Der Soldat – Wieder daheim II

Ehrlich gesagt schreibe ich meine Beträge relativ planlos. Ich lege mir zwar kurz zurecht über welche Episode ich berichten will, doch dann schreibe ich einfach drauf los. Danach lese ich den Text kurz Korrektur und dann wird er veröffentlicht. Oft fällt mir erst später ein, dass ich dieses oder jenes Detail noch erwähnen sollte. So ging es mir auch gestern. Also gibt es zu dem letzten Beitrag noch einen zweiten Teil.

Ich erinnere mich noch daran, wie wir in meiner Küche standen und ich dem Soldaten einen Kaffee machte. Ich erinnere mich noch, dass ich ihm kaum in die Augen schauen konnte. Der Soldat sah schlecht aus. Sein Gesicht wirkte aufgedunsen, er hatte Augenringe und sah müde aus. Er hatte sich zwar frisch rasiert, aber dennoch (oder vielleicht gerade deswegen, mit Dreitagebart mag ich ihn lieber) sah er nicht frisch aus. Er merkte mir an, dass was nicht in Ordnung war und sprach mich darauf an: „Sehe ich so schlecht aus, dass du mich nicht mal anschauen magst?“ Nein, ich hatte einfach nur ein tierisch schlechtes Gewissen wegen meiner Zweifel an seiner Krankheit. Aber das konnte ich ihm ja schlecht sagen.

Wir saßen auf meinem Sofa und redeten. Davon hatte ich ja auch in meinem letzten Beitrag erzählt. Der Soldat bat mich darum mir den kommenden Mittwoch freizuhalten. Er hätte morgens ein weiteres Arztgespräch bei dem ich dabei sein sollte. Da ich Mittwochvormittags immer frei hatte, war das natürlich kein Problem. Mir war es wichtig!

„Oh“, fiel es ihm plötzlich ein. „Ich wollte dir heute eigentlich die erste Rate mitbringen. Verdammt, ich habe das Geld bei Mama liegen lassen.“ Ach, ärgerlich. Ich hätte dieses vermaledeite Thema gerne mal abgeschlossen, aber somit zögerte es sich noch weiter hinaus. Versteht mich nicht falsch, mir ging es nicht ums Geld, sondern einfach darum, dass ich mich auf ihn verlassen und ihm vertrauen wollte. Aber immer wieder enttäuschte er mich. Trotzdem war es ein schöner Abend, denn trotz allem hatte er mir gefehlt. Wir kuschelten und schliefen miteinander. Er entschuldigte sich dafür, dass er „unten herum“ nicht rasiert war. Dazu sei er nach dem Krankenhausaufenthalt einfach noch nicht gekommen. Warum ich das erzähle? Normalerweise war der Soldat ein Mensch, der extrem auf Hygiene und sein Äußeres achtete. Dass er jetzt nur im Gesicht frisch rasiert war, war ziemlich untypisch für ihn. Aber ich konnte ihn verstehen, dass er sich im Krankenhaus nicht rasieren wollte und es danach noch nicht geschafft hatte.

Tja, und sonst so? Ich war am nächsten Tag mit einer Freundin verabredet, die in der Uni-Stadt wohnt, wo auch der Soldat seine Wohnung und seine Ärzte hatte. Er fand das schade. „Ich bin das ganze Wochenende mit meinem Sohn bei meinen Eltern. Das hätte sich jetzt mal super angeboten, dass du zu mir kommst.“ Eine Woche noch, dann hatte ich Urlaub. Dann wäre es kein Problem auch mal spontan zu ihm zu fahren. Apropos Urlaub: blöderweise hatte ich Geburtstag. Wieder ein Jahr älter, noch dazu mit einer Null am Ende. Weil jeder wollte, dass ich groß feiere, feierte ich einfach gar nicht. Ich hatte Wellnessurlaub im Sauerland gebucht. Einfach mal abschalten und was für mich tun. Danach wollte ich mit meinen Eltern zu meinem Bruder nach Hamburg fahren. Der Soldat war begeistert: „Toll, kannst du dir dann einen Tag Zeit für mich nehmen? Dann komme ich auch nach Hamburg, zeig dir dort meine Wohnung und dann unternehmen wir was Schönes.“  Er überlegte, ob er sich dann das Segelschiff seiner Eltern leihen könnte, damit wir die Elbe entlang schippern können.  Er baute Luftschlösser, die greifbar für mich wurden. Es war ein tolles Gefühl, dass er Pläne mit mir schmiedete.

Auch wenn er nicht wegen mir um sein Leben kämpfen wollte.

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3 Kommentare zu „Der Soldat – Wieder daheim II

  1. Sehr vernünftig, sowas Rundes gar nicht groß zu feiern, wenn es jeder erwartet.
    Tja, und der Typ…? Wird bestimmt wieder einen Grund finden, warum Du doch nicht zu ihm auf Besuch kommen kannst, vermute ich… 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Bist du dir sicher, dass du langsam zum Ende kommst?
    Bei dem Typen komme ich einfach nicht mehr mit. Aber wenn du sagtest, dass er wirklich schlecht aussieht…hm ist er am Ende doch wirklich krank?
    Aber dann ist ja immer noch das ewige hin und her mit dem Geld da…verwirrend!

    Gefällt 2 Personen

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