Der Soldat – Vorweihnachtszeit I

Die Adventszeit hatte begonnen. Der Soldat und ich kannten uns nun seit über einem Monat. Während ich über den Weihnachtsmarkt tourte, Weihnachtsfeiern besuchte und Geschenke kaufte, war der Soldat am arbeiten. Er war gestresst und hoffte, dass er bald Urlaub bekommen würde. Das hoffte ich auch, weil wir uns wirklich wenig sahen.

Was mich zunehmend nervte, war die Tatsache, dass ich immer diejenige war, die sich zuerst meldete. Ich wünschte ihm morgens einen schönen Tag und fragte, wie es ihm ging. Er antwortete zwar immer, aber von ihm aus kam relativ wenig. An einem Sonntag drehte ich den Spies einfach mal um und wartete ab, ob und wann er sich melden würde. Gegen 19 Uhr (!) kam eine Nachricht.

Er: Lebst du noch?

…oder ein paar Tage später:

Er (15:03): Hey, alles gut bei dir oder hast du wieder Stress auf der Arbeit?

Er (16:25): Hmm, hat sie mich etwa nicht mehr lieb?

Innerlich konnte ich nur noch die Augen verdrehen… Da meldet man sich mal einen halben Tag nicht und bekommt so eine Reaktion!

Auch die nächsten Tage blieben stressig. Wir sahen uns teils nur, wenn der Soldat als Patient zu mir zur Massage kam. Auch sein Urlaub wurde fürs erste gestrichen. Es war soweit, dass er darüber nachdachte, seinen Beruf an den Nagel zu hängen und ein neues Kapitel in seinem Arbeitsleben aufzuschlagen. Doch stattdessen meldete er sich freiwillig für den Auslandseinsatz. Nur für ein paar Tage, beruhigte er mich. Aber in Zeiten des Terrors hatte ich doch Bauchschmerzen daran zu denken, dass MEIN Freund ins Krisengebiet sollte. Natürlich sind die Soldaten immer von irgendwem der Sohn, Mann, Vater…. Aber wir kannten uns doch erst so kurz, dass mir noch gar nicht bewusst war, welchen Beruf er da tatsächlich ausübte.

Bevor er aber ins syrische Grenzgebiet aufbrach wollten wir uns noch mal in Ruhe treffen.

Er: Ich denke, dass ich gegen 18 Uhr direkt von der Arbeit zu dir komme.

Ich: Und wenn ich mal zu dir komme?!

Er: Das wollte ich machen wenn ich Urlaub habe  nächste Woche. Vorher aufräumen und dann für dich kochen.

Na, das waren doch mal gute Aussichten 🙂 So konnte ich auch verschmerzen, dass ich nachwievor seine Wohnung nicht kannte.

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