Der Soldat – Der Vollstreckungsbescheid

Zwei Wochen vergingen, ohne dass ich noch mal was vom Soldaten hörte. Zwei Wochen verstrichen und somit auch die Frist um dem Mahnbescheid zu widersprechen. Und so saß ich eines Abends vor dem Formular zum Antrag des Vollstreckungsbescheids. Mir ging es nicht gut. Ich fühlte mich kraftlos und entnervt. Ich hatte keine Lust mich durch das Beamtendeutsch zu arbeiten. Vielleicht konnten wir uns doch gütlich einigen?!

Ich: Willst du es ernsthaft drauf ankommen lassen, dass ich den Gerichtsvollzieher einschalte?

Er: Warte ab, mein Rechtsanwalt meldet sich schon bei dir.

Ich: Klar. Die Frist ist ja schon verstrichen.

Er: Warte ab, du wirst Post bekommen.

Ich: Schön.

Also war keine friedliche Einigung möglich. Beim Ausfüllen des Antrags ließ ich mir wieder helfen. Das kostete Zeit und mir ging diese ganze Rennerei auf die Nerven. Andererseits lenkte es mich auch von meinem Kummer ab. Irgendwie fühlte es sich unwirklich an, fast wie ein Spiel:

Du hast den Mahnbescheid beantragt – rücke fünf Felder vor. Er droht mit Widerspruch – zwei Felder zurück. Du beantragst den Vollstreckungsbescheid – damit kommst du ins nächste Level. Er droht mit seinem Anwalt – setze eine Runde aus.

Irgendwie verrückt das Ganze! Der Soldat änderte nebenbei übrigens ständig sein Whatapp-Bild und seinen Status. Mal war es ein Foto von seinem – durch das Unwetter ruinierten – Garten (oooh, eine Runde Mitleid!), dann war es ein Bild von einem Minion. Als Status war es ein Herz-Emoji. Klar, das tat irgendwo weh, aber viel schlimmer wäre ein Pärchen-Foto gewesen. Vielleicht setzte er das bewusst nicht rein… Wer weiß, wie viele Freundinnen er gleichzeitig hatte?!

Vier Tage später:

Er: Zur Info für dich: meine Rechtsanwälte haben Einspruch beim Amtsgericht eingereicht. Ich denke, du wirst dann in den nächsten Tagen Post bekommen.

Ich: Mit welcher Begründung? (Anmerkung der Autorin: der Widerspruch gegen einen Mahnbescheid muss begründet werden)

Er: Wirst du dann schon sehen. Und wenn der Brief da ist, bitte alles Weitere nur über meine Rechtsanwälte.

Gehe fünf Schritte zurück! Da war er wieder, der emotionale Rückschritt. Ich bekam übrigens tatsächlich Post vom Amtsgericht. Es war nicht der erhoffte Titel/Vollstreckungsbescheid, es war auch nicht die befürchtete Mitteilung über den Widerspruch. Nein, ich hatte einen kleinen Fehler im Antrag gemacht, den ich ändern sollte. Telefonisch fragte ich nach, ob ich das schriftlich per Post machen müsse oder ob das auch per Fax ginge. Ich nutzte die Gelegenheit um nach dem Widerspruch zu fragen. Die Dame beim Amtsgericht verneinte: Dort liege nichts vor. Der Soldat hatte mal wieder geblufft! (Du darfst drei Felder vorrücken)

Zwei Wochen später hatte ich den Titel in der Post und somit hatte der Soldat den Vollstreckungsbescheid erhalten. Ziehe vier Felder vor! Er konnte nachwievor Widerspruch dagegen einlegen, aber in dem Brief vom Gericht wurde davor ausdrücklich gewarnt. Sollte man nicht triftige Gründe für den Widerspruch haben, sollte man davon absehen, da sonst hohe Kosten entstehen könnten. Mir teilte das Mahngericht mit, dass dieses nun nicht mehr für das weitere Procedere zuständig sei. Ich müsste mich an das hiesige Amtsgericht wenden. Blöderweise war Freitagnachmittag und langes Wochenende wegen des Tags der deutschen Einheit. Setzte eine Runde aus. Ich konnte mich also erst nach dem Wochenende um alles kümmern, aber da ich ja gute Kontakte habe, konnte ich mich zumindest schon mal informieren, wie ich weiter vorgehen könnte.

Option 1: Kontopfändung. Dafür musste ich wissen, bei welchem Kreditinstitut der Soldat seine Konten hatte. Wusste ich nicht – gehe einen Schritt zurück.

Option 2: Gehaltspfändung. Dafür musste ich Angaben über seinen Arbeitgeber haben. Arbeitsloser Ex-Soldat. Das half mir auch nicht weiter – gehe zwei Schritte zurück.

Option 3: Gerichtsvollzieher beauftragen. Kostet Zeit und Geld, zumindest mehr Geld als die Bearbeitungsgebühr der oben genannten Optionen. Setze eine Runde aus.

Ich wusste nicht was ich tun sollte, und so schrieb ich dem Soldaten mal wieder. Ich hatte ja nichts zu verlieren.

Ich: Gib mir mal bitte deine Kontodaten.

Er: Was willst du mit meinen Kontodaten?

Ich: Ich will dein Konto pfänden lassen. Alternativ könnte ich auch nen Gerichtsvollzieher beauftragen, aber das kostet Zeit und Geld. Naja, letzteres würde dir in Rechnung gestellt werden. Und da ich so ein neter Mensch bin, möchte ich dir das erspraren. Mal abgesehen davon, was sollen denn die Nachbarn denken bzw. deine Freundin, wenn plötzlich der Gerichtzvollzieher bei dir vor der Tür steht?

Er: Dann sag ich dir jetzt ma was. Da ich vor sechs Wochen Privatinsolvenz angemeldet habe beim Gerichtsvollzieher in B. Herr XY sowie meine Konten umgestellt habe auf Pfändungsschutzkonten wirst du nichts bekommen. Zumal deine Forderung eh nicht ganz stimmt. Aber da kümmere ich mich drum, wenn es mir besser geht.

Ich: Das sehen wir dann

Er: Versuch dein Glück.

Setze zwei Runden aus, verliere den Boden unter den Füßen, heule Rotz und Wasser und gehe 10 Schritte zurück!

12 Kommentare zu „Der Soldat – Der Vollstreckungsbescheid

  1. Weiter so! Dieser Typ ist ja leider nichts weiter als ein Föhn… Du hast wirklich einfach was Besseres verdient. Wo Du denjenigen finden kannst weiß ich nicht. Aber meiner Meinung nach ist ALLES besser als dieses A********!

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  2. Ich habe gerade einen Flashback. Meine beste Freundin war auch mal mit so einem Typen zusammen. Das war ein Drama. Der war/ ist auch Soldat, hat mittlerweile einen Sohn. Sie hat ihm (Andre) auch viel Geld geliehen. Dafür hat er sie nach Strich und Faden betrogen mit etlichen Frauen. Am Ende hat sie einen Vollstreckungsbescheid gegen ihn erwirkt. Leider hat sie die Kohle bis heute nicht gesehen, weil er Privatinsolvenz angemeldet hat. Das Gute an der Geschichte: Da er seinen besten Kumpel genauso abgezockt hatte, haben meine beste Freundin und der ehemals beste Kumpel zusammengefunden und sind heute glücklich verheiratet. Für den Arsch war das ein Schlag ins Gesicht – zumindest hat der bei dem Gerichtstermin ziemlich doof geschaut. Hoffe, Du hast bald Deine Ruhe mit diesem Mann und findest Dein Glück.

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