Der Soldat – Auslandseinsatz – Resümee

Wie verhält man sich einem Menschen gegenüber, von dem man weiß, dass er als Soldat im Krieg war? Fragt man nach, was er erlebt hat oder wartet man ab, bis er von sich aus erzählt?

Ich brauchte meinen Soldaten nicht bitten mir von seinen Erlebnissen zu erzählen – er fing von sich aus an. Ein „Bombenwetter“ sei dort gewesen und eine „Bombenstimmung“. Eigentlich wollte ich das alles gar nicht so genau wissen, zumal ich doch wusste, dass er nach Weihnachten wieder weg musste. Trotzdem hörte ich geduldig zu, wahrscheinlich musste er das alles loswerden.  Doch als er begann mir von Frau Oberstabsärztin zu erzählen, mit der er mal eine Affäre hatte, wurde es mir zu bunt. Er versicherte mir zwar, dass er die Leibesvisitation verweigert habe, aber ich war doch leicht gereizt. Wollte er mich damit eifersüchtig machen? Oder war das pure Angeberei? Doch nachdem wir das Thema gewechselt hatten, wurde es noch ein schöner Abend 🙂

Die nächsten Tage waren mal wieder stressig für den Soldaten. Natürlich musste er viel arbeiten, Einsatzberichte schreiben etc. Aber er hatte keine Zeit für mich, reagierte gar nicht oder erst spät auf meine Nachrichten und ging auch nicht ans Telefon. Ich war zunehmend genervt. Ein paar Tage später meldete er sich dann morgens:

Er: Bist du zu Hause heute Morgen?

Ich: Ich bin auf dem Weg zum Training, warum?

Er: Dann wäre ich mal vorbei gekommen, allerdings nicht alleine.

Ich: Sondern?

Er: Mit meinem Sohn.

Ich: Die anderen warten auf mich… Sonst gerne.

Hätte er tags vorher sich mal gemeldet, mal nachgefragt wie es mir geht, was ich mache, was ich plane, dann hätte er das gewusst. Wenn er mir tags vorher Bescheid gesagt hätte, dann hätte ich das Training absagen können… Natürlich freute es mich, dass er mir seinen Sohn vorstellen wollte. Bisher hatte er mich ja noch nicht wirklich in sein Leben hineingelassen – seine Wohnung kannte ich immer noch nicht. Ich hätte den Kleinen echt gern kennengelernt, aber warum konnte der Kerl sich nicht einfach zeitig melden? Zumindest war meine Gereiztheit etwas beruhigt.

Scheinbar war ich ihm ja doch so wichtig, dass ich seinen Sohn kennenlernen sollte, auch wenn es diesmal nicht geklappt hatte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.