Der Soldat – Mahnverfahren

Mir ging es am nächsten Tag schlecht, richtig schlecht. Ich hatte nachts nicht wirklich viel geschlafen und wachte am nächsten Morgen zerschlagen auf. Das Frühstück schmeckte nicht und ich kämpfte mich durch den Arbeitsalltag. In einer Pause sprang ich schnell in die Praxis meiner Hausärztin. Zum Glück ist die direkt nebenan. Ich ließ mir für den nächsten Tag einen Termin geben. Ich wollte irgendwas zur Beruhigung haben. Solange ich nicht darüber nachdachte und nicht über das Thema sprechen musste, hatte ich meine Emotionen im Griff. Aber wehe man ließ mich mit meinen Gedanken alleine – dann schossen mir direkt die Tränen in die Augen.  Außerdem heirateten am Wochenende Freunde von mir. Ich wusste nicht, wie ich das überstehen sollte. So sehr ich ihnen das Glück gönnte, aber ich mochte im Moment einfach keine glücklichen Menschen sehen!

Abends wollte ich den Antrag für den Mahnbescheid fertig machen. Wisst ihr, wie so ein Mahnverfahren abläuft? Habt ihr schon mal so einen Antrag gesehen? Ich weiß gar nicht, ob man für sowas extra studiert haben muss. Wie heißt die Sprache – Beamtisch? Ganz ehrlich, ich habe kaum etwas in dem Antrag verstanden. (Hallo, ich habe Abitur!) Meine Adresse und die des Schuldners (Soldat/Arschloch) konnte ich noch so gerade eintragen. Dann versagten meine Beamtisch-Sprachkenntnisse.  Am nächsten Tag rief ich beim hiesigen Amtsgericht an und bat um Hilfe. Der Beamte war sehr freundlich, lud mich zu sich ins Büro ein und wir füllten das Online-Formular zusammen aus. Falls euch das interessiert: www.online-mahnantrag.de Er war sogar so nett mir die Unterlagen in zweifacher Ausführung auszudrucken, sodass ich ein Exemplar für meine Unterlagen hatte und eins an das Zentrale Mahngericht schicken konnte.

(Das weitere Procedere ist dann wie folgt: Der Mahnantrag wird schon durch das Online-Formular auf Vollständigkeit geprüft, ähnlich wie es das Elster-Programm bei der Steuererklärung macht. Beim Zentralen Mahngericht wird dann der Mahnbescheid erstellt und an den Schuldner, also den Soldaten geschickt. Ob die Forderung korrekt ist, wird vom Mahngericht nicht geprüft. Der Soldat hat dann zwei Wochen Zeit zu widersprechen (mit Begründung!) oder zu zahlen. Sollte dies nicht geschehen, hat der Gläubiger, also ich die Möglichkeit einen Vollstreckungsbescheid zu beantragen. Korrigiert mich, falls ich falsch liege.)

Übrigens: Der Soldat, welcher ja eigentlich nur ein eventuell krebskrankes, lügendes, betrügendes Arschloch ist, hatte sich weder am Tag nach der Kirmes, noch am darauf folgenden Tag gemeldet. Ich ging nicht davon aus noch mal von ihm zu hören.

Nach dem Termin beim Amtsgericht fuhr ich weiter zu meiner Hausärztin. Sie war sehr verständnisvoll und hörte mir geduldig zu. So eine Ärztin ist Gold wert! Ich weiß nicht, wie andere Ärzte hier im Ort reagiert hätten. Durch meinen Beruf als Physiotherapeutin kenne ich natürlich viele Ärzte und bei einigen bezweifle ich, dass diese so einfühlsam reagiert hätten. Meine Ärztin sprach mir Mut zu. Sie schätzte mich so ein, dass ich stark genug bin, dass ich die Geschichte gut überstehen würde. Ich hätte einen Beruf, der mir Spaß machte, das würde mich bestimmt gut ablenken. Zur Beruhigung, vor allem in Hinblick auf die Hochzeit, verschrieb sie mir Tabletten (Im Nachhinein hatte ich übrigens nicht das Gefühl, dass sie wirklich geholfen hatten.)

Im Laufe des Tages besserte sich meine Stimmung. Ich glaube, dass mir weniger die Tabletten halfen, sondern vielmehr der Mahnantrag. Ich tat etwas, ich war selbst aktiv.

Meine engsten Freunde kennen übrigens die ganze Geschichte. Andere kennen nur Teile davon. Heute habe ich davon am Reitstall erzählt. Eine der Mädels arbeitet als ReNo, also Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, sie kennt sich also mit der Materie Mahnverfahren aus. Sie war ziemlich baff, dass ich den Antrag ohne Anwalt gestellt hatte. Ich war nahezu verunsichert, weil sie aus dem Lachen gar nicht mehr herauskam. „Kann man das nicht ohne Anwalt machen?“, fragte ich sie. Sie lachte: „Doch, kann man. Aber selbst große Firmen mit Rechtsabteilung schaffen das zum Teil nicht, weil die Anträge so kompliziert sind.“ Richtig, deswegen hatte ich den Antrag ja auch beim Amtsgericht ausfüllen lassen. Ich erklärte ihr, dass ich mir die Anwaltskosten sparen wollte. „So teuer wäre das gar nicht gewesen“, erklärte sie mir. „Aber ich find es klasse, dass du das alleine durchziehst. So selbstbewusst muss man erst mal sein.“

Letzteres ist Ansichtssache. Aber ich glaube, dass mir das hilft. Ich bin selbst tätig und muss nicht darauf warten, dass andere für mich arbeiten (abgesehen vom Amt).

7 Kommentare zu „Der Soldat – Mahnverfahren

  1. Ich glaube man nennt es Beamten- Deutsch oder?
    Wie auch immer- Du hast die richtige Entscheidung getroffen! Für was auch immer dieser Schmierfink Dein Geld wirklich gebraucht hat- er würde es Dir sicher nicht zurück geben…

    Gefällt 3 Personen

  2. Deine Einträge haben mich zu etwas inspiriert. Es gibt einen Fall, wo eine gewisse Person gewisse Versprechen gemacht hat, die nicht eingetreten sind. Eigentlich sollte die Sache möglichst geräuscharm gelöst werden. Es geht um unternehmensrechtliche Angelegenheiten, bei denen ich eine gewisse Entscheidungsrolle einnehmen kann. Durch deine Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt, bin ich der Meinung, dass eine vollständige juristische Durchleuchtung dieses Falles, mit dem ich zu tun habe, nötig ist. Vielleicht führt es zu nichts, vielleicht aber doch. Dann hat das Niederschreiben deiner Geschichte einen guten Sinn gehabt.

    Gefällt 1 Person

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