klar, das wollte ich. Pfändung – auf jeden Fall! Erlass des Haftbefehls nach § 802g ZPO – war das möglich?? Beim Amtsgericht durfte mir eine nette Beamtin den Antrag ausfüllen und sie kreuzte alles an. Sollte der Soldat sich also weigern, Auskünfte zu geben, würde er ins Gefängnis wandern.

Schadenfreude ist die schönste Freude!

 

18 Kommentare zu „Der Soldat – Der Vollstreckungsauftrag

    1. Ich kenn mich in dem Bereich nicht aus. Er hatte das mal erwähnt und mir fiel das wieder ein, als ich seine Beiträge im Netz las. Aber jetzt wo du es sagst: für solch Heldentaten gibts wahrscheinlich eher das Bundesverdienstkreuz, oder? 😛
      Sein Profil bei stayfriends hat er auch mit Doktortitel…

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    2. Also ich hab lange in dem Bereich gearbeitet. Aber das kam mir nun wirklich Spanisch vor. Sowas hab ich noch nie gehört. Vielleicht eine Ehrenmedaille oder in Extremfällen das Bundesverdienstkreuz. Aber keinen Doktortitel. Wirklich nicht.

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      1. Wenn man sich in dem Bereich nicht auskennt, ist es wirklich schwierig sowas zu widerlegen. In den letzten 2 Jahren habe ich ne Menge über die Bundeswehr und unser Rechtssystem gelernt 😉

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  1. Oder was Bundeswehr-Internes, irgendein Orden … Auf jeden Fall hättest du das gelesen, wenn du ihn googelst… So gerne, wie ich deinen Blog lese und so spannend ich es finde, aber manchmal patsche ich mir beim Lesen an die Stirn und denke: „NEIN!“ Aber dass du so an deinem Geld dran bleibst finde ich super 👍🏻!

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  2. Ehrendoktor? Woooofür??? Seinen Nobelpreis hatte er Dir wohl verschwiegen, ja? Und die Hauptrolle im Bond-Film auch? 🙂 🙂
    Oweh… ich denke, da geht es auch nicht um Schadenfreude, sondern eher darum, daß er mit dem Allerwertesten an die Wand genagelt wird.

    Bin gespannt auf die Fortsetzung….

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  3. Eigentlich wollte ich – nach deinem Besuch gestern auf meiner Seite – nur mal kurz auf deinem Blog vorbeischauen. Aber deine Geschichte ist so unglaublich, dass ich direkt hängengeblieben bin und jetzt alles gelesen habe. Ich werde dir auf alle Fälle auch weiterhin folgen. Halte dir die Daumen und wünsche dir viel Kraft für alles, was noch kommt!

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  4. Halte durch! Das Recht ist auf Deiner Seite. Der Typ hat es nicht anders verdient. Und irgendwann fällt sein schlechtes Karma sowieso auf ihn zurück. What goes around comes around, wie me in bester Buddy immer sagst. Selbst wenn Du keine Kohle siehst, wenn Du den Titel erst mal hast, kann er finanziell nix groß mehr machen, es sei denn er zahlt.

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