Der Soldat – Der Mahnbescheid

Am Tag, nachdem ich den Mahnantrag abgeschickt hatte, bekam ich eine Whatsappnachricht vom Soldaten.

Er (9:38): Moin! Würde nächste Woche gerne mit dir persönlich das Finanzielle besprechen bzw. klären. Wann kannst du?

Da ich arbeiten war, bemerkte ich die Nachricht erst eine Stunde später. Ich wusste nicht, war ich ihm antworten sollte. Einerseits war das Thema für mich durch. Andererseits wollte ich schon wissen, was er mir zu sagen hatte, welche Geschichte er sich als nächstes ausdenken würde. Ich fand es überhaupt interessant, dass er sich noch mal meldete. Bisher hatte er ja nicht den Eindruck erweckt, dass er sich bemühte seine Schulden zu begleichen. Vielmehr hatte ich meinem Geld hinterherlaufen und ihn daran erinnern müssen. Dementsprechend bekam er vorerst keine Antwort von mir. Es konnte nicht schaden ihn ein wenig zappeln zu lassen. Währenddessen rief ich beim Mahngericht an um zu fragen, wie lange die Bearbeitung des Antrags dauern würde. Ungefähr eine Woche! Wow, damit hätte ich nicht gerechnet. Normalerweise arbeiten Behörden doch langsamer!?

Er (17:31): ???

Ich (19:40): Ich weiß nicht, was du da noch besprechen willst.

Er: Das sag ich dir dann. Also wann hast du Zeit?

Ich: Du brauchst mir nichts mehr zu sagen. Kümmer dich um das Finanzielle, der Rest ist mir egal.

Er: Okay.

Na super, dieser kurze Wortwechsel hatte schon wieder gereicht um mir den Abend zu versauen. Außerdem musste ich mein Outfit für die Hochzeit am Wochenende noch heraussuchen. Das heiterte mich auch nicht gerade auf. Trotz der Tabletten hatte ich panische Angst vor der Feier. Ich fürchtete einfach, dass ich vor allen Leuten in Tränen ausbrechen könnte. Irgendwie überstand ich die Trauung, auch wenn ich immer wieder gegen die Tränen ankämpfen musste. Es war eine schöne Messe. Das Essen war gut, die Stimmung war super. Aber irgendwann nachts, während der Party, kam zur falschen Zeit das falsche Lied und ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich heulte mich bei meinen Mädels aus und fuhr dann nach Hause, damit ich den anderen nicht die Feier vermieste.

Ein paar Tage später, es war der Fünfzehnte des Monats, meldete ich mich bei dem Soldaten.

Ich: Was ist mit meinem Geld?

Er: So schnell geht das nicht und das weißt du auch

Ich: Das sagst du seit nem halben Jahr.

Er: Ich sagte ja auch, dass ich das Geld nur in Raten zahlen kann. Aber du willst es ja jetzt auf einmal

Ich: Die Raten sollten doch zum 15ten kommen?! Guck mal aufn Kalender

Er: Ich überweise dir das gleich.

Tatsächlich wollte ich gar nicht, dass er mir das Geld überwies. Mittlerweile wollte ich ihm so richtig weh tun. Dafür brauchte ich den Vollstreckungsbescheid. Dennoch machte es mir teuflisch Spaß ihm auf die Nerven zu gehen. Ich wusste, dass er mir das Geld nicht überweisen würde. Tat er auch nicht. Am nächsten Tag bekam ich Post vom Mahngericht. Ich sollte schon mal die Gerichtsgebühr zahlen, andernfalls könnte kein Vollstreckungsbescheid angefertigt werden. Diese Gebühr ist im Mahnbescheid mit aufgenommen worden; der Soldat würde sie auch zahlen müssen, falls er dazu in der Läge wäre. Aber ich musste in Vorkasse gehen.

Tags darauf meldete sich der Soldat wieder. Er hatte den Mahnbescheid bekommen.

Er: Ich hab heute nette Post bekommen und eines will ich dir mal sagen. Das du so hinterhältig bist hätte ich dir nicht zugetraut. Wie auch immer. Ich habe meine Rechtsanwälte eingeschaltet und die werden jetzt ganz genau schauen, was und wie viel du noch bekommst. Jedenfalls nicht das, was du forderst. Jetzt bin ich am Zug.

Ich: Ganz ehrlich, du hast mehr als eine Chance gehabt und sie einfach nie genutzt. Du hast mich belogen und betrogen wo es nur ging. Du hast gesagt, dass ich mich aus deinem Leben heraushalten soll. Das mach ich jetzt auch und lasse andere für mich arbeiten.

Er: Das werde ich auch machen.

Hinterhältig! Ich??? Na, die Zahlungserinnerung ein paar Tage vorher war natürlich provokant gewesen. Aber mich als hinterhältig zu bezeichnen, das war schlichtweg eine Frechheit. Dennoch zitterten meine Hände, während ich die Antwort tippte. Seine Drohung mit den Anwälten verunsicherte mich. Sollte er wirklich Widerspruch gegen den Mahnbescheid einlegen, wäre die Sache beim Amtsgericht abgeschlossen und würde an das Prozessgericht weitergegeben werden. Dann hätte ich doch einen Anwalt nötig und es würde teuer werden. Dachte ich zumindest. Ein Bekannter beruhigte mich. „Du hast doch den Schuldschein. Wenn du den beim Prozessgericht vorlegst müsste die Geschichte ganz schnell geregelt sein. Mädel, du hast den Kerl bei den Eiern!“

Und was sollte das heißen, dass ich nicht das bekomme, was ich fordere? Ich forderte genau die Summe, die er sich geliehen hatte; die Summe, die im Schuldschein stand (zuzüglich 2€ für das Porto und 35,50€ Gerichtsgebühr). Hatte er vergessen, wie hoch der Betrag war? Ich verstand die Welt nicht mehr. Zum Glück hatte ich Feierabend und konnte mich beim Tempotraining austoben.

Mir ist aufgefallen, dass es manchmal interessante Zufälle gibt. Ich bekam wieder einmal Post vom Gericht: Das Formular für den Antrag für den Vollstreckungsbescheid. Fünf Minuten später klingelte das Handy: Nachricht vom Soldaten.

Er: Ja, müde und ko.

Da hatte sich wohl jemand im Chat geirrt. Wenn er eine Frau gewesen wäre, hätte ich vermutet, dass das Absicht war um mit mir ins Gespräch zu kommen. Aber er war keine Frau! Und ich traute ihm solch weibliche Logik nicht zu. Trotzdem juckte es mir in den Fingern ihm zu antworten. Und wenn es eine patzige Antwort war! Es fiel mir wirklich schwer den Kontakt abbrechen zu lassen. Ich wusste, dass es besser so war.

Also ignorierte ich ihn und antwortete nicht.

6 Kommentare zu „Der Soldat – Der Mahnbescheid

  1. Tränen bei ’ner Trauung fallen nicht auf 🙂
    Der Typ hat aber auch den Schuß nicht gehört, oder? Ich wundere mich auch, warum er solche Dialoge alle schriftlich mit Dir geführt hat… Irre!
    Bin gespannt auf die Fortsetzung…

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    1. Wahrscheinlich ist schreiben leichter. Da hat man mehr Zeit über seine Worte nachzudenken 😉
      Mich wunderte vielmehr die Drohung mit den Anwälten – als wenn er noch einen Trumpf in der Hinterhand hätte.

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