Der Soldat – Die Diagnose I

Ich finde es überwältigend, wie viele Leute mittlerweile hier mitlesen und an meinem verkorksten Liebesleben teilhaben wollen. Damit hätte ich nicht gerechnet, als ich den Blog gestartet habe.

Der Soldat hatte seine Abschiedsfeier in der Kaserne. Eigentlich wollte er am nächsten Tag, sobald er wieder nüchtern wäre, bei mir vorbeikommen, aber er sagte mir ab. Ich war enttäuscht, nein, ich war sauer. Wieder mal! Er war über das Wochenende nach Hamburg gefahren, ganz spontan. Ich meldete mich nicht bei ihm und er sich nicht bei mir. Nach ein paar(!) Tagen machte ich mal wieder den ersten Schritt.

Ich: Guten Morgen! Alles klar bei dir?

Er: Ja, es geht wieder. Bin doch noch im Krankenhaus wegen meinem Magen. Die haben gestern ne Magenspiegelung gemacht und die war nicht so super. Heute machen die noch ne Magenpunktion.

Uuups, Krankenhaus? Ja, er hatte erzählt, dass eine Magenspiegelung geplant war, da er ein Magengeschwür hatte. Aber wurde sowas nicht eigentlich ambulant gemacht? Was war da los? Unser gemeinsames Wochenende mit Überraschung konnte ich wohl vergessen…

Ich fragte mehrfach, wie es ihm gehe, was los sei. Doch ich bekam keine oder nichtssagende Antworten.

Er: Das was die gefunden haben muss raus.

Ich: Was haben die denn gefunden?

Er: Ein fettes bösartiges Geschwür und das muss schnell raus. Montag werde ich operiert.

Ich: Bösartig heißt Krebs???
Er: Ja

Ich: Scheiße!

Wumms, ich wusste gar nicht mehr, was ich dazu sagen sollte. Stattdessen ließ ich ihn erst mal in Ruhe. Von ihm kam auch gar nichts. Wahrscheinlich musste er die Diagnose genauso verdauen wie ich. Ich versuchte später ihn telefonisch zu erreichen, aber keine Chance! Er ging nicht ran.

Zwei Tage später meldete er sich tatsächlich mal von sich aus.

Er: Drück mir bitte mal die Daumen für die OP morgen, ja?

Natürlich, das tat ich. Am nächsten Tag:

Er: Ich lebe noch, OP gut gelaufen, was jetzt genau ist weiß ich noch nicht. Muss jetzt weiter schlafen.

Ich: Schlaf gut. Wie geht es denn dann bei dir weiter?

Er(am nächsten Tag nachmittags): Mir geht’s so naja. Weiß auch noch nicht, wie das alles weiter geht. Bekomm jetzt erst mal noch Bestrahlung und abwarten.

Ich: Musste denn ein Teil vom Magen entnommen werden?

Keine Antwort. Auch telefonisch konnte ich ihn – natürlich – nicht erreichen. Als ich am nächsten Tag noch immer keine Nachricht von ihm bekommen hatte, schrieb ich ihm (ich find dieses Whatsapp-Getexte grausam, aber er reagierte ja sonst nicht).

Ich: Ich find’s schade, dass ich von dir so wenig höre. Ich mach mir auch Sorgen und das einzige, was ich weiß ist, dass du Magenkrebs hast, operiert wurdest und bestrahlt wirst. Ich hab im Studium ein paar Onkologievorlesungen gehabt. Soweit ich weiß, muss der Magen entfernt werden und Bestrahlungen werden im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt. Trotzdem ist die Prognose recht beschissen… Mit deinen nichtssagenden Nachrichten beruhigst du mich nicht wirklich. Ich hab eher das Gefühl, dass ich dich nerve… Ich kann verstehen wenn es dir schlecht geht und nicht immer schreiben willst. Aber ich dachte auch, dass ich deine Freundin bin und mit der teilt man doch seine Sorgen?! Scheinbar hab ich mich geirrt. Schade.

Ja, ich weiß, das ist eine harte Ansage, doch von seiner Rückengeschichte  wusste ich bereits, dass man ihm mal in den Hintern treten musste um eine Reaktion zu bekommen.

Liebe Leute, verteufelt mich bitte nicht, wenn ich hier unterbreche 😉 Erstens: ich muss ins Bett. Zweitens: andernfalls wird der Text zu lang. Drittens: Die Spannung muss gehalten werden.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr nach der nächsten Maus! Bzw. morgen.

6 Kommentare zu „Der Soldat – Die Diagnose I

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