Der Soldat – Der Anschlag

Ich war heute Morgen in der Stadt, ein bisschen bummeln, ein wenig shoppen. Das gute Wetter hatte viele Leute aus den Häusern gelockt. Unheimlich viele Paare mit Kindern. Ich will das auch! Dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit, das Gefühl von Familie – von Liebe!

Ich muss sagen, dass mir das Schreiben im Moment schwer fällt. Schon allein die alten Chatverläufe zu lesen macht mich traurig. Was ist schief gegangen, dass sich dieser Mann so verändern konnte? Es begann so gut, wir wirkten so verliebt, so glücklich. Was ist passiert? Doch viel mehr frage ich mich, wie ich mich dermaßen in diesem Menschen täuschen konnte…

Eine Woche war seit unserem ersten Date vergangen. Am Tag nach unserem ersten gemeinsamen Sex sah ich, dass der Soldat seinen Whatsappstatus geändert hatte: „So wie es ist, ist es perfekt.“ Das bezog ich einfach mal auf mich und damit war ich glücklich. Das Wochenende sollte er mit seinem Sohn verbringen und ich traf mich mit meinen Mädels um sie auf den neuesten Stand zu bringen in meinem Soap-Opera-Leben. Zwischendurch schickte er mir Fotos von sich und dem Kleinen und berichtete vom gemeinsamen Schwimmbadausflug, vom Apfelkuchenbacken, vom Männerwochenende. Wir hätten uns gerne getroffen, aber das war uns doch etwas sehr früh, wenn ich jetzt schon, nach einer Woche, seinen Sohn kennenlernen würde.

Übrigens: Es war das Wochenende der Anschläge in Paris. Das sollte später noch wichtig werden.

Sonntags hatten wir unser nächstes Date. Dank meines Smartphones und Terminkalenders kann ich das gut zurückverfolgen. Ich hätte ihn ganz gern in seiner Wohnung besucht, aber er wollte das nicht. Nach einem Vater-Sohn-Wochenende wäre es so chaotisch, dass er keinen Frauenbesuch akzeptieren könnte. Somit waren wir mal wieder bei mir. Er machte sich wieder mal über meinen Kühlschrank lustig – der ist nämlich immer leer. Zumindest fast. Senf und Licht ist immer da. Genauso wie Milch. Alle anderen Lebensmittel werden bei mir entweder sofort verarbeitet oder schlecht 😀 Somit bleibt der Kühlschrank fast leer. Aber der Soldat meinte, er würde bei mir verhungern. (Hey, Schokolade ist IMMER da!) Dennoch war es ein schöner Abend gewesen, obwohl er mich immer wieder neckte und aufzog, dass meine Wohnungseinrichtung nicht unbedingt seinem Geschmack entsprach. Das auf dem Bild ist übrigens Oskar, mein Mitbewohner. Hat leider etwas wenig zu essen bekommen, kein Wunder, so leer wie mein Kühlschrank ist.

20160501_020441[1]

Wo wir übrigens gerade bei Wohnungseinrichtung sind: Der Soldat erzählte mir von seiner Wohnung, wie klein sie sei, wo sie lag und wie sie eingerichtet war. Aber sie war ihm zu klein, weswegen er auf der Suche war nach was Größerem. Ihm schwebte ein Haus vor für sich und seinen Sohn. Er hatte schon was in Aussicht. Das Haus einer Ärztin hier im Ort. Interessenhalber bin ich an dem Haus mal vorbei gefahren. Das war kein Haus – das war eine Villa. Da sollte mehr als Platz sein für den Soldaten und seinen Sohn. Vielleicht irgendwann auch für mich?

Die nächsten Tage waren stressig für den Soldaten. Durch die Anschläge in Paris war der Terror in Europa angekommen und der Soldat musste unheimlich viel arbeiten. Sicherheitskonferenzen und was auch immer. Genaues durfte er mir natürlich nicht verraten, aber er meldete sich teils erst spät nachts um mir schöne Träume zu wünschen, weil er vorher einfach nicht dazu kam. Ich persönlich nutzte die Zeit, um meinen normalen Alltag mit Sport und Arbeit zu meistern. Ich musste zum Sport, ich musste Laufen, denn ich hatte mich für einen Marathon angemeldet. Ohne gezieltes Training würde mir das nicht gelingen. So merkte ich kaum, dass der Soldat mir fehlte. Mein Alltag war nicht anders, wie zwei Wochen zuvor, als ich noch Single war.

Der einzige Unterschied: Ich wusste, dass jemand an mich dachte.

3 Kommentare zu „Der Soldat – Der Anschlag

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.